Den Beinamen „Avengers 2.5“ trägt der dritte Solofilm von Captain America im MCU nicht umsonst. Denn so viele Figuren der Reihe auf einmal sieht man sonst selten. Und man packt sie hier in einen sehr interessanten Gedanken, der sich schon seit längerem aufdrängt. Dem der Konsequenz. Nach all den Einsätzen und Zerstörungen, die die Avengers bewältigt und zurückgelassen haben (wenn auch aus Gründen), stellt sich die Frage, wie die Welt damit umgehen will.
Dabei wird die Legitimation der frei operierenden Helden hinterfragt und letztlich in ein diese steuerndes Abkommen gegossen, was den Bruch der Gruppe zur Folge hat. Cap auf der einen, Stark auf der anderen Seite, der Rest (soweit anwesend) verteilt sich hierauf. Und das ist nicht das einzige Problem, denn nicht nur die Ideologie der jeweils anderen scheint hier als Antagonist zu fungieren, auch Helmut Zemo verfolgt einen eigenen Plan.
Diese von Daniel Brühl gespielte Figur präsentiert sich als Drahtzieher mancher das Zerwürfnis befeuernden Aktion. Dabei spielt Brühl diesen angenehm ruhig, ohne großes Theater. Mag seine Motivation auch einfach sein, sie wird nachvollziehbar transportiert und fußt wieder im Kernthema der Konsequenz. Das macht Zemo hier zu einem eher zurückhaltenden, aber auch getriebenen und eindrücklichen Charakter.
Viele der anderen Figuren hat man, so man das MCU verfolgt hat, nun schon gesehen und die bekannten Darstellerinnen und Darsteller füllen ihre Rollen routiniert aus. Die prominentesten Neuzugänge sind Chadwick Boseman als Black Panther und Tom Holland als Spider-Man. Beide erhalten im Nachgang noch eigene Filme und ihre Präsenz in „Civil War“ geht über die eines Cameos weit hinaus, was ein zwiespältiges Gefühl hinterlässt. Und Stan Lee liefert hier mal was aus.
Wenn es um den Plot der Kontrolle der Heldeneinsätze und deren Auswirkungen geht, wenn sich der von Anthony und Joe Russo inszenierte Film um die Charaktere und die aufbrechenden Konflikte unter ihnen kümmert, dann funktioniert er am besten. Leider geht er bei diesen Themen nie so tief rein, wie er könnte, weil er letztlich schon zu sehr in dieser MCU-eigenen Formel gefangen ist. Er muss sich den Regeln unterordnen und die heißen eben nicht Drama, sondern Unterhaltung. Doch trotz der nicht so scharf geschriebenen Dialoge liegt in diesem Teil der Geschichte die Stärke von "Civil War".
Denn gerade mit seiner Action mag er nicht so recht überzeugen. Man hat eben inzwischen schon Sequenzen gesehen, die mitreißender komponiert waren und vieles wirkt auch wieder künstlich bearbeitet. Selbst das große Getümmel auf dem Flughafen Leipzig / Halle (was eine triste Kulisse) transportiert Studioatmosphäre, was wohl daran liegt, dass viele Darsteller gar nicht vor Ort waren und später reinkopiert wurden. Von den falschen Nummernschildern oder Drehorten fängt man am besten gar nicht erst an.
Wie beim zweiten "Cap" stammt die musikalische Untermalung von Henry Jackman und wieder dient diese eben als das – Untermalung. Auch hier hatte die FX-Abteilung am Rechner wieder alle Hände voll zu tun, inwzischen hat sich dieser künstliche Look im Franchise etabliert. Das Auge muss es hinnehmen, ästhetische Umerziehung durch Blockbuster schreitet voran.
"Civil War" ist insgesamt ein gelungener MCU-Film, wenn auch nicht ganz oben mit dabei. Dazu wirkt er etwas zu überladen an Figuren, was auch an den reingequetschten Neuzugängen liegt und funktioniert dann am besten, wenn er sich immerhin den Hauptcharakteren und ihren Konflikten widmet. Eine spannende Grundidee der Konsequenz aus dem gut gemeinten (doch zerstörerischen) Handeln und ein im Hintergrund agierender Antagonist. Der dritte "Cap" lässt für mein Dafürhalten einiges liegen, erzählt aber trotzdem eine interessante Geschichte.