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Inhalt: Michelle (Isabelle Hupert) ist zwar eine erfolgreiche Geschäftsfrau und Leiterin eines Computerspielunternehmens, doch in ihrem Inneren muss sie viele private Konflikte (Vater ein Mörder, Probleme mit dem Ex-Mann, eine heimliche Liebschaft mit dem Mann ihrer besten Freundin) und neuerdings auch einen brutalen Überall, mit dem eine Vergewaltigung einher ging, verkraften. Michelle versucht sich den Dämonen zu stellen, doch der grösste Teufel wird ihr noch begegnen. Fazit: Man kann Verhoeven vorwerfen seine Zugkraft aus Bildern des immer wieder aufkehrenden sexuellen Übergriffs auf seine Protagonistin zu schöpfen, doch tut er viel mehr als ein Frauenbild am Rande des Nervenzusammenbruchs abzuliefern, sondern zeigt ein Stück Gesellschaftssatire, das schwärzer und direkter nicht sein könnte. Elle ist nämlich eine starke Frau, voller Bewusstsein, etabliert, abgebrüht und natürlich gefestigt. Sie gibt sich stets ihrem Peiniger hin, zur Verwunderung des Zuschauers. Immer wieder dringt sie in die Gedankenwelt des Täters vor, ohne jedoch in Selbstjustiz zu enden, worin auch der elementare Punkt liegt: Verhoeven schafft es in seinem bitterbösen Drama Menschen aufeinander treffen zu lassen, die Hass und Liebe, egal in welcher Form, gleichzeitig vereint. Auf eine Art, die nicht immer sofort nachvollziehbar ist, die aber schauspielerisch brillant und dabei ungemein spannend erzählt ist. Man trifft auf Nebenfiguren, die undurchsichtig sind, die eine zweite Seite in sich tragen, die Elle angehen, die der Geschichte aber einen enormen Antrieb, eine Wirkung mit geben, die man nur noch aus den meist holländischen Frühwerken von Verhoeven (Türkische Früchte, Keetje Tippel, Der Soldat von Oranien, Spetters), weniger aus seinen US-amerikanischen Filmen, her kennt. Hier geht der Altmeister zurück zu seinen Anfängen, bleibt dabei aber in seiner Bildsprache weniger grotesk, dafür im Kontext aber eine Spur fieser und eindringlicher. Der Schnitt von Job ter Bug und die Kameraarbeit von Stephane Fontaine hinterlassen einen sehr guten Eindruck, die Darsteller sind exzellent besetzt, die Literaturvorlage stammte hier von Philippe Djian

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