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Der Mitvierziger Kostis tritt auf der griechischen Insel Anti-Paros eine Stelle als Arzt an.
Nach langweiligen und einsamen Wintermonaten verwandelt der Sommer die kleine Insel in eine einzige Party-Zone, auf der die jungen Touristen das wilde Leben aus Sex, Alkohol und Drogen in vollen Zügen genießen.
Als die schöne und aufreizende Anna nach einem Unfall mit ihrer Clique die Praxis stürmt ändert sich das Leben des unbeholfenen Junggesellen schlagartig: Die provozierend distanzlose und ungezwungene Art der attraktiven Jugendlichen fasziniert und ermuntert ihn zu ungeahnten nächtlichen Abenteuern. Fortan versucht der Mittvierziger mit dem tollkühnen und freizügigen Leben der jungen Leute mitzuhalten, was sein Leben zunehmend aus den Fugen geraten lässt...

Die neue "Pierrot Le Fou"-Veröffentlichung braucht etwas Zeit, um Fahrt aufzunehmen, nimmt sich allerdings genügend Zeit, um den pummeligen und schweigsamen Haupt-Charakter Kostis (von Makis Papadimitriou hervorragend dargestellt) von seiner Ankunft in den tristen Wintermonaten bis zum Sommeranfang einzuführen.

Mit dem Aufblühen des Insellebens und der alles verändernden Begegnung mit der aufreizenden Anna (offen und unbekümmert von Elli Tringou verkörpert) verändert sich sein Leben, taucht der zurückgezogene "Eremit" immer mehr in das vitale Leben der jungen und gutaussehenden Urlauber ein, die sich am Campingplatz des Nacktbadestrandes niedergelassen haben. Erste Annäherungsversuche wirken noch unsicher und unbeholfen, trotzdem wird er nach und nach in das Party-Leben der Jugendlichen integriert.

Aus der Sicht des tragikomischen Helden wird der Kontrast zwischen melancholischer Einsamkeit und Unbeholfenheit zu jugendlicher Lebendigkeit und schier grenzenlosen Freiheit in Wort und Bild dargestellt. Die Abhängigkeit, der Verfall eines liebeskranken Arztes, der den jugendlichen Leichtsinn, einen unbekümmerten Urlaubsflirt falsch interpretiert und in Wahnsinn und Besessenheit mit allen traurig stimmenden und lächerlichen Peinlichkeiten gipfelt, wird von Regisseur Argyris Papadimitropoulos realistisch und nachvollziehbar auf die Leinwand gebracht.

Die Thematik, dass eine schicksalshafte Begegnung das Leben des einsamen Junggesellen verändert, wie ein älterer Mann einer aufreizenden jungen Schönheit verfällt, erinnert zwar bisweilen an Filme wie "Lolita" oder "Elegy", wirkt aber in "Nacktbaden" aus der Perspektive des leidgeprüften Hauptdarstellers mit allen vergeblichen Hoffnungen und Sehnsüchten mehr wie eine Charakterstudie über die Isolation einer gescheiterten Existenz bis hin zum tragischen Ende.

Insgesamt gesehen allerdings zu wenig ergreifend, um wirklich eine herausragende Veröffentlichung darzustellen, an der man noch lange nach dem Abspann geistig knabbert.

Allerdings muss man sich dabei von Anfang an bewusst sein, dass es sich hierbei um einen melodramatischen Beitrag des gerne zitierten "Geheimtipp"-Labels handelt und auf keinen Fall um einen Sex- oder Erotikfilm, auch wenn uns der Verleih dies schmackhaft machen will. Sicherlich geht es an der ein oder anderen Stelle etwas freizügiger zur Sache, aber schließlich spielt ein Teil des Films an einem Nacktbadestrand, wo Brust und Pillermann zum Tagesablauf dazugehören.

Auf jeden Fall kein schlechter Film, aber zu wenig, um Herz und Hirn des Zuschauers nachhaltig zu erreichen. Kann man sehen, muss man aber nicht!

6 / 10

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