Michelle wird in ihrem Haus von einem maskierten Mann überfallen und brutal vergewaltigt. Zwar lässt sie sich ärztlich untersuchen, und sie kauft auch ein Pfefferspray und eine Axt, aber ansonsten geht das Leben weiter wie gewohnt: In der Videospielfirma die sie leitet muss ein Projekt zu Ende gebracht werden, mit dem Mann ihrer besten Freundin hat sie ein Verhältnis, ihr Ex-Mann hat eine neue, ihr Sohn ebenfalls, die Mama will einen jungen Typen heiraten, und der Nachbar von gegenüber ist verdammt attraktiv. Nichts Neues unter der Sonne. Als sie das zweite Mal vergewaltigt wird … ändert sich immer noch nichts. Keine Abschottung, keine Rachegedanken, … Das Leben geht eben weiter, na und?
Ein paar der überschwänglicheren Kritiken im Internet habe ich wohl gelesen, aber ich konnte keine einzige davon nachvollziehen. Was ich hier gesehen habe war schauspielerisch und inszenatorisch auf allerhöchstem Niveau, allein: Wo war der Inhalt? Ich konnte keine, aber auch wirklich keine Handlung von Michelle logisch nachvollziehen. Michelle suhlt sich in ihrem übersteigerten Selbstwertgefühl und in ihrer Selbstherrlichkeit dermaßen, dass ich nicht einmal verstehen konnte wie sie jemals zu etwas wie einem (Ex-) Ehemann oder einer besten Freundin gekommen ist. Und da mir auch die anderen Personen weitgehend fremd blieben, stellt sich zumindest für mich die Frage: Was soll das Ganze? Was soll der Subplot um den massenmordenden Vater? Wie kommt jemand auf die Idee, wissentlich mit seinem Vergewaltiger in den Keller zu gehen? Warum muss man der besten Freundin einen wahnsinnig schönen Abend vorsätzlich und willentlich total versauen? Und darum gleich noch einmal: Was soll das Ganze? Meines war’s nicht …