Ingrid und Frederick sind augenscheinlich ein glückliches Paar. Doch Frederick verfolgt einen perfiden Plan: Er will testen, ob Ingrid ihn tatsächlich liebt - und täuscht Selbstmord vor, um sie ungestört mit seiner Videokamera beobachten zu können... So in etwa kündigte meine Fernsehzeitung diese schwedische Produktion als "Psychothriller" an. "Psycho" akzeptiere ich noch, "Thriller" nicht. Denn obwohl der Film gerade mal 110 Minuten lang ist, kam er mir fast wie vier Stunden vor.
Denn erwartet hatte ich angesichts dieses Plots ein düsteres und schockierendes Psycho-Drama zum Thema Voyeurismus und krankhafter Eifersucht, doch diese Aspekte werden höchstens angerissen, denn vom vermeintlichen Psychopathen sieht man nach seinem Sprung von der Reling herzlich wenig. Stattdessen konzentriert sich die Handlung viel zu stark auf den dritten Protagonisten, Ingrids besten Freund Mikael, dessen Part nicht nur überflüssig erscheint, sondern auch zutiefst unsympatisch rüberkommt. Er erkennt frühzeitig die Gefahr, wird aber von Frederick zum Schweigen erpresst. Diese Szenen zerstören auch den letzten Rest an Atmossphäre, von der der Streifen ohnehin wenig hatte. Es fehlen echte Schlüsselszenen, glaubwürdige Emotionen (das penetrante Gejaule zwischendurch ist nur nervig!) und jegliche Spannung. Die Handlung ist ungeheuer langatmig, teilweise unlogisch (besonders das Verhalten der Protagonisten am Schluss!!) und hat keinen wirklichen Bezugspunkt: Geht es nun um Fredericks Kontrollwahn, Ingrids Verlustschmerz und Verarbeitung, Mikaels Verhältnis zu seiner viel jüngeren Frau, die lasche Einstellung der Polizei, allgemeine Moral- und Ethikfragen ? Alles wird in mindestens zwei Szenen stark in den Vordergrund gestellt - zuviel für 110 Minuten.
Ungewöhnlich, interessant - aber langweilig und wirr inszeniert. 3/10