Review

Nachdem ich mit „Patient Seven“ nicht bequem landen konnte, war der Nachdurst für Episodenfilme plötzlich da, also warum nicht an Pfingsten einfach mal eine Anthologie über Feiertage wegsnacken.
„Holidays“ war jetzt auch keine Prestigeproduktion, bot aber immerhin 8 Episoden für 8 Feiertage an und war mit ein wenig mehr Finesse bei den Beteiligten zusammengestellt.

Auf die typische Rahmenhandlung hatte man in diesem Fall auf die Schnelle einfach verzichtet – offenbar gab es kein verbindendes Element bei all diesen Feierlichkeiten, bei denen wohl auch keiner gesondert hervorstechen sollte. Aber eine ganz so gemütliche Schlittenfahrt sollte mich da auch nicht erwarten.

Es geht – dem Jahresverlauf folgend – mit dem „Valentinstag“ los und der präsentiert sich etwas ideenlos als Carrie-Ripoff, nur eben ohne die Telekinese, dafür muss ein langes Küchenmesser herhalten. Die Schwärmerei des gehänselten Klassenmäuschens für den herzkranken Schwimmcoach, das ist ein wenig altbacken, aber immerhin inszenatorisch gut umgesetzt, wenn auch für das Rumbitchen eindeutig zuviel Laufzeit drauf geht.

„St.Patricks Day“ erweist sich erfreulicherweise nicht als Sauforgie, sondern als heidnisch-bizarre Satire, in der eine beziehungslahme Lehrerin einem schauderhaft mondgesichtigen Mädchen ihrer Klasse zum Opfer fällt, bzw. deren Fluch? Ein sehr lange Schwangerschaft und Schlangen spielen noch eine Rolle in dieser Groteske, die mehr konsterniert als gruselt, aber hinreichend absurd daherkommt.

„Ostern“ variiert das Thema, dass man seinen liebsten Feiertagskreaturen zwar Milch, Kekse oder sonstwas hinlegen kann, man sich dann aber tunlichst hinlegen sollte, denn direkte Begegnungen sind nicht eingeplant. Auch nicht mit der hasenartigen Christus-Erwecker-Chimäre, die hier Eier verteilt und ziemlich nah am Geschmacklosen entlang dilettiert. Die Story ist kaum der Rede wert, aber das Vieh hätte auch Clive Barker in seinen besten Zeiten gefallen.

„Muttertag“ driftet mit seiner interessaten Prämisse (junge Frau wird ständig schwanger, sobald sie Sex hat) bald in geschmäcklerische Hexenzirkelbereiche ab, die zwar wie im Drogenrausch gefilmt wurden, die mich aber trotzdem erzählerisch nicht abgeholt haben. Dazu gibt es eine nicht näher definitierte Pointe, über die ich besser nicht nachdenken werde.

„Vatertag“ – die Suche einer Tochter nach ihrem angeblich toten Vater, der ihr ein Tonband hat zukommen lassen, ist erzählerisch das beste Gruselmaterial der Anthologie, hat eine düstere Unausweichlichkeit, aber leider auch keine Erklärung für das abrupte Ende – da wäre mehr drin gewesen, denn bleibt schon allein die Konstruktion (das Nachvollziehen eines Wegen anhand einer Audioaufnahme) höchst positiv in Erinnerung.

„Halloween“ – dagegen war ziemlich enttäuschend, eine „sex workers revenge“-Story an ihrem Zuhälter, deren latentes Saw-Potential sich aber darin erschöpfte, die Grausamkeiten nur über die Audiospur zu leiten. Der Bezug zum Feiertag war da auch eher vage.

„Weihnachten“ ist zwar auch nicht übermäßig originell, dringt aber eher in den menschlich-technischen kritischen Bereich vor, in dem eine Art VR-Brille, die verspricht, die Persönlichkeit des Trägers abzubilden, eine sehr eigene Familiendynamik auslöst. Nicht perfekt, aber immerhin wendungsreich.

Mit der „Silvester“-Episode packt die Anthogie dann nochmal wortwörtlich die Axt aus, wenn ein ziemlich maroder Frauenmörder beim Kontaktanzeigenroulette sein nächstes trauriges Opfer ausmacht, aber in ihrer Wohnung kurz vor Mitternacht feststellen muss, dass es immer noch Menschen gibt, die kränker sind als er.
Die Pointe deutet sich natürlich an, ist dann aber hübsch bebildert und führt zum erwarteten Zweikampf-Mayhem, der ruhig noch etwas expliziter hätte ausfallen können, aber immer den nötigen Schlußtumult liefert.

So bleibt ein „mixed bag“-Gefühl zurück: einiges ist vielversprechend, anderes Standard, einiges ist unausgereift, aber irgendwie bleibt alles latent unter seinen Möglichkeiten, zumeist im Storytelling. So ist „Holidays“ zwar eine unterhaltsame Angelegenheit, genügt aber nicht höchsten Ansprüchen. In einer Feiertagsdepression würde ich dennoch lieber etwas Präziseres anmachen. (5,5/10)

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