Home Invasion, verbunden mit einem daraus resultierenden Katz- und Maus- Spiel kennen Genrefans zu Genüge und auch eine Heldin mit Handicap gab es bereits in „Warte, bis es dunkel ist“. Dennoch weiß Autor und Regisseur Mike Flanagan rasch Spannung zu erzeugen, was nicht zuletzt an den beiden überzeugenden Mimen liegt.
Die taubstumme Maddie (Katie Siegel) arbeitet seit geraumer Zeit an einem neuen Roman, als eines Abends ein Killer mit Maske (John Gallagher Jr.) vor ihrem einsam gelegenen Haus am Waldrand aufkreuzt. Nachdem er den Strom kappt, muss sich Maddie mit allem zur Wehr setzen, was das Inventar hergibt, bevor der Killer ins Haus eindringen kann…
Blumhouse Produktionen haben sich bei Genrefreunden mit schlichten, aber effektiven Filmen einen Namen gemacht und auch vorliegendes Werk hebt sich positiv von ähnlich gelagerten Pendants ab. Geschickt spielt die Kamera mit verborgenen Blickwinkeln und verräterischen Bewegungen und besonders auf auditiver Ebene weiß die Soundabmischung zu überzeugen, zumal einige Male Maddies Wahrnehmung in den Vordergrund gerückt wird, was schon zu Beginn für Empathie sorgt.
Zwar fällt die Kulisse des geräumigen Holzhauses nicht sonderlich markant aus und die Tatsache, dass der Namenlose sehr früh seine Maske ablegt, nimmt auch ein wenig vom Gruselfaktor, doch Flanagan, welcher das Drehbuch mithilfe seiner Frau Katie Siegel verfasste, konzentriert sich stets aufs Wesentliche und erzeugt früh eine dichte Atmosphäre, welche durch einen effektiven Score intensiviert wird.
Natürlich folgt das Geschehen bekannten Verlaufsmustern mit üblichem Ausharren, Verschanzen, Verstecken und der Suche nach Fluchtmöglichkeiten. Doch das Tempo ist enorm, einige Gewaltspitzen wie Halsstiche, gequetschte Hand, zertrümmerter Schädel und Hammer im Arm sind durchaus brachial in Szene gesetzt, während einige visualisierte Gedankenspiele interessante Varianten anbieten. Der Endkampf liefert noch einmal eine gesunde Härte, wobei es zum Schluss sogar einige Interpretationsmöglichkeiten gäbe, auch wenn diese ein wenig weit her geholt erscheinen.
Dass Kate Siegel mit vollem Körpereinsatz bei der Sache ist, hilft dem Geschehen ungemein, jedoch bringt auch Gallagher die Sache stets auf den Punkt und lässt seinen Übeltäter unangenehm unberechenbar und gleichermaßen bedingungslos erscheinen. Auch die wenigen Nebendarsteller sind treffend besetzt und liefern solide Performances ab.
Fans des Genres können ergo bedenkenlos zuschlagen, denn der Stoff bringt die schlichte Prämisse knackig auf den Punkt, überzeugt mit einer dichten Inszenierung, ordentlichem Tempo und einigen sauber inszenierten Gewalteinlagen.
Zwischenzeitlich gerät zwar das Manko der Heldin ein wenig aus dem Fokus, dafür überzeugt der Showdown mit Kompromisslosigkeit und kleinen Wendungen.
Ein schlicht und ergreifend durchweg unterhaltsamer Genrebeitrag.
7,5 von 10