Review

Der hat noch nichtmal die Kokosnuss geklaut...

Über 100 mal wurde Tarzan für die Leinwand oder die Mattscheibe inszeniert - sicher eine der meisterzählten Geschichten aller Zeiten. Von Johnny Weissmüller in den 30ern bis zum Disney-Meisterwerk Ende der 90er - der König des Dschungels ist Weltkulturerbe, unsterblich & scheint jeder Generation ein Begriff zu sein. 

Nun lief letztes Jahr mit "Legend of Tarzan" einer der teuersten & spektakulärsten Versuche aller Zeiten im Kino, den Affenmann auf Zelluloid zu bannen. Und trotz ein paar schöner Aufnahmen & fleischlich feinstem Eyecandy, war ich wohl nie enttäuschter von einer "Tarzan"-Verfilmung. Ein ansehnliches Milliongrab, ohne Seele, Liebe oder wirkliche Spannung. Erzählt wird in Rückblenden durch den gesamten Film, die bekannte Story des aufwachsenden Tarzan. Doch die eigentliche Geschichte spielt weit nach der allseits bekannten Legende & handelt von Tarzans (& Janes) erzwungener Rückkehr in seine grüne, menschenfeindliche Heimat...

"Legend of Tarzan" ist alles andere als legendär. Die Bauchmuskeln von Skarsgard sind spektakulär & Margot Robbie ist, trotz viel zu modernem Antlitz & Auftreten, eine prachtvolle & gern gesehene Fehlbesetzung. Dazu gibt es schicke Landschaften Afrikas & eine stark actionorientierte Ausrichtung des neuen Spin auf die klassische Figur. Doch um wirklich etwas Positives an diesem gefühlskalten Debakel zu finden, muss man schon tief bohren & Hardcore-Fan des Affenjungen sein. Zum größten Teil ist diese Legende eine, die man besser nie produziert hätte. Wer wollte die eigentlich? Ich sicher nicht! Und so erst recht nicht! 

Oft wirkt Tarzan wie ein deplatzierter, unfreiwillig komischer Dschungel-Supermann. Chemie sucht man zwischen ihm & Jane vergeblich, viele Effekte wirken halbgar & Christoph Waltz als Bösewicht verkommt einmal mehr zur Karikatur. Fast wie der gesamte Film. Wäre er nicht so öde, könnte man fast meinen, er legt Augenzwinkern & Selbstironie an den Tag. Wer Affen aus dem Computer will, guckt die zwei neuen "Planet der Affen". Wer Margot "Sex pur" Robbie will, guckt "Suicide Squad" oder "Wolf of Wall Street". Wer Waltz als Bösewicht will, guckt einen Tarantino-Streifen. Und wer "Tarzan" will, guckt bitte nicht diese leere Hülle von Film. 

Fazit: die spektakulärste aller Tarzan-Verfilmungen... und doch so leer, langweilig, lächerlich & unnötig. Ein Geldgrab, dass die Welt nicht braucht. Besser zu anderen Königen des Dschungels greifen - mit jedem vorangegangen "Tarzan" ist man besser bedient. Ein Fehlschlag auf ganzer Linie!

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