Review

Von falschen Entscheidungen & goldenen Träumen

"Café Society" muss sich mit dem früher in diesem Jahr erschienen "Hail Ceasar" der Coens messen lassen - und sieht da kein Land, selbst wenn "Hail Ceasar" genug eigene Schwächen hat. Doch das ist keine Schande & hartgesottenen Woody-Fans wird beim neuesten Werk des Tausendsassas & Quantitätswunders, sicher auch so das Herz aufgehen. Dieser Kaffeeklatsch von Hollywoods oberen Zehntausend ist Nostalgie, Melancholie & Liebeserklärung pur. An Hollywoods goldene 30er-Jahre, an vergebene Liebe & verpasste Träume. Es geht um einen Jungen aus New York, der etwas widerwillig zu seinem Onkel nach Hollywood kommt & sich dort in dessen süße Sekretärin verliebt. Doch leider ist er da nicht der Einzige & wer Allens berüchtigtes Faible für Dreiecksbeziehungen kennt (in seinen Filmen wie in echt!), der kann schon ahnen was dann kommt...

"Café Society" ist einerseits ein warmer Sonnenstrahl aus der Traumfabrik, der Woody Allens Spätwerk guttut & nicht nur optisch atemberaubend hübsch eine der schicksten Epochen charmant zum Leben erweckt. Doch andererseits hat der quirligen, meist goldhelle Film auch seine Schattenseiten, thematisch wie qualitativ. Er ist nicht nur melancholisch, sondern manchmal schlicht traurig & falsche (Liebes-)Entscheidungen bereuend. Und wer das kennt, sicher nicht wenige im Publikum, bei dem kann er ziemlich bittersüß ins Herz treffen. Eisenberg & Stewart haben nach wie vor eine bezaubernde Chemie & spielen die verlorenen Verliebten mehr als glaubhaft. Selbst wenn sie von der Art nicht immer in diese Ära passen & manchmal zu moderne Nuancen durchscheinen lassen. Das macht ein ernst & würdevoll auftretender Steve Carrell wieder wett - er ist ein glasklares Highlight. Außerdem kann ich nicht verstehen, wie Eisenbergs Charakter eine atemberaubende Blake Lively nicht ohne Bereuen & Zögern vorzieht, aber das ist meine persönliche Meinung...

"Café Society" geht in der mittlerweile unübersichtlich großen Masse an Woody Allen-Filmen, trotz wunderbarer Gold-Optik, irgendwo im Mittelfeld unter. Ich mag seine Themen & seine traurigen, realistischen Gedanken, doch der alte Regisseur, den ich sehr mag, kopiert hier nicht nur etwas sehr viel sich selbst ("Manhattan", "Annie Hall"), sein Off-Kommentar wirkt zudem komplett ferngesteuert & schlafwandelnd. Sein Charme & cleverer Witz sind im Script noch da, doch seine Energie scheint verflogen. Nachvollziehbar bei dem Leben, in dem Alter, doch da fragt man sich schon des Öfteren, warum er so arbeitswütig jedes Jahr einen Film herausbringt, wenn er nicht selbst schon längst die goldenen (Renten-)Seiten Hollywoods genießen sollte. Er muss doch niemandem mehr etwas beweisen. Die vielen kleinen Insider über die hohle Hollywood-High Society sind ein Genuss & der Kontrast zwischen New York & Traumfabrik ist drastisch, doch am Ende ist nicht mehr als ein verspieltes, (bitter)süßes, annehmbares Spätwerk dabei herausgekommen. 

Fazit: einer der hübschesten Woody Allen-Filme mit ein paar (wenigen) perfekt sitzenden Pointen & einer romantisch-traurigen Einstellung zur Liebe. Der umstrittene Altmeister erfindet sich zwar nicht neu, doch für Fans der goldenen 30er & seinem einzigartigen Stil, trotzdem ein kleines Geschenk & süße Ablenkung vom grauen Herbst.

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