Review

KILL COMMAND

(KILL COMMAND)

Steven Gomez, Großbritannien 2016

Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!


Etwas Sci-Fi-Action geht eigentlich immer, obgleich der Anteil an Dutzendware in diesem Subgenre ziemlich hoch ist. Auch der Titel des vorliegenden Films deutet nicht gerade auf subtile und tiefgründige Filmkunst hin, aber man sollte ja nichts und niemanden vorverurteilen – zumal selbst Dutzendware mitunter ihren ganz speziellen Reiz hat.

Ungefähr übermorgen (also in der sogenannten „nahen Zukunft“): Die einschlägigen Hightech- und Rüstungskonzerne haben bereits tüchtige Kampfroboter entwickelt, die den Menschen in anstehenden und laufenden Kriegen die Arbeit abnehmen sollen. Bei „Harbinger Robotics“, einem dieser Konzerne, stellt man eines Tages allerdings einen beträchtlichen Eingriff in die Datensysteme der Testroboter fest, und so schickt man die schmucke, vor allem aber computertechnisch aufgerüstete Mitarbeiterin Mills (mithin also eine Art Cyborg – Vornamen werden hier übrigens nicht gepflegt) los, um die Angelegenheit zu überprüfen.

Mills wird der kleinen Einheit von Captain Bukes zugeteilt, welcher neben dem Kommandeur noch sieben weitere Marines angehören. Bukes und seine Leute werden zu einer Insel geflogen, auf der die Kampfroboter in Testgefechten das Kriegshandwerk erlernen – getreu dem Motto „Studieren, Analysieren, Reprogrammieren“ (kurz „S. A. R.“). Die Soldaten sollen nun übungsweise gegen solche Roboter ins Gefecht ziehen. Lust haben sie, die längst urlaubsreif sind, schon grundsätzlich nicht auf diese Mission, und dass sie mit Mills auch noch eine Beobachterin am Hals haben, sorgt für zusätzlichen Unmut. Entsprechend unfreundlich begegnet man ihr dann auch.

Auf der Insel macht sich Bukes‘ Truppe umgehend an die Arbeit und beginnt einen vergleichsweise lichten, aber doch leidlich unheimlich wirkenden Nadelwald zu durchforsten und auf den Testangriff der Roboter zu warten. Der kommt auch bald, aber die Marines sind kampferfahren und den Maschinen taktisch deutlich überlegen, sodass sie recht flott als Sieger aus der Übung hervorgehen.

Tags darauf kommt es erneut zu einem Scharmützel, aber nun schießen die Kampfroboter plötzlich scharf und haben zu allem Überfluss auch noch aus ihren Fehlern gelernt – sie verhalten sich taktisch genau so, wie es Bukes’ Leute am Vortag getan haben. Die Sache ist also bitterernst geworden, und tatsächlich verlieren auch schon die ersten Marines ihr Leben. Die große Frage ist nun, welche Rolle Mills bei dem ganzen Desaster spielt – sie ist schließlich auch befähigt, über die in sie eingebaute Computertechnik mit den Kampfrobotern zu kommunizieren. Das funktioniert allerdings nicht mehr wie erhofft – offenbar ist auch Mills in eine böse Falle getappt.

Nun müssen sich die Überlebenden zusammenraufen, zumal die Roboter weiterhin im Angriffsmodus unterwegs sind – wobei ihnen Bukes‘ Truppe schlichtweg die Dummies ersetzt, die ihnen ausgegangen sind. Die verbliebenen Menschen können sich vorerst in das auf der Insel angelegte Bunkersystem retten, aber auch dort finden sie weder Ruhe noch ausreichend Schutz, denn die Roboter rücken den Stahltüren gnadenlos mit Schneidbrennern zu Leibe. Und noch immer ist nicht ganz klar, was Mills nun eigentlich treibt ...

Gegen Ende aber (nochmals Spoilerwarnung bis zum Absatz!) positioniert sie sich doch recht eindeutig und setzt sogar ihr Cyborg-Leben für die beiden verbliebenen Marines ein, sodass die es bis zum Flugzeug schaffen, das sie zurück aufs Festland und in Sicherheit bringt. Na ja ... genau genommen ist noch lange nicht klar, wie es mit ihnen weitergeht, denn wenn „Harbinger Robotics“ ... aber das soll selbstredend spekulativ bleiben, was auch für die Zukunft von Mills gilt, die zu guter Letzt vielleicht doch nicht ganz so tot ist wie vermutet, denn im (freilich arg generischen) Schlussbild öffnet sie die Augen beziehungsweise ihre Hightech-Seh- und Scan-Einrichtung ...

