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Fatsah Bouyahmed spielt einen algerischen Bauern, der mit Frau und Töchtern in einem entlegenen Kaff am Rande der Sahara lebt. Als eines Tages ein Brief aus Frankreich eintrifft, scheint sein großer Traum wahr zu werden. Er darf mit seiner geliebten Kuh Jacqueline an der Landwirtschaftsausstellung in Paris teilnehmen, das jedoch nur auf eigene Kosten. Gegen den Willen seiner Frau verschuldet er sich bei den anderen Dorfbewohnern, um die Überfahrt nach Marseille bezahlen zu können und von dort will er sich dann zu Fuß mit seiner Kuh nach Paris durchschlagen.

Die Culture-Clash-Komödie von Mohamed Hamidi, der selbst algerische Wurzeln hat, ist ein Feel-Good-Movie, leicht und unbeschwert, wie sie den Franzosen in gewisser Regelhaftigkeit gelingen. Und in einem solchen Film hat die düstere Realität wenig zu suchen. In einem Land, in dem ein Drittel der Bevölkerung mit einer ultrarechten Partei sympathisiert, in dem sich Parallelgesellschaften unter den aus Nordafrika stammenden Franzosen ausgebildet haben und das seit Monaten von einer Vielzahl an barbarischen Terroranschlägen heimgesucht wird, würde ein Algerier wohl weit weniger gastfreundlich begrüßt werden als das im Film der Fall ist. Und das natürlich erst recht nicht, wenn er eine Kuh im Schlepptau und seit Tagen nicht geduscht hat. Von daher hat „Unterwegs mit Jacqueline“ mehr von einer Wunschvorstellung als von der tristen gesellschaftlichen Realität in Frankreich - und vermutlich auch in Algerien.

All das lächelt Fatsah Bouyahmed, der charmante und sympathische Hauptdarsteller, jedoch gekonnt weg. Man kann es dem netten Film über diesen herzlichen Mann und seine geliebte Kuh einfach nicht übel nehmen und von daher bietet Hamidis Film zumindest für eineinhalb Stunden kurzweiligen Eskapismus von der schnöden Realität. Dabei stimmt auch der Humor, der augenzwinkernd einige Klischees über die vom Lande stammenden Algerier aufgreift, ansonsten aber in erster Linie einfach herzlich und frisch daherkommt. Im Stile eines Roadmovies zieht der algerische Bauer mit seiner Kuh durch Frankreich, wobei seine abwechslungsreichen Begegnungen für einen konstant hohen Unterhaltungswert sorgen. Flankiert wird seine Reise von den Szenen aus Algerien, wobei Land und Leute gelungen kontrastiert werden. Am Ende wird es dann leider allzu kitschig, wenn der algerische Bauer in einem verarmten Adeligen einen Freund fürs Leben findet. Und das süßliche und in jeder Hinsicht überzogene Finale, das vom Strickmuster her eher aus Hollywood stammen könnte, hätten sich die Macher auch schenken können.

Fazit:
„Unterwegs mit Jacqueline“ ist eine durchweg unterhaltsame Culture-Clash-Komödie, die mit Charme und Witz trotz des kitschigen Abgangs überzeugt und in einem herzlichen, offenen Frankreich spielt, in dem es einen Front National nicht zu geben scheint.

70 %

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