Ich bin beeindruckt. 1922 wurde dieses Filmerlebnis gefertigt, unter der Regie von Friedrich Wilhelm Murnau. Die Geschichte von Dracula diente als Vorlage, allerdings konnte man sich die entsprechenden Rechte nicht zu eigen machen, weswegen leichte storytechnische Veränderungen vorgenommen wurden und die Namen abgeändert wurden.
Übrigens haben wir Glück, dass wir heute diesen Film noch betrachten können: Die Stoker-Witwe konnte einst die Vernichtung des Films erwirken, weil ihm wie gesagt die Rechte an der Geschichte fehlten. Ein paar Kopien konnten glücklicherweise gerettet werden.
Hutter (Gustav von Wangenheim) ist Angestellter des seltsamen Knock (Alexander Granach), der Häuser verkauft. Eines Tages erhält er einen Brief vom Grafen Orlok (Max Schreck,Pendant des Dracula), der tatsächlich ein Haus in Bremen kaufen will. Knock schickt Hutter los, der sich davon eine gehörige Belohnung verspricht. Knocks Andeutungen, er müsse hierfür sein Blut hergeben, nimmt er nicht ernst. Vielmehr findet er jegliche Gerüchte, Graf Orlok könnte in irgendeiner Form unmenschlich sein, lächerlich. Er macht sich also auf den Weg nach Transsylvanien, um dort den Grafen das Haus zu verkaufen. Dort beginnt er zu erkennen, dass er auf etwas Böses gestoßen ist, das nun seine Frau Ellen heimsuchen will.
Bei jedem Satz, den man über diesen Film schreibt, muss man sich vor Augen halten, wie alt dieser Film ist. Über 84 Jahre ist sein Erscheinen nun her und er hat immer noch eine unglaubliche Wirkung auf den Zuschauer, obwohl (oder gerade weil) es sich um einen Stummfilm handelt. Er bildet offensichtlich die Grundlage für den heutigen Vampirfilm und es ist äußerst interessant, sich dessen Anfänge mal zu Gemüte zu führen. Gearbeitet wurde vor allem mit wundervoll düsteren und beklemmenden Bildern, tollen Schauspielern und Musik, die den Bildern in nichts an Angsteinflößungsvermögen nachsteht. Auch die Dialoge, die einem hier in schriftlicher Form mitgeteilt werden, tragen dazu bei, dass dieser Film absolut einzigartig ist in seiner altertümlichen und doch gruseligen Form. Der Zuschauer wird in den Bann des Nosferatu gezogen und fiebert bis zum Schluss mit. Dabei ist außerdem hervorzuheben, dass das Ende wirklich spannend und gut ist, kein 08/15-Happy End wie man es sich heutzutage so oft antun muss.
Fazit: Dem heutigen splatterverwöhnten Fan der jüngeren Generation dürfte es schwer fallen, sich dieser Art Film zu öffnen. Ganz offensichtlich handelt es sich jedoch um einen Grundstein für Vieles, was wir uns heutzutage anschauen dürfen. Daher ist "Nosferatu-eine Symphonie des Grauens" ein Film, den der Horrorfilmfan gesehen haben muss. Zudem kann er noch heute begeistern und baut eine atemberaubend düstere Atmosphäre auf, die ich so selten erlebt habe. Auch von mir 10 Punkte, vor allem im Anbetracht der damaligen Mittel. Übrigens: Die Vorstellung, dass Vampire kein Sonnenlicht ertragen, stammt aus diesem Film. In Stokers Buch war das nicht erwähnt. Euer Don