Dr. Peter Peele (Brandon Salkil) ist ein junger, genialer Wissenschaftler, der seine unorthodoxen Forschungen im karg eingerichteten Kellerlabor seines Hauses betreibt. Beim Sezieren eines südamerikanischen Wurmparasiten entdeckt er, daß dieser wuchernde Krebszellen selbständig zu kurieren imstande ist. Könnte darin etwa der Schlüssel zur Heilung von Krebs liegen? Für weitere Forschungen benötigen Pete und seine Partnerin Dr. Alice Cross (Erin R. Ryan) allerdings leistungsfähigere Geräte, und so wenden sie sich frohen Mutes an ihren Geldgeber Neil (Dave Parker). Dessen Antwort ist ernüchternd. Bevor er nicht brauchbare Ergebnisse zu Gesicht bekommt, bleibt der Geldhahn zu. Pete denkt nicht daran zu warten, läuft ihm doch die Zeit davon, da er selbst an Hautkrebs erkrankt ist. Und so injiziert er das aus den Enzymen des Wurms gewonnene Präparat - gegen Alice' ausdrücklichen Willen - in seinen Körper, macht sich kurzerhand selbst zum Versuchskaninchen. Und tatsächlich scheint das Mittel zu wirken. Doch die verheerenden Nebenwirkungen lassen nicht lange auf sich warten...
Dustin Mills' Skinless zählt zu den besten No-Budget-Wundern, die je meinen Weg gekreuzt haben. Obwohl der Film an all den Problemen leidet, die eine dermaßen niedrig budgetierte Indie-Produktion (man munkelt von etwa zweitausend US-Dollar) mit sich bringt, so fallen die positiven Aspekte doch so stark ins Auge, daß alles andere in den Hintergrund rückt und bedeutungslos wird. Skinless vereint in sich all das, was man in Großproduktionen immer seltener findet. Herzblut. Leidenschaft. Experimentierfreudigkeit. Kreativität. Ambition. Spirit. Phantasie. Engagement. Skinless ist eine Herzensangelegenheit des talentierten amerikanischen Filmemachers, an der er wohl keinen müden Cent verdienen wird. Das ist ihm bewußt, ändert aber nichts daran, daß er für seinen Film brennt. Und seine wenigen Mitstreiter tun dasselbe, geben alles, um den Streifen so gut wie möglich zu machen. Wie anders ist es zu erklären, daß die beiden Damen (und einer der Herren) phasenweise splitterfasernackt vor der Kamera agieren und all die Troubles mit den blutigen, schleimigen und klebrigen Spezialeffekten in Kauf nehmen? An der mickrigen Entlohnung, falls es überhaupt eine gab, liegt es bestimmt nicht.
Wie sein budgetmäßig wesentlich verwöhnterer Mitstreiter Brett Piper (Arachnia, Bite Me!, Shock-O-Rama, The Dark Sleep) setzt auch Dustin Mills im Spezialeffektbereich konsequent auf Old School-Techniken. Mit Stop Motion hat er zwar nichts am Hut, dafür mixt er Kunstblut und Schleim, arbeitet mit Masken und Latex und bastelt für sein Leben gerne Puppen. Mit Realismus können seine herrlich schrägen Kreationen zwar nicht punkten, aber sie haben Charme, und man sieht ihnen an, daß sie mit viel Liebe gestaltet wurden. Nehmen wir nur mal den Hund in Skinless, der in einer Szene fröhlich an Alice' Bein herumknabbert. In diesen megadrolligen Wadenbeißer habe ich mich sofort verliebt. Leider hält das von Mills und Brandon Salkil verfaßte Drehbuch kein Happy End für ihn bereit. Nachdem die mutierte Töle einen Tentakel aus dem Maul verschießt, welcher sich um den Fuß der Wissenschaftlerin schlingt, reißt die ihm die glitschige Fangzunge prompt aus, was ihm gar nicht wohl bekommt. Pete besitzt ebenfalls so einen Tentakel. Darüber hinaus kann er Säure spucken, was bei Betroffenen zu einem so deftigen wie schmerzhaften "Meltdown" führt.
Die Geschichte sowie deren Umsetzung erinnern (bestimmt nicht zufällig) an einen der ganz großen (Körper-)Horrorklassiker der 1980er-Jahre, David Cronenbergs The Fly. Und erstaunlicherweise ist Skinless kein bloßer Abklatsch dieses grausigen Meisterwerks, sondern eine beachtenswerte wenn auch unerhört eigenwillige Variante der Thematik, die ihre ganz eigene Duftnote verströmt. Wie das Vorbild funktioniert auch Dustin Mills' Billigversion als große Tragödie, deren happige Gore-Eskapaden die Intensität des sich abspulenden Dramas nur verstärken, steht doch auch hier ein sympathisches Pärchen im Zentrum, denen gar Schreckliches widerfährt. Erin R. Ryan als Alice ist das Herz des Filmes; sie spielt dermaßen wunderbar, daß es ihr spielerisch gelingt, aus dem Zuschauer die gewünschten Emotionen heraus zu kitzeln. Brandon Salkil wiederum ist ein lässiger Eigenbrötler, der zur gefährlichen Bestie mutiert. Die gräßlichen Veränderungen seines Körpers sind nämlich nicht nur äußerlicher Natur, sie greifen auch sein Gehirn an und treiben den sanften Mann an die Grenze des Wahnsinns (und darüber hinaus). So schneidet er sich sein Gesicht ab, bevor es wie der Rest seiner Haut zerfällt, und trägt es fortan als Maske.
In den Händen eines weniger talentierten Regisseurs wäre dieses packende Vier-Personen-Stück zum Debakel verkommen. Mills, der 2010 mit The Puppet Monster Massacre debütierte, beherrscht jedoch nicht nur den technischen Aspekt des Filmemachens (an Kamera, Ausleuchtung, Musik, Schnitt oder Dramaturgie gibt es überhaupt nichts auszusetzen), er hat auch bei der Schauspielerführung ein äußerst gutes Händchen. Und die Mimen danken es ihm, indem sie glaubwürdige Figuren kreieren, deren Schicksal einen nicht kalt läßt. Weder die derben Splattereien noch die expliziten Nuditäten erscheinen selbstzweckhaft, da sie sich erstens aus der Geschichte heraus ergeben und weil zweitens die Kamera niemals zu lange draufbleibt. Ich habe ja generell ein großes Faible für B-Movies im Allgemeinen und für mikrobudgetierte Independent-Produktionen im Speziellen, aber bei Skinless mutiere ich glatt zum Jubelperser. Dieses kultige Kammerspiel ist einfach sensationell und zeigt, wie man aus sehr wenig verdammt viel machen kann. Im Audiokommentar sagt Mills (und entschuldigt sich im selben Atemzug dafür), daß er den Film liebt und stolz auf das Ergebnis ist. Ganz ehrlich: Dazu hat er auch jedes Recht.