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Die japanische Kultur fasziniert westliche Filmemacher immer wieder und „Yakuza“ gehört zu den ersten und prägendsten Filmen, die sich genau dieses Flair zunutze machen.
Die titelgebende Yakuza bringt hier den Stein ins Rollen, indem sie die Tochter des US-Waffenschiebers George Tanner (Brian Keith) entführt, als diesem eine für sie bestimmte Ladung Waffen abhanden kommt. Dazu wird der Zuschauer noch mit interessanten Infos gefüttert, z.B. dass das Wort Yakuza für die Zahlen acht (ya), neun (ku) und drei (za) steht – zusammen ergibt das 20 und mit dieser Augenzahl verliert man beim japanischen Kartenspiel.
Doch Tanner war im Krieg Militärpolizist in Tokio und kennt aus diesen Tagen noch Harry Kilmer (Robert Mitchum), der nach dem Krieg lange Jahre Cop tätig war und in Tanners Schuld steht. Tanner bittet ihn nach Tokio zu gehen und seine Tochter zu retten, was Kilmer pflichtbewusst tut…

„Yakuza“ fängt das Flair der japanischen Kultur wirklich faszinierend ein: Im Hintergrund tönen immer mal wieder fernöstliche Klänge, schöne Aufnahmen von Tokio und Kioto bringen dem westlichen Zuschauer das Leben in eben jenen Städten näher und man erfährt immer wieder Wissenswertes über die Kultur, z.B. wenn Kilmer seinem jungen Mitarbeiter mehr über Japan erzählt oder selbst von einem Yakuza-Berater mehr über diese Verbrecherorganisation erfährt. Dieses fernöstliche Flair wurde immer wieder gerne von ähnlichen Filmen aufgegriffen und Mark L. Lesters „Showdown in Little Tokyo“ zeigt sich in diversen Szenen (Creditsequenz, Badehausüberfall) sehr von „Yakuza“ inspiriert.
Freilich ist „Yakuza“ kein geradliniger Racheactioner wie der Mark L. Lester Film von 1991, aber gegen Ende begibt sich „Yakuza“ auf ähnliche Bahnen. Denn hier geht es noch mal deftig rund und es gibt einige Actionszenen zu sehen, die für die damalige Zeit wirklich spektakulär sind. Vor allem die Schwertkampfsequenzen von Ken Tanaka (Ken Takakura) sind wirklich aufsehenerregend, während Kilmers Schießereien ganz nett, aber keineswegs so fetzig sind.
Im Plotbereich hapert es jedoch gelegentlich bei „Yakuza“: Anfangs wird das Ganze recht gemächlich erzählt, danach scheint man sich in einem fintenreichen Thriller wieder zu finden (denn es kommt heraus, dass noch mehr hinter der Sache steckt), ehe „Yakuza“ dann auf einmal in geradlinige Rachefilmgefilde dringt. Das wirkt alles etwas uneins und Sydney Pollack schafft es auch nicht die eine oder andere Länge zu vermeiden. Dennoch ist „Yakuza“ nie wirklich langweilig, da allein schon die Faszination der japanischen Kultur fesselnd wirkt.

Zudem erweisen sich die Subplots als deutlich konsequenter als der Hauptplot: Kilmer hat einst seine große Liebe Eiko (Keio Kishi) in Tokio zurückgelassen, der er im Krieg half. Deshalb wiederum in der Schuld von Tanaka Ken, dem Bruder Eikos, der ein Ex-Yakuza ist und Kilmer deshalb bei dem Fall helfen kann. Auch hier kann die Geschichte einige Überraschungen präsentieren und bald sich offenbaren diese Subplots, die alle sehr gut mit der Haupthandlung verwoben sind, als gelungene Abhandlung über Ehre und Schuld.
Das Funktionieren des Films und der sehr charakterbasierten Subplots verdankt Pollack dann größtenteils der Darstellerriege, die als großen Namen einen wirklich überzeugenden Robert Mitchum präsentieren kann. Auch Brian Keith macht einen guten Job, doch die beste Leistung hier erbringt Ken Takakura als Kendolehrer und ehemaliger Yakuza.

So bleibt unterm Strich ein Thriller mit viel Atmosphäre und packenden Subplots. Da sieht man auch ganz gerne über kleine Längen und Stilbrüche in der Haupthandlung hinweg, zumal der Showdown noch mal so richtig Adrenalin verbreitet.

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