Wer unbedingt will, kann nach dem Abspann also sehr wohl noch ein wenig über das Gesehene nachdenken. Während des Films ist das hingegen nicht ganz so einfach – es gibt Momente, in denen man Mühe hat, das Geschehen beziehungsweise die möglichen oder tatsächlichen Systemvernetzungen zwischen „Harbinger Robotics“, der Halb-Androidin Mills und den eigensinnigen Kampfrobotern nachzuvollziehen. Kill Command gibt sich also sehr viel weniger dumpf, als Sujet und Titel (ich musste an Mark L. Lesters Phantom-Kommando denken) befürchten ließen – ein paar interessante Gedanken (wie das Taktik-Selbststudium der Robos) lassen sich darin schon aufstöbern.

Wer aber will, kann dieses Spielfilmdebüt des SFX-Fachmanns Steven Gomez auch ohne Gehirneinsatz, sprich als bloße Baller-Action konsumieren und dabei durchaus auf seine Kosten kommen. Zwar wird auch hier wie in gefühlt zweieinhalbtausend ähnlich angelegten Filmen ausgiebig mit der Waffe im Anschlag durch Wald und Flur und Gänge und Straßen gelatscht, aber Gomez kann dabei eine sehr dichte Atmosphäre generieren, die ihren Teil dazu beiträgt, dass seine Arbeit erstaunlich spannend ist und dies auch bis zum Ende bleibt – zumindest ich habe hier keine Aufmerksamkeitsabnutzungs- oder gar Ermüdungserscheinungen gespürt. Selbst ein ganz normaler Nadelwald wirkt bei Gomez ausgesprochen bedrohlich, wie überhaupt Kill Command mitunter die Grenze zum Horror streift.

Über diese Intensität kommt man als Zuschauer auch in den Film hinein, womit ein prinzipiell beträchtliches Problem kompensiert wird: Gemeinhin sind es die Figuren, die uns als Sympathieträger oder auch Antagonisten an eine Handlung binden, aber in puncto Personal herrscht hier Funkstille. Gomez, der auch das Skript verfasst hat, versucht erst gar nicht, auch nur einem oder einer der an seiner Geschichte Beteiligten Leben einzuhauchen – er liefert Pappschablonen aus dem Baukasten, mit denen er nichts anderes anzufangen weiß, als sie auf Kampfroboter (die dann auch gleich den oder die Antagonisten ersetzen) ballern zu lassen. Wirklich nicht: Wehe, wenn sie über unmittelbar Dienstliches hinaus miteinander reden! Das tun sie allerdings auch nur sporadisch in Form einiger Neckereien während des Laufens. Über irgendetwas Privates fällt hier kein Wort. Selbst Mills, die mit Abstand interessanteste ... nein, die einzige überhaupt halbwegs interessante Figur, die letztlich auch als Protagonistin dient, bleibt kalt und ist kaum zu greifen. Bei ihr ist das allerdings auch Sinn der Sache – sie ist nun einmal eher eine Art mobiler Computer als ein Mensch.

Die Action liefert ebenfalls keine Sensationen – es wird viel herumgeballert und ab und zu etwas Kleineres in die Luft gesprengt, aber das war’s dann auch schon (trotz einiger krass niedergemetzelter Soldaten gibt es übrigens auffallend wenig Blut zu sehen – als wolle sich der Streifen unbedingt eine 12er-Freigabe abholen). Selbst die Kampfroboter, obgleich referenzverdächtig umgesetzt, sind unter dem Strich, sorry ... nur Kampfroboter, und die gibt’s im Genre nun mal an jeder Ecke als Schnäppchen (sogar ein Andrew Bellware liefert in seinen Semi-Amateur-Sci-Fi-Heulern Kampfroboter noch und nöcher). Kill Command lässt also an ganz entscheidenden Stellen Punkte liegen – und funktioniert dennoch, weil anderenorts genug davon eingesammelt werden können.

