Nach "Harte Ziele" ist "Operation: Broken Arrow" John Woos zweiter Actionfilm made in Hollywood. Dieses Mal war er noch stärker an die Vorgaben des Studios gebunden, das unbedingt ein R-Rating erreichen wollte, wodurch Woo sein Werk publikumswirksam zurechtschneiden musste. Das Resultat kann sich allerdings durchaus noch sehen lassen.
Etwas kränkelnd ist die Story, die erstens viel zu häufig bereits woanders da war und zweitens trotz der Einfachheit ein paar kapitale Logiklöcher bereithält (Flucht aus der Mine!). Die Charaktertiefe aus anderen Filmen Woos ist nicht mehr vorhanden, keine philosophischen Denkanstöße mehr, keine Tauben, alles wurde eben amerikanischer und gewöhnlicher.
Ein Glück, dass man den Schauplatz dafür perfekt gewählt hat. In der Wüste Utahs spielte vorher wohl kaum ein Actionthriller dieses Ausmaßes, eine wohltuend unverbrauchte Landschaft, in der Woo ein paar wunderschöne Aufnahmen gelangen. Da wirken die wenigen, aber gewaltigen Explosionen gleich doppelt schön, die Pyrotechniker leisteten ganze Arbeit, vor allem beim Finale auf dem Zug. Auf exzessive Schießereien muss man zwecks R-Rating leider verzichten, dennoch ist der Bodycount und die Härte für einen Mainstream-Actioner ab 16 beachtlich. Ein wenig mehr Zeitlupenästhetik anstatt brachialer Faustkämpfe hätte übrigens gut getan.
Leider bewies man bei der Wahl der Schauspieler kein gutes Händchen. Slater spielt immer noch zu spitzbübisch und wirkt in der Rolle des Helden hoffnungslos überfordert, vielleicht aber auch bewusst, um die Präsenz Travoltas stärker hervorzuheben. Dem wiederum läuft die Arroganz schon aus den Ohren, was hier jedoch in Ordnung ist, da es zu seiner Figur passt, die man aber schon aus anderen Filmen zur Genüge kennt. Als Frau an der Seite des Helden ist mir Samantha Mathis zu haspelig und hyperaktiv.
Grandios der Score von Hans Zimmer, der ins Ohr geht und ein Jahr später in "Scream 2" erfolgreich parodiert wurde.
Fans von Woos alten Werken werden sich vermutlich die Augen reiben, so oberflächlich wie "Operation: Broken Arrow" daherkommt. Aber trotz aller Logikmängel und vorgegebener Story ist der Film in Sachen Spannung und Action handwerklich blitzsauber inszeniert worden. Das reicht locker für einen kurzweiligen Fernsehabend und das dank der wunderbaren Location sogar mehrmals.