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Die junge Autorin Maddie (Kate Siegel), seit einer Erkrankung taubstumm, lebt in einem einsamen Haus im Wald, wo sie die Ruhe hat, ihre Bücher am Laptop zu schreiben. Ab und zu bekommt sie Besuch von einer Nachbarin, einen Freund möchte sie nicht, daher gibt es auch keinen und so ist sie mit einer Angorakatze ganz alleine dort draußen. Eines Nachts steht ein maskierter Fremder mit einer Armbrust vor der Tür und metzelt - vor einem Fenster gut sichtbar - ihre Nachbarin nieder. Maddie bemerkt von alledem nichts, erst als der Killer ihr gerade aufgenommene Handyfotos von ihr selbst schickt, wird sie sich der Gefahr, in der sie schwebt bewußt. Der Irre draußen jedoch hat offenbar einen perfiden Plan: Nachdem er seine Maske abgelegt, den Strom abgedreht und an Maddies Golf die Reifen aufgeschlitzt hat, macht er der lippenlesenden Autorin klar, daß er erst ins Haus kommen will, "wenn sie selbst sterben will". Die ruhige Maddie aber denkt gar nicht daran zu sterben, sondern will unbedingt überleben...

Regisseur Mike Flanagan (Ouija - Ursprung des Bösen, auch 2016) hat mit Hush bzw. Still einen kleinen aber feinen Horror-Thriller vorgelegt, der ohne größere Umschweife schnell auf den Punkt kommt und bis zum Ende einen konstanten Spannungsbogen aufbaut. Trotz der alles andere als innovativen Ausgangslage und Thematik (Frau alleine in einem Haus im Wald, gehandicaptes Opfer, keine Hilfe von außen möglich etc.) ist Hush ein erfreulich logisch aufgebauter Psycho-Thriller mit kleineren Gewalteinlagen, der an keiner Stelle in Belanglosigkeiten abgleitet und so den Zuschauer bis zum Ende in seinen Bann zieht.

Seine Spannung bezieht diese Home-Invasion-Geschichte auch aus dem eher undurchsichtig-unlogischen Verhalten des Killers: Wieso legt er so schnell seine Maske ab, vor allem aber wieso dringt er nicht ins Haus ein, was ihm - wie er selbst einmal sagt - jederzeit möglich wäre? Als es ihm einmal gelingt, Maddies Arm in der Veranda-Rolltür einzuquetschen, hätte er die Tür dabei locker aufhebeln können - stattdessen läßt er Maddie diese wieder verschließen, um kurz danach die Scheiben derselben einzuschlagen. Daß ihm dieses trotz vieler wuchtiger Schläge nicht gelingt (sieht tatsächlich nach Panzerglas aus) bleibt neben dem Pfeil, der den Killer in die Schulter trifft und der ihm gar nichts ausmacht das einzige grob unlogische Detail im Film, was in der Folge allerdings keine weitere Rolle spielt. Ansonsten sind die einzelnen Schritte, die die Protagonisten unternehmen, trotz gelegentlich angebrachter Eile relativ sorgfältig gewählt und stringent abgefilmt: Die Spraydose, die Maddie beim Suchen unter der Spüle auf den Boden fällt, bleibt an Ort und Stelle liegen (und spielt später noch eine Rolle), der Halsketten-Anhänger der Nachbarin, den der Killer zufällig verliert und der den Nachbarn sofort misstrauisch macht, oder der Umstand, daß sowohl Maddie als auch der Killer große Mühe haben, die Armbrust zu spannen - das alles passt zusammen und ergibt einen dichten Erzählfluss trotz des ansonsten minimalistischen Settings.

Sehr ordentlich fallen auch die darstellerischen Leistungen aus: Kate Siegel als verletzliches Opfer, das sich spät seiner Überlebens-Tugenden erinnert, ist dem halstätowierten Killer (John Gallagher Jr.) zwar intellektuell überlegen, vermag es aber erst spät, diese Überlegenheit gegenüber dem Sadisten durchzusetzen - die Sympathien hat sie jedenfalls von Anfang an auf ihrer Seite. Hush vermag somit auf beinahe allen Ebenen zu überzeugen und ist jedenfalls eine Empfehlung nicht nur für Genre-Freunde - 8 Punkte.  

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