Review
von Leimbacher-Mario
The Antisocial Fatwork
McDonalds - nicht nur eine allgegenwärtige Marke, nicht nur eine der größten heutzutage überhaupt, sondern auch fester Bestandteil des Alltags von fast jedem von uns. Ok, wenn man Alltag mit 5 bis 30 mal im Jahr definiert. Nicht immer positiv besetzt und ideales Ernährungsziel, um es mal vorsichtig zu formulieren, aber irgendwie dann doch (leider) kaum wegzudenken. Und sei es nur durch aggressive Werbung oder die schiere Anzahl an „Restaurants“, zum schnellen Essen oder für Kindergeburtstage. Da ist es doch sicher sehr interessant zu erfahren, wie es zu diesem Weltunternehmen kommen konnte und wie das damals Mitte der 50er alles anfing. Und genau diese uramerikanische Geschichte erzählt „The Founder“, über den „Gründer“ des McDonalds, wie wir es heute kennen...
„The Founder“ ist viel eher schockierend als inspirierend. Man kann es nicht anders sagen. Sicher hat der ein oder andere schon davon gehört, dass McDonalds mal ganz klein angefangen hat, mit zwei geschäftstüchtigen aber ganz und gar nicht ambitionierten Brüdern, die ihr familiäres Geschäft dann an einen geldgeilen Unternehmer und Immobilienhai verkauft haben, wodurch das große, goldene M erst zu dem wurde, was es heute ist. Doch dieser Entwicklung auf Film gebannt beizuwohnen, ist dann doch nochmal etwas ganz anderes... Keaton spielt den ehrgeizigen und eiskalten Ray Kroc sensationell, doch viel weniger erwartet man von ihm momentan auch nicht. Er ist im dritten Frühling und in Topform, gibt dem gierigen Geschäftsmann Menschlichkeit trotz seines brutalen Geschäftssinns und seinem später eiskalten Herzen. Selbst wenn sein innerlicher Wandel vom beharrlichen Versager zum arschigen Franchisemogul mir etwas zu flott und unharmonisch geschrieben ist. „The Founder“ erzählt von Ambitionen und Träumen, Wünschen und Zielstrebigkeit, Kapitalismus und Kohle - amerikanischer geht’s also kaum. Doch hinter all dem „Erfolg“ gucken teuflisch Attribute wie Egoismus und Unmenschlichkeit, Asozialität und Unloyalität, Eiseskälte und Hartherzigkeit, Gier und Oberflächlichkeit hervor. Dinge, mit denen der Werdegang McDonalds sehr gut als Beispiel und Metapher für ein komplettes Land und unsere ganze westliche Einstellung stehen kann. Und das aufgezeigt zu bekommen, wirkt nach. Selbst wenn der Film manchmal durchaus etwas trocken, vorformuliert und zu weich wirken kann. Dass wir eher eine solche Massenabfertigung wie das „neue“ McDonalds abfeiern und unterstützen als das „echte“ McDonalds von den zwei sympathischen Brüdern - das ist bitter. Dass Arschlöcher gewinnen ebenso. Aber so scheint die Welt zu sein. Oder gewesen zu sein in den letzten Jahrzehnten. Denn irgendwie merkt man doch ein Umdenken, gerade in der Jugend... Und dennoch wächst die Marke „Mäckes“ noch immer brutal. „The Founder“ ist aber immerhin alles andere als ein Werbefilm. Wenn man denn etwas genauer hinschaut.
Fazit: mal wieder eine Schattenseite des amerikanischen Traums und Lebensstils - „The Founder“ lässt einen das goldene M in einem ganz neuen, nicht unbedingt komplimentären Licht sehen... Und Keaton spielt mal wieder top. Etwas bissiger hätte diese Burgertragödie verkleidet als legendäre Erfolgsgeschichte aber sein dürfen.