Eine überwiegend wissenschaftliche Vorgehensweise vom österreichischen Regisseur Stefan Ruzowitzky sollte frischen Wind in das Genre des Zombiefilms bringen, fernab von gängigen Herangehensweisen, die lediglich Flucht, Kampf und Verschanzen beinhalten. Eine recht ähnliche Prämisse brachte seinerzeit allerdings auch Romero mit „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“, einschließlich diverser Auseinandersetzungen zwischen Forschern und Personen des Militärs.
Eine Art Tollwut-Virus machte weltweit aus den Menschen blutrünstige Biester. Viele Überlebende hausen seither in einem ehemaligen Raketen-Silo, einer Mischung aus Gefängnis und Forschungsstation. Morgan (Matt Smith) hat die Gabe mit Infizierten zu kommunizieren und versucht auf die Spur des ersten Infizierten zu gelangen, um mithilfe von Dr. Gina (Natalie Dormer) ein Gegenmittel zu entwickeln. Doch dann taucht ein infizierter Professor (Stanley Tucci) auf, der ganz anders als die anderen auf die routinierten Befragungen reagiert…
Mit wenigen Bildern ist die apokalyptische Situation etabliert, man erhält einen klaren Überblick über die Situation im Silo und erfährt, dass Morgan zu den wenigen gehört, die zwar das Virus in sich tragen, dieses aber nie ausbrach, wodurch er mit den Kranken reden kann, was in der ersten halben Stunde im Vordergrund steht.
Die Suche nach dem Ursprungsinfizierten gestaltet sich zwar nicht uninteressant, doch eine vermeintliche Dreiecksgeschichte und einige nicht wirklich wichtige Nebenfiguren nehmen zuweilen ein wenig Drive heraus.
Zudem wird keine übermäßige Nähe zu den Figuren aufgebaut. Sie verhalten sich überwiegend kühl und distanziert, - da helfen auch einige Flashbacks zu glücklichen Zeiten nicht viel. Deutlich interessanter gerät das Treiben mit Auftauchen des Professors, der im Gegensatz zu den Vorgängern nicht auf laute Musik reagiert und auch sonst kaum Attribute seiner Spezies offenbart. Genau hier hätte man auf knallharte Dialoge setzen können, doch bis auf eine kleine Wendung setzt Ruzowitzky in den letzten Minuten auf Action und eine kleine Hatz, die dem abrupt gesetzten Ende eines Pilotfilms zu einer Serie gleichkommt.
Die meisten Mimen performen brauchbar, viele wie Dormer und Matt Smith immerhin routiniert, wogegen Tucci augenscheinlich viel Spaß an seiner überheblich reagierenden Figur hat und der mit gelblichen Kontaktlinsen fast noch mehr Ausdruck hervorbringt als üblich.
Der Score setzt über weite Teile auf Streicher und fährt damit solide, während die Kulissen zumindest zweckdienlich ausfallen. Viele Effekte liefert das Treiben insgesamt nicht und auch die Gewalteinlagen halten sich hinsichtlich einer FSK16 in Grenzen.
Das kammerspielartige Setting dürfte nicht jedermanns Sache sein, doch über weite Teile funktioniert das aufgrund ordentlich ausgearbeiteter Dialoge und überwiegend rationalen Herangehensweisen. Erst im letzten Drittel wird das Gefüge durchbrochen und weicht kommerzieller Action, der es merklich an Schauwerten mangelt. Seine Möglichkeiten spielt der Stoff unterm Strich nicht aus und bleibt trotz guter Ansätze nur im sehbaren Mittelfeld hängen.
5,5 von 10