Review

iHaveCNit: Toni Erdmann (2016)

Angetrieben von den überschwänglichen Kritiken kam ich einfach nicht drum herum, mir „Toni Erdmann“ anzusehen. Der deutsche Film an sich spaltet sich für mich in 3 grundlegende Bereiche, 1. Der Mainstream mit Komödien und Dramen (vorzugsweise bei Schauspielern wie Schweiger, Schweighöfer und M´Barek anzutreffen) 2. Das Genrekino (z.B. „Stereo“ oder auch „Who am I“) oder auch 3. Den Arthouse-Film, zu dem nun auch „Toni Erdmann“ sich dazugesellen darf. Wohingegen die Tragikomödien des Mainstreams mit platten, übertrieben geschriebenen Figuren aufwarten, die Aktionen machen, die in der Realität nie passieren würden, nicht zu vergessen hin und wieder Schnittgewitter bei Dialogen oder auch eine Sepia-Überflutung, kommt Toni Erdmann als krasser Gegenentwurf daher und liefert für mich einen der besten deutschen Filme seit „Victoria“ aus dem letzten Jahr.

Es geht hier zum einen um den 65-jährigen Winfried Conradi, seines Zeichen Musiklehrer, sehr verkannt und einfühlsam. Und zum anderen um seine Tochter Ines Conradi, die in Bukarest als Unternehmensberaterin gerade an einem großen Projekt arbeitet. Beide sehen sich nur noch sporadisch. Doch als Winfrieds Hund stirbt entschließt er sich, seine Tochter in Bukarest zu besuchen. In Folge skurriler Ereignisse tritt Winfrieds Alter Ego „Toni Erdmann“ auf den Plan und wirft das ganze Bild vor Ort durcheinander.

Regisseurin Maren Ade ist immer sehr nah an den beiden Protagonisten Ines und Winfried, die perfekt von Peter Simonischek und Sandra Hüller gespielt werden. Die Chemie der Beiden gibt dem Film die nötige Würze und macht das Vater-Tochter-Drama so unglaublich gut. Der Kontrast vom menschlichen Winfried zur unmenschlichen Karrieristin Ines und die durch die Annäherung aufkommende Charakterentwicklung ist bis zum Ende hin wirklich treffend. Die Beziehung der Beiden wird durch einen Mix aus alltäglichen und skurrilen Momenten, in dem genug Peinliche Situationen für beide entstehen auf eine Probe gestellt, der Spiegel vorgehalten und mit sehr viel Taktgefühl herrlich unaufgeregt herausgearbeitet. Einziges Problem für mich ist die Hammerlaufzeit von 162 Minuten, die für mich nach der Erstsichtung die Frage aufwirft: War jetzt jede Szene wichtig, um die Beziehung der Beiden auch glaubhaft darzustellen oder hätte man hier und da den Film straffen können ? Das hindert den Film leider, die Höchstwertung zu bekommen.

„Toni Erdmann“ - My First Look – 9/10 Punkte.

Details
Ähnliche Filme