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Alles deutet auf einen idyllischen Trip hin, als das junge Pärchen Scarlett (Jena Malone) und Alex (Douglas Smith) in einem uralten Plymouth auf einer staubigen Straße in der Sonne New Mexikos unterwegs sind. Nach L.A. ist es noch ein weiter Weg, und so übernachten sie in einem Motel an der Straße: das el Rancho, ein rosa leuchtendes Retro-Domizil, das mit dem "Charme von gestern" und der "Bequemlichkeit von morgen" wirbt, scheint dafür bestens geeignet. Nach ein paar Tequilas auf dem abgewohnten Zimmer beginnt das junge Pärchen ein Frage- und Antwortspiel - was waren deine schlimmsten Sünden bisher?  lautet die Parole und Scarlett beichtet leicht beschwingt über ihren kleinen Cousin, der zum Vollwaisen wurde und den sie beaufsichtigen mußte: Wie sie aus purer Langeweile den kleinen Buben gequält und mißhandelt hatte, ihn beispielsweise komplett auszog, mit Erdnußbutter einschmierte und diese vom Hund ablecken ließ, ihn unter Wasser tauchte und erst im letzten Moment herauszog und dergleichen Häßlichkeiten mehr. Schließlich habe sie ihn in einer Kuhle lebendig begraben, dann aber bricht sie kichernd ab und eröffnet dem immer konsternierter dreinblickenden Alex, daß das Ganze nur Blödsinn sei, den sie sich gerade ausgedacht habe.
Am nächsten Morgen wollen sie die Fahrt fortsetzen, aber schon nach kurzer Zeit wird Scarlett furchtbar schlecht und sie bittet Alex, wieder zum el Rancho zurückzukehren. Dort verbringen sie eine weitere Nacht, in der der ratlose Alex im Zimmer-TV stets nur den Kanal eines älteren christlichen Predigers einer lokalen kleinen Kirche reinbringt. Als die beiden am nächsten Morgen erwachen, wird ein weiterer Versuch unternommen, doch auch dieser endet nach kurzer Zeit mit schlimmen Schmerzen bei Scarlett, und erneut drehen die beiden um. Alex möchte nun langsam ärztliche Hilfe für seine Freundin und fährt nachts allein herum, wobei er an jener kleinen Kirche vorbeikommt, zu der der Prediger aus dem TV-Kanal gehört. Erschreckt erkennt er dort auf Familienfotos, daß Scarlett des Predigers Tochter ist...

Die Macht des Unterbewußtseins steht im Fokus dieser kleinen aber feinen US-kanadischen Produktion, deren Titel (frei übersetzt) Das Ende der Welt in Kombination mit dem Cover bereits Grenz (-wertige) Erfahrungen vorwegnimmt. Auch sollte man sich von den ersten 10 - 15 Minuten des Films, die möglicherweise auf eine Bonnie und Clyde-Story hinauslaufen könnten, nicht täuschen lassen, denn es kommt ganz anders. Gegen Filmmitte nämlich erwacht Alex ein weiteres Mal, diesmal jedoch in einer veränderten Umwelt, denn eine blonde Scarlett gibt es nicht (mehr), stattdessen ist er mit der dunkelhaarigen Paige (Tamara Duarte) verheiratet, die sich äußerst erstaunt und beunruhigt über Alex´ Fragen und Verhalten zeigt. Der kann nämlich gar nicht glauben, daß das alles nur ein Traum gewesen sein soll und sucht mit seinem Wagen (jetzt einem modernen SUV) die einige Stunden entfernt liegende Wüstengegend ab - dort jedoch kommt sich nur ein Sheriff verarscht vor, daß der ortsfremde Jungspund darauf beharrt, hier kürzlich eine Church of the solid rock sufferers besucht zu haben. Verzweifelt sucht Alex nach Spuren und Hinweisen auf das vermeintlich real Erlebte, was soweit geht daß er nachts eine Dose Erbsen am Küchentisch mit der Gabel separiert, um die einzige faule Erbse, von deren tatsächlicher Existenz er felsenfest überzeugt ist, zu finden...

Das alles hört sich verwirrend an, fügt sich in der zweiten Filmhälfte jedoch zu einer in sich stimmigen Story, die gekonnt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielt und ihren anfangs aufgebauten Mystery-Touch inklusive dezenter Spannung bis zum Ende durchhält. Wer den puzzleartig aufgebauten Plot, der allerdings eine gewisse Aufmerksamkeit erfordert, dann noch nicht (ganz) verstanden hat, möge sich den Independent-Streifen, der mit einem kleinen Budget und einer begrenzten Zahl von Darstellern auskommt, noch einmal von vorne ansehen. Nicht jedermanns Sache, dennoch nicht allzu sperrig und dank tadelloser darstellerischer Leistungen (besonders von Jena Malone) durchaus eine Empfehlung für Mystery-Freunde. 7 Punkte.

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