kurz angerissen*
Eine infantile Fantasy-Romanze über Meermenschen, inklusive werbetafelgroßer Umwelt-Message... mag sein, dass ein westliches Publikum hier vielleicht gerade noch halbinteressiert die Ohren spitzt, seit "Aquaman" im Kino läuft, aber grundsätzlich bekommt man mit so etwas vermutlich nur ein paar Märchenfreunde vor der Mattscheibe versammelt, die gerne hören, dass am Ende alles gut wird.
Doch wenn ein Mann dafür geschaffen ist, dem kitschigen Feelgood-Movie in Zeiten ambivalenter Kinocharaktere zu einem Comeback zu verhelfen, dass ist das wohl Stephen Chow. In diesem Leben wird der "Kung Fu Hustle"-Regisseur wohl nicht mehr erwachsen, was ihm alle Zeit der Welt verschafft, seinen Blick aus naiven Kinderaugen zu schärfen.
Optisch unterscheidet sich "The Mermaid" zunächst kaum von den Gloss-Picture-Produktionen, die typischerweise den Teil des chinesischen Blockbusterkinos bestimmen, der gen Westen herüberschwappt. Farben wie aus der gemischten Süßwarenabteilung, digital weggewachste Strukturen und eine grundsätzliche Linienführung, die einem lachenden Mondgesicht entspricht. Trotz ein, zwei gezeigter Grausamkeiten am Leben unter dem Meer fühlt sich Chows Regie weich wie ein Daunenbett an, so dass selbst die unfreiwillige Selbstverstümmelung eines Oktopus-Mannes so unschuldig erscheint wie der Anblick eines pausbäckigen Kindes, das in seinen kandierten Apfel beißt.
Die Spezialeffekte dürfen in diesem Zusammenhang dann auch sehr unfertig aussehen, solange sie nur gehörig Schwung erzeugen, was über furiose Kamerafahrten geschieht, mit denen beispielsweise eine halb im Wasser stehende Halfpipe zur Sprungschanze mit Wasserspritzgarantie umfunktioniert wird. Die äußerst befremdlichen Arbeitsnachweise der CGI-Künstler tragen sogar entscheidend zur Comedy bei, mit der es Chow letztendlich wieder gelingt, sich von den langweilig perfekten Produktionen der heimischen Konkurrenz abzuheben. Man kann kaum anders, als den unbeholfen watschelnden Flossen der Hauptfigur mit Faszination zu folgen, zumal auch die Casting-Abteilung ihren Job bei der oberen Hälfte der Meerjungfrau hervorragend gemacht hat, denn Newcomerin Lin Yun bringt nicht einfach nur Niedlichkeit mit, sondern ein auch ein ausgeprägtes Gespür für komödiantisches Timing.
So nimmt Chow romantische Gefühle und den klassischen Romeo-und-Julia-Komplex mit unnachahmlicher Leichtigkeit, die es ihm erspart, mit allzu ironischem Gebahren auf RomComs und Plots mit durchschaubarer Schwarzweißzeichnung zu reagieren, um sich von ihnen abzuheben. Das ist Kitsch, der sich ausnahmsweise mal wieder gut anfühlt.
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