Ryan Gosling spielt einen finanziell klammen Jazz-Pianisten, der von einem eigenen Lokal in Los Angeles träumt. Sein Weg kreuzt sich mehrfach mit dem einer bisher erfolglosen Schauspielerin, gespielt von Emma Stone, die ihre Brötchen als Kellnerin verdient. Nach ein paar anfänglichen Nickeligkeiten werden die beiden ein Paar, das weiterhin vom Aufstieg träumt.
15 Jahre nach Baz Luhrmanns „Moulin Rouge“ kratzt mit Damien Chazelles „La La Land“ erneut ein Musical am Kultstatus. Der Film des aufstrebenden Regisseurs, der bereits mit „Whiplash“ einen der beeindrucktesten Filme der letzten Jahre abgeliefert hatte, wurde mit Golden Globes überschüttet, vom Publikum gefeiert, spülte bei einem Budget von 30 Millionen (bisher) knapp 200 Millionen Dollar in die Kinokassen und gilt mit 14 (!) Oscarnominierungen als einer der aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen um den besten Film des Jahres. Und wieder wird von den Kritikern eine Phrase bemüht, die zu Zeiten von „Moulin Rouge“ ebenfalls in aller Munde war. So heißt es etwa bei Empire UK: „La La Land is the latest great musical for people who don`t like musicals“. Daher nun eine Kritik aus Sicht eines Musical-Hassers, der „Moulin Rouge“ nur wenig abgewinnen konnte und den Regisseuren des New Hollywood kaum dankbarer dafür sein könnte, dass sie der ausgehenden Musical-Ära ein Ende bereitet haben.
Der Film beginnt mit einer Sequenz im alltäglichen Verkehrschaos von Los Angeles. Die Menschen stehen auf dem Weg zur Arbeit auf einer Brücke im Stau, bis eine Frau aussteigt. Doch anders als beim bitterbösen Thriller „Falling Down“ folgt keine unbeherrschte Aktion einer wütenden und entnervten Autofahrerin, stattdessen tanzt die Dame mit einem Lied auf den Lippen durch die Autoschlange, weitere Autofahrer und sogar eine Band schließen sich an, bis auf der Brücke alles singt, tanzt und das Leben feiert. Die gute Laune reißt durchaus mit, die pompöse Inszenierung und die Kamera, die förmlich durch das bunte Treiben schwebt, können sich sehen lassen. Die Musik ist ok, aber auch kein Highlight für jemanden, der musikalisch eher etwas mit „Fluchtpunkt San Francisco“ oder „Almost Famous“ anfangen kann. Nach dem Auftakt folgt die Einblendung „La La Land“ und der Film, erzählt im Takt der vier Jahreszeiten, beginnt.
In der ersten Filmhälfte wird viel gesungen und getanzt, während sich eine kalkulierbare Love-Story entspinnt, die so auch einem der großen Musicals der 1950er Jahre entstammen könnte. Das mag man dem Film, der nicht nur Charme, sondern auch etwas Witz versprüht, aber nicht zuletzt aufgrund der sympathischen Darsteller nicht wirklich übel nehmen. Emma Stone mit ihrem bezaubernden Lächeln und Ryan Gosling, der dem Image des austauschbaren Schönlings schon lange entwachsen ist und darstellerisch auf ganzer Linie überzeugt, harmonieren perfekt und transportieren große Gefühle, sodass man auch über die Anflüge von Kitsch weitgehend hinwegsehen kann (wenngleich die Sternenhimmel-Szene im Planetarium hart an der Grenze ist). Die Tanz- und Gesangseinlagen, die sich nicht immer organisch in den Film einfügen, erinnern in ihrer perfekten Komposition aus Bild und Ton an die großen Musical-Klassiker, nur dass es die moderne Technik erlaubt, dass die Kamera gefühlt ohne Schnitte durch das Geschehen kreist und so besonders dynamische Bilder einfängt. Optisch ist der an vielen Originalschauplätzen gedrehte Film ohnehin ein Genuss.
In der zweiten Filmhälfte wird weniger gesungen, was den Verfasser dieser Review prinzipiell freut, aber der ebenso gewöhnungsbedürftige Jazz bleibt weiterhin sehr dominant. Außerdem tritt die Handlung im Mittelteil ein wenig auf der Stelle, sodass dem Film mitunter ein wenig die Luft ausgeht. Wirklich langweilig wird „La La Land“ dennoch nicht. Gelungen ist schließlich der Abgang, der voller Wehmut steckt und doch ein gutes Gefühl vermittelt, wenn in Form eines kurzen Musicals im Musical gezeigt wird, wie die Beziehung der beiden Protagonisten alternativ hätte verlaufen können. Dann zwei vielsagende Blicke, ein breites Lächeln, es folgt der Abspann.
Fazit:
„La La Land“ ist ein charmantes Musical mit großen Gefühlen, perfekter audiovisueller Inszenierung und zwei großartigen Hauptdarstellern. Wer, wie der Verfasser dieser Kritik, keine Musicals mag und wenig mit Jazz anfangen kann, der wird ihn nicht lieben - aber auch weit weniger hassen als die meisten anderen Genre-Vertreter.
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