Dieses Sammeln geht schon bei der Optik los: Der Streifen kommt mit kristallklaren und liebevoll (wenn auch etwas zu oft von unten) eingefangenen Breitwandbildern daher und schafft es damit sogar, dem schon erwähnten handelsüblichen Nadelwald etwas ungemein Atmosphärisches zu entreißen – im speziellen Fall unterstützt von tiefen, aber seltsamerweise immer noch natürlich wirkenden Blautönen. Und obwohl auch sonst mit Ausnahme der ersten zwei, drei Minuten weit und breit keine attraktiven Schauplätze zu finden sind (ein Bunker, ein paar Gebäude auf dem Manövergelände ...), hat sich mir Kill Command als schicker Film eingeprägt. Vermutlich haben dafür schon jene Auftaktminuten ausgereicht, die im hypermodernen Gebäude von „Harbinger Robotics“ spielen – höher glänzend kann eine Hochglanz-Optik nicht mehr sein.

Auch die Spezialeffekte lassen sich sehen, für die ein Mann wie Steven Gomez freilich auch unabdingbar in der Pflicht stand. Vor allem die CGI- und Animatronic-Kampfroboter überzeugen mit einer enormen Detailverliebtheit und perfekten Bewegungen auf der ganzen Linie, und das ist schon mal mehr als nur die halbe Miete. Die CGI-„Pyrotechnik“ kann da nicht ganz mithalten, ist aber immer noch okay – wofür zum Beispiel Mündungsfeuer sprechen, deren Qualität sich nicht einmal sehr viel höher budgetierte Arbeiten leisten.

Weitere Punkte spielen die Mimen ein, obwohl sie keine schauspielerischen Herausforderungen vorfinden. So haben die Darsteller der Marines kaum mehr zu tun als moderat überdimensionierte Wummen zu tragen und zu bedienen, weshalb sich ihre Auftritte am ehesten in ihrer Dauer unterscheiden: Der eine hat früher Feierabend und der andere später. Unbedingt anzumerken ist aber, dass es sich bei ihnen durchweg um relativ angenehme oder zumindest erträgliche Leute handelt – das ist keine Selbstverständlichkeit, da sich in solchen Truppen eigentlich immer jemand findet, der einem auf die Nerven geht (und wenn’s nur durch die Verantwortung für missratenen Humor ist). Etwas auffälliger als seine Kollegen ist rollenbedingt Thure Lindhardt, der mir als Captain Bukes gut gefallen hat. Schauspielerisch wird auch ihm nichts abverlangt, aber er bringt eine interessante Ausstrahlung mit (und hat mich damit ganz entfernt ein wenig an Oskar Werner erinnert). Das darstellerische Zentrum des Streifens bildet indes Vanessa Kirby, die als Mills in jeder Beziehung eine gute Figur macht. Obwohl ihr die Rolle eines emotions- und humorlosen Halb-Cyborgs nur stark eingeschränkte Entfaltungsmöglichkeiten bietet, profitiert Kill Command ganz eindeutig von ihrem glaubwürdigen und souveränen Auftritt. Auf der Habenseite darf zu guter Letzt auch der Score verbucht werden, der mit seinen düsteren Akkorden nicht unerheblich zur schon gewürdigten Atmosphäre beiträgt. Viele Einfälle bringt er allerdings nicht mit, weshalb er gegen Ende etwas blasser wirkt als in der ersten Hälfte dieses Films.

So bleibt ein tadellos inszenierter, geradliniger, spannender, außerordentlich kurzweiliger und audiovisuell deutlich über dem Durchschnitt seiner Preisklasse liegender Sci-Fi-Action-Thriller, der zwar kaum etwas liefert, was im Genre nicht schon ausreichend erprobt und ausgepresst wurde, dabei aber erstaunlich frisch wirkt und tatsächlich Interesse für seine Geschichte wecken kann. Bisweilen war mir, als würde ich zum ersten Mal sehen, wie Menschen und Maschinen in wüsten Kämpfen aufeinandertreffen – dabei möchte ich gar nicht wissen, wie oft mir Gleiches und Ähnliches von Terminator bis Appleseed schon begegnet ist. Anders: Ich bin angenehm überrascht von Kill Command – Steven Gomez‘ Regiedebüt hat mich immerhin so gut unterhalten, dass ich keinen Anlass sehe, mir Gedanken über seinen Wert zu machen.

(06/22)

Mit etwas Wohlwollen sind es 7 von 10 Punkten.





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