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Das US-Gesundheitssystem ist ein wahrer Teufelskreis, denn viele können sich erst gar keine Versicherung leisten und müssen cash bezahlen, während kleine Unternehmen kaum die Möglichkeit haben, die Versicherungen für ihre Angestellten zu tragen. Das Resultat sind bezahlbare Policen, die kaum etwas abdecken, - von aufwendigen Therapiemaßnahmen ganz zu schweigen. Es gibt bereits einige Thriller, welche diesen Missstand als Grundlage für eine kriminelle Tat zum Anlass nahmen, wie auch vorliegender TV-Film von Regisseur Philippe Gagnon.

Calum (Kyle Mac) hat einen Schulbus mit zehn Kindern in eine Lagerhalle entführt und fordert nun ein Lösegeld. Ermittlerin Amber (Alaina Huffman) stellt rasch einen Zusammenhang mit seiner an Krebs erkrankten Mutter und der Versicherung her, welche die Kosten für eine Behandlung verweigerte. Während Amber mit Calum verhandeln will, macht sich ein SWAT Team bereit, doch Calum hat bereits Vorkehrungen getroffen…

Allzu originell kommt die Geschichte nicht daher. Zunächst mutet sie wie ein parallel ablaufendes Familiendrama mit schwierigen Mutter-Sohn-Beziehungen an, bevor es zu den Verhandlungen zwischen Entführer und Polizei geht.
Amber lebt in Scheidung und hat den missglückten Einsatz als Verhandlungspartnerin bei einem früheren Fall noch nicht ganz verdaut, während Calum als Typ mit Borderline Störung eingeführt wird, der einen frechen Typen krankenhausreif prügelt, weil er auf der Straße seine Mutter anrempelte. Auf diese spezifische Störung wird im Verlauf jedoch zu wenig eingegangen, denn Calum präsentiert sich zwar als unberechenbarer Entführer, doch die angebliche Persönlichkeitsstörung unterschiedet ihn nicht von anderen Verbrechern dieses Schlags.

Zudem geben sich einige Klischees die Ehre, denn der zuständige Chief ist ausgerechnet Ambers Schwiegervater, während ihr ehemaliges Verhältnis Leiter des SWAT Teams ist, was unweigerlich zu Kompetenzgerangel führt. Ferner handelt es sich bei der Mutter eines der entführten Kindern um eine Angestellte jener Krankenversicherung, welche den entscheidenden Antrag ablehnte, während am Rande ein bissiges Journalistenteam mitmischt.
Eine durchaus übersichtliche Figurenkonstellation, welche im Verlauf nur wenig Hochspannung zutage fördert und erst recht keine Action bietet, denn die Produktion gibt sich relativ schlicht mit zweckmäßiger Ausstattung und minimalen technischen Gimmicks.

Dennoch fallen die Verhandlungen zwischen Amber und Calum zuweilen unterhaltsam aus, zumal er die Taktik jener Vermittler studiert hat, um diese schließlich gegen Amber einzusetzen. Einige Entscheidungen des Polizeichefs sind demgegenüber nicht nachvollziehbar und auch die Herangehensweise der Spezialeinheit fördert bei einigen Szenen unfreiwillige Komik zutage. Der Twist vermag allerdings zu punkten, die Wendung ist nicht unbedingt erahnbar und obgleich mit kleineren Logiklücken behaftet, rundet der Showdown die Sache einigermaßen zufrieden stellend ab.

Mit großer Erwartungshaltung sollten Genrefans ohnedies nicht an einen Streifen dieser Art herangehen, denn sonderliche Schauwerte oder gar fiese Psychospielchen sind nicht zu erwarten und auch die darstellerischen Leistungen liegen nur knapp über Durchschnitt.
Ein Thriller der eher weichgespülten Sorte mit einigem Unterhaltungspotenzial, leichter Gesellschaftskritik und einer Handvoll emotionaler Momente.
Für nebenher okay.
Knapp
6 von 10

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