Es braucht schon einen Regisseur wie Paul Verhoeven, um aus der Verarbeitung einer Vergewaltigung statt eines schwermütigen Dramas einen von bissigem Humor durchzogenen Erotikthriller zu machen. Doch ELLE handelt nicht in erster Linie von einer Vergewaltigung, sondern von schwierigen Beziehungen: Ob Freundschaften, Ehen oder Geschäftsbeziehungen, überall geht es um – vor allem weibliche – Manipulation, die so dezent zum Einsatz kommt, dass lange Zeit nicht klar ist, wer denn nun der „Täter“ ist. Diese Komplexität macht den Film um ein Vielfaches spannender als das vordergründige Rätselraten um den offensichtlichen Täter. Und Verhoeven gelingt es, ohne wirklich spektakuläre „Twists“, allein mit Hilfe eines intelligenten Skripts, die selten gewordene Kunst, den Zuschauer fasziniert, aber weitgehend ahnungslos durch den Film zu geleiten – man weiß hier wirklich nicht, wo das alles hinführt.
Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass die weiblichen Hauptfiguren – beide zwischen Mitte 50 und 60 – völlig unnötigerweise Chefinnen einer Videospielfirma sind, worunter nicht nur die Glaubwürdigkeit des Films leidet, einige Szenen wirken dadurch auch unfreiwillig komisch bis deplaziert.