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"Yakuza" ist der erste Film, der sich ausführlich mit der japanischen Mafia beschäftigt und entstammt der Feder von Paul Schrader (Taxi Driver, City Hall) und Robert Towne (Chinatown, Mission: Impossible). Schon hier entpuppt sich die Yakuza als gefährliche Organisation, jedoch mit Ehrenkodex. Sydney Pollacks (Die Firma, Die Dolmetscherin) Actionkrimi liefert auch viele Hintergrundinfos, die wir bisher in keinem Film vernommen haben, der sich mit diesem Thema beschäftigt. Zum Beispiel wie die Yakuza entstand und wann. Und vor allem was es mit dem Ehrenkodex eigentlich auf sich hat. Dies verpackte man in eine gängige Handlung, wo es um eine Entführung geht. Trotzdem hält der Film noch einige Überraschungen parat und ist mit Robert Mitchum (Der längste Tag, Midnight Ride) und Ken Takakura (Black Rain, Mr. Baseball) wirklich sehr gut besetzt.

Die Tochter des Geschäftsmannes George Tanner (Brian Keith) wurde von Yakuza-Oyabun Tono (Eiji Okada) entführt. George holt sich nun seinen besten Freund Harry Kilmer (Robert Mitchum) zu Hilfe, der lang in Japan lebte. Harry macht sich sofort auf den Weg nach Japan, dort schuldet ihm Schwertmeister Tanaka Ken (Ken Takakura) noch einen Gefallen. Zusammen gelingt es ihnen George´s Tochter zu befreien, doch dadurch gerät Tanaka als ehemaliger Yakuza in die Schusslinie. Harry und Tanaka müssen Tono unschädlich und auch George scheint ein falsches Spiel zu spielen.

Pollack kümmert sich ausführlich um seine Hauptcharaktere und hält die gängige Story mit einigen Wendungen über Wasser. So ließ Harry damals seine Geliebte Eiko zurück, nachdem er ihr das Leben rettete. Deswegen steht Eikos Bruder Tanaka bis heute in seiner Schuld. Und hier wird der Ehrenkodex wirklich noch hochgehalten. Tanaka würde alles für Harry tun, so bringt er sich selbst auch in Gefahr, nur um seine Schuld zu begleichen. Aber er mag Harry nicht wirklich, was sich jedoch während des Films ändert. Auch Harry fühlt sich nach der Befreiung von George´s Tochter verpflichtet, Tanaka gegen Tono zu helfen. Pollack lässt Harrys ganzes Leben in Erzählungen Revue passieren und diesbezüglich erleben wir später noch ein paar Überraschungen.

"Yakuza" ist dabei teilweise ein wenig geschwätzig, was aber auch das einzige Manko des Films ist. Im Fordergrund stehen die brillanten Darsteller. Robert Mitchum hat zwar schon 57 Lenze auf dem Buckel, macht seine Sache aber wirklich glaubwürdig, obwohl er die Handarbeit eher Ken Takakura überlässt. Der darf sich einige hübsche Schwertkämpfe liefern, wobei auch mal ein Arm abgehackt wird. Für die damalige Zeit sind die wenigen Actionsequenzen sehr spektakulär geworden und sehen auch heute noch gut aus. Während Mitchum lieber Kugeln sprechen lässt, so lässt Takakura auch mal die Fäuste fliegen. Und es geht auch ganz schön brutal zur Sache. Blutige Einschüsse, aufschlitzen oder erstechen mit dem Schwert, oder wenn es gilt, sich als Entschuldigung den kleinen Finger abzuschneiden. "Yakuza" geht nicht zimperlich mit seinen Figuren um, im ausufernden Finale bekommen auch Mitchum und Takakura ganz schön etwas ab. Auch ein Höhepunkt ist der Mordanschlag im Badehaus.

Gefallen kann auch Japan als Kulisse, besonders bei Nacht könnte es nicht atmosphärischer sein. Ein bisschen aufdringlicher dürfte der Score von Dave Grusin sein, aber seine komponierten Melodien sind weltklasse und untermalen das japanische Flair bestens.
Gerade in der ersten Halbzeit könnte "Yakuza" ein wenig mehr Pepp vertragen, während es ab der Mitte dann richtig rund geht. Spannend ist das Geschehen durchgehend und mit Brian Keith (Hardcastle und McCormick, Helden USA), Serienikone Herb Edelman (CHiPs, Ein Colt für alle Fälle) und Keiko Kishi (Rififi in Tokyo, Hunter in the Dark) ist "Yakuza" bis in die Nebenrollen überzeugend besetzt.

Ein wahres Highlight des 70er Jahre Films mit tollen Darstellern, harter Action und schon fast spürbarer Atmosphäre. In ein paar Sequenzen zu gesprächig, doch der Zahn der Zeit hat kaum daran genagt. Nicht nur ein Muss für Freunde des nostalgischen Actionkinos.

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