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Oder: So la la Land

Mia (Emma Stone) hat schon gefühlt tausend Vorsprechen hinter sich. Sie will eine gefeierte Schauspielerin werden, doch neben ihren Konkurrentinnen sieht sie immer alt aus. Als sie eines Tages zufällig den erfolglosen Pianisten Sebastian (Ryan Gosling) trifft, verliebt sie sich widerwillig, doch Hals über Kopf in ihn. Die beiden erträumen sich ein gemeinsames Künstlerleben: Er als stilvoller Jazz-Musiker und Bar-Besitzer, sie als gefeierte Autorin. Doch wie es halt so ist mit Träumen: Sie werden nicht immer wahr. Und wenn doch, nicht ganz so, wie man anfangs dachte …

Eine luftig lockere Hommage an das goldene Zeitalter der Filmmusicals – noch dazu verortet im Los Angeles der Gegenwart. Wie hätte dieser Film nicht die Herzen der Academy erobern können? Sechs Oscars heimste Damien Chazelles Retro-Eskapade La La Land (2016) denn auch ein. Verdient? Wie man’s nimmt. Handwerklich ist das Gebotene tatsächlich berauschend, wenn auch zeitweise hart an der Grenze zum Kitsch. Die Chemie zwischen Emma Stone und Ryan Gosling hingegen ist allererste Sahne: Stone herrlich zappelig und lebensfroh, Gosling der verkannte Künstler, der sich mit einem leidenden Lächeln im Selbstmitleid suhlt. Zum Dahinschmelzen!

Das Drehbuch macht Laune, bietet aber letztlich nichts Neues. Visuell und inhaltlich verharrt man hier effektvoll in der guten alten Zeit. La La Land gibt sich alle Mühe, den Mythos der ewigen Liebe in eine selbstironische Distanz zu rücken – nur um die Liebe dann doch überschwänglich zu feiern. Eine subversive Musical-Persiflage à la Lars von Triers Dancer in the Dark (2000) darf man von Chazelle natürlich nicht erwarten; etwas weniger Hochglanz und etwas mehr Herz allerdings schon. Zugegeben, das Gesamtpaket funktioniert: Eine bezaubernde kleine Geschichte, riesengross erzählt. Aber wenn die Protagonisten wortwörtlich auf Wolke Sieben zu schweben beginnen, muss man sich schon fragen, ob das nicht zu viel des Guten ist.

Zwar bricht das Ende ein bisschen mit der Norm, doch wirkt das eher wie ein überhasteter Taschenspielertrick, als organisch aus dem Plot hervor gegangen. So, als hätte man erzwungen »anders« sein wollen. Dabei hätte ein klassisches Ende dem Film gar nicht geschadet. Es hätte ehrlicher gewirkt. Der Film ist ohnehin eine archetypische Variation des Konfliktes zwischen Liebe und Kunst, wie sie ihren vollendeten Ausdruck bereits in The Red Shoes (1948) gefunden hat. Nur, dass der Aspekt der Kunst in La La Land zwar klug, aber nicht sonderlich tiefgründig abgehandelt wird. Die Ironie, dass Mia genau das tut, was sie an Sebastian rügt – nämlich den Prestige über die echte Kunst zu stellen – ist nett, aber reichlich plakativ.

Zurück bleiben einige bezaubernde, energiegeladene Szenen, die man so schnell nicht vergisst. Etwa jene, in der Mia auf einer Poolparty den Song »I Ran (So Far Away)« von A Flock of Seagulls wünscht und unfassbar dämlich dazu tanzt, sodass Sebastian nur den Kopf schütteln kann. Spätestens in dieser Szene hat die quirlige Emma Stone das Publikum für sich gewonnen. Herausragend auch die Stelle, in der das Traumpaar zu streiten beginnt. Langsam aber sicher verwandelt sich ein Gespräch beim Abendessen zu einer handfesten Beziehungskrise. Schön gespielt, intim eingefangen von der Kamera.

Stilistisch fällt vor allem die Farb-Regie auf, die an Technicolor-Filme erinnert: hier ist kein Farbpunkt zufällig, alles aufeinander abgestimmt und aussagekräftig. Die erste Musical-Nummer am Anfang ist ein echter Hingucker, eine verspielte Machtdemonstration der gross angelegten Choreografie. Demgegenüber bleiben viele andere Songs und Choreografien konturlos – abgesehen vom süssen Lied »City of Stars«, das sich als Leitmotiv durch den Film zieht.

La La Land ist eine überzeichnete, hyperaktive Romanze, die zu unterhalten weiss und zum Träumen einlädt. Damien Chazelle macht vieles richtig, aber echte Originalität sieht anders aus. Auch wenn hier vieles fauler Zauber ist: Das Knistern zwischen Stone und Gosling ist es nicht. Ein elektrifizierende Filmpaar, das zu sehen sich lohnt.

7/10

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