Review

kurz angerissen*

Man ist inzwischen so sehr auf Reboots geeicht, dass man zwangsläufig bei jeder Reaktivierung einer alten, früher gut laufenden Marke davon ausgeht, es mit einem solchen zu tun zu haben; erst recht, wenn in diesem Fall bereits 15 Jahre seit dem Original ins Land gezogen sind, das seinerseits ein Remake des japanischen „Ringu“ von 1998 darstellt, welcher wiederum eine Kinoadaption eines TV-Films von 1995 ist, die auf einem Roman von 1991 basiert. Mutation um Mutation, warum sollte man erwarten, dass Paramount hier etwas anderes als einen weiteren Neustart freigibt (zumal das 2005er Sequel „Ring Two“ eine kreative Sackgasse war). Doch Achtung, „rings“ versteht sich tatsächlich als direkte Fortsetzung der erfolgreichen Adaption mit Naomi Watts, an den ästhetisch mit Eifer angeknüpft wird: Sounddesign und Visuals haben damals für markante Schlüsselreize gesorgt, die bis heute nachhallen, ergo werden sie unverfälscht ins neue Jahrzehnt übertragen.

Jedoch sind sie in J. Javier Gutiérrez' Regiestil, mit dem er den Dialekt des jugendlich geprägten modernen Horrorfilms imitiert, ein Fremdkörper. Sie tragen in Komplizenschaft mit der Anlehnung an Fließbandware für den schnellen Jump Scare zwischendurch dazu bei, dass sich keine spezielle Handschrift entwickeln mag. Die in „Final Destination“-Manier konzipierte Eröffnungssequenz beruft sich eher auf den actiongetriebenen Herzschlagcharakter einer groß aufgezogenen Sache, nicht auf den intimen Grusel, der die Reihe so erfolgreich gemacht hat. Auch Spezialeffekte wie nach oben fallender Regen tragen nicht sonderlich zur Stimmungserzeugung bei.

Anhand der Medien, aus denen Samara kriecht, soll der Zeitgeist in ein Frame gesperrt werden, das von Bildflackern und Frequenzstörungen nur noch aus nostalgischen Gründen Gebrauch macht und ansonsten die Informationsverbreitungswege der Facebook-Generation nutzt, ohne aus ihnen einen echten Mehrwert zu ziehen. Seinen Horror hat das kriechende Mädchen im schmutzig-weißen Kleid irgendwann im Laufe der letzten Jahre durch die fortgeschrittene Popkultivierung verloren, so dass von der Beklemmung der japanischen Originale, deren Nachhall auch im ersten US-Film noch zu spüren war, nichts mehr da ist.

Übrig bleibt also ein Designprodukt, das um handfeste Aussagen einen ähnlich weiten Bogen macht wie das zentrale Video, das laut einer Filmfigur im Verbinski-Film die Ausstrahlung eines studentischen Kunstfilms versprüht. Zieht man die Kunst gemeinsam mit dem Grusel ab und behält den klinischen Hochglanz bei, erhält man „rings“.

*weitere Informationen: siehe Profil

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