Antwort: JEEEDER!!!
Wer hat absolut gar keine Angst (mehr) vor einem dunklen Keller? Wer geht gerne alleine abends durch den Wald? Wer bildet sich nicht nachts mal seltsame Gestalten in der offenen Tür ein? Genau, so gut wie keiner von uns. Und genau dadurch funktioniert die simple Prämisse von "Lights Out" - nicht nur im sehenswerten Kurzfilm von 2013 auf dem die aktuelle Version basiert, sondern überraschenderweise über die kompletten 90 Minuten. "Lights Out" wird in Sachen "größere Horrorfilme" sicher am Ende des Jahres zusammen mit "Blair Witch", "Conjuring 2" & "Don't Breathe" einen starken Jahrgang 2016 anführen.
Die wohl klügste Entscheidung war es, den Macher des Kurzfilms & den Vater dieser genial einfachen Idee, die Regie des Langfilms zu überlassen - denn David F. Sandberg kniet sich voll rein & liefert ein mehr als zufriedenstellendes Regiedebüt ab. Es geht im Grunde genommen um eine zerstrittene & von psychischen Problemen geplagte Familie, die von einer Art aggressivem Geist namens Diana heimgesucht wird. Und dieses gelungene Monster, dass man so schnell nicht vergessen wird & sicher Fortsetzungen hinter sich herziehen wird, kann sich nur im Schatten bewegen & dich verletzen. Licht an - keine Gefahr. Licht aus - sie kriegt dich. Ein hinterhältiges Luder!
Simpel, aber verdammt effektiv! Der Film kommt wie eine rasante & auf den Punkt gekochte Mischung aus "The Ring", einem etwas flacheren "Babadook" & klassischen Slashern daher, wird dann im Endeffekt zum Glück zu etwas total Eigenem. Vom atmosphärischen & pace setzenden Beginn bis zum konsequenten, etwas plötzlichen Finale - diese Hatz vor der Dunkelheit hat keine Längen. Dafür ein kultiges, sich sehr gruselig bewegendes (meist erfreulicherweise ohne CGI!) Monster & am allerwichtigsten: nette, glaubhafte Personen! Die ganze Familie wirkt sympathisch, trifft zudem auch noch selten typisch-dumme Horrorfilmentscheidungen. Es gibt keine Charakter, denen man den Tod wünscht - sogar der typische "Boyfriend" ist alles andere als ein Arsch & man fiebert höllisch mit. Genau durch diese gute Charakterzeichnung & das gelungene Script. Sogar die lichtscheue Diana kriegt erstaunlich viel Hintergrundinfos, fast eine ganze Backstory, ohne ihren Schrecken ganz durch Mitleid zu ersetzen oder ihr Mysterium zu sehr zu entschlüsseln. Ganz stark!
"Lights Out" ist rundum gelungen & sticht aus der grauen Masse an Mainstream-Horrorfilmen absolut heraus. Man gruselt sich, fiebert mit & hat noch Spaß dabei. Die Darsteller, sogar der kleine Junge, machen ihre Sachen mitreissend & nie zu cheesy, nerven nie, sodass man über Konkurrenz wie "Ouija" mit ähnlicher Zielgruppe & Budget, hier nach nur noch mehr den Kopf schütteln muss. "Rosemarys Baby" brachte jeder Frau die Angst vor Schwangerschaften, "Das Omen" uns die Angst vor kleinen introvertierten Jungs, "The Shining" vor verlassenen Hotels & seit "It Follows" drehen wir uns dreimal um, wenn wir Schritte hinter uns hören - "Lights Out" könnte dafür sorgen, dass man das Licht die nächsten paar Nächte vielleicht nicht ganz ausmacht ;) Kleine Mankos & eher Erbsenzählerei: Dianas Schrecken kann etwas redundant werden, ihr Pendant im Kurzfilm war für mich optisch gelungener & es gibt natürlich einige Jump Scares (jedoch zumindest kaum bis gar keine Fake-Jump Scares). Trotzdem bereut hier denke ich keiner den Kinobesuch, der sich nur entfernt Freund des Horrorgenres schimpft!
Fazit: eine Idee, die ziemlich pur unsere Urangst vor der Dunkelheit anspricht, plus eine starke emotionale Bindung zu sympathischen Charakteren, heben "Lights Out" weit über sonstige Horror-Durschnitts-Kost. Kein sofortiger Meilenstein des Genres, aber kurzweiliger, spassiger Grusel & eine packende Horrorperle, die sich kein Fan im Kino entgehen lassen sollte!