Nach dem Tod seiner Ehefrau wollen David Prescott (Lee Bane) und seine Tochter Katherine (Natalie Martins) etwas Abstand gewinnen und übersiedeln daher in ein kleines Haus an der walisischen Westküste. Beim Einzug begrüßt sie die alte Nachbarin Mrs. Blankenship (Judith Haley), möchte David aber nicht die Hand geben und verabschiedet sich stattdessen mit dem Versprechen, für die neuen Nachbarn beten zu wollen.
Beim Auspacken entdeckt Katherine in ihrem Zimmer unter dem Bett eine häßliche, einem Pierrot nachempfundene Puppe, der jemand mit Filzstift "Otto" in den Nacken gemalt hatte. Die Puppe wandert erstmal auf den Dachboden, doch schon in der folgenden Nacht ist sie wieder in Katherines Zimmer. Außerdem hört die junge Dame Knistern, Knacksen und Schritte, schließlich entdeckt sie Fotos auf ihrer Kamera, die sie im Bett schlafend zeigen. Wer hat diese Bilder mit ihrer Kamera gemacht? Papa David weiß von nichts und hält diese merkwürdigen Geräusche sowieso nur für Gefühlsduselei. Doch als er einmal des Nachts unter seinem eigenen Bett nachschaut, würgt ihn jemand, aus dessen Griff er sich nur schwer befreien kann. Was ist hier nur los?
Die alte Nachbarin weiß Rat: vor langer Zeit wohnte hier ein sadistischer Gutsbesitzer namens Necrosse, der sich auch Sklaven hielt. Denen gelang es jedoch eines Nachts, zu entkommen, woraufhin sie gleich sämtliche Hausbewohner töteten. Seit dieser Zeit spuken die Geister der Toten in diesem Haus...
Was sich schon so banal liest, ist in realitas noch viel langweiliger, als man es für möglich halten sollte. Doch diese - offensichtlich frei improvisierte - Haunted House-Story bildet nun einmal das Gerüst des Horrorstreifens Poltergeist Activity des walisischen Amateurfilmers Andrew Jones. Jones vertreibt seine filmischen Ergüsse normalerweise über britische Supermarktketten, wo sich das Publikum ausschließlich anhand des Covers dafür entscheidet, um wenige britische Pfund eine seiner Direct-to-DVD-Produktionen zu erwerben - da war es für Jones sicher ein warmer finanzieller Regen, daß genau dieser Streifen im Portfolio von Netflix landete.
Nun müssen Low-, oder in diesem Fall: No-Budget-Produktionen ja nicht unbedingt schlecht sein, und während der ersten 15 - 20 Minuten ist zumindest das Bemühen von Vater und Tochter zu spüren, ihre kargen Rollen mit Leben zu füllen. Natürlich braucht es ein paar Minuten Eingewöhnungszeit um zu begreifen, daß Natalie Martins, etwa Anfang Dreißig, eine 17-Jährige spielen soll, während Papa Lee Bane, Anfang Vierzig, ihren Vater darstellen soll - man hätte sie eigentlich für ein Pärchen gehalten. Das wird auch nicht besser, als die Tochter dann einen Klassenkameraden mitbringt, der in Schuluniform daherkommt und erkennbar mindestens Mitte Dreißig ist, aber was solls...
Daß dem Film an allen Ecken und Enden Budget fehlt, wird spätestens anhand der häßlichen Puppe deutlich, bei der es sich um irgendeinen billigen, nachgemachten Artikel aus einer China-Ramschbude handelt. Wobei die ähnlich aussehenden, weißlichen Gesichtsmasken für Erwachsene wohl aus demselben Laden stammen dürften und im Film als Masken für in schwarz gewandete Komparsen verwendet wurden, welche die lebendig gewordenen "Geister" (mehr als zwei auf einmal sind es aber nicht) darzustellen sich bemühten. Letztere wirken zwar keinesfalls bedrohlich, scheinen Katherine (die mal mit Stirnwunde, mal ohne, dann wieder mit auftritt) aber am Schluß an den Füßen in den Kleiderschrank ziehen zu wollen - was allerdings kaum überzeugender rüberkommt als die erbärmlich schlecht umgesetzten Würgeversuche der Puppe(!), von der auch niemand weiß, wieso sie "Otto" heißt...
Zuvor übrigens hatte David in einer Buchhandlung, die verdächtig nach einem Wohnzimmer aussah, bei einer Lesung noch einen älteren Autor aufgegabelt, der sich mit sowas auskennt, und jener Hans Voltz (Jared Morgan) ließ sich dann auch breitschlagen, in ebenjenem Haus eine Séance abzuhalten. Das ist nach gut einer Stunde Laufzeit schon fast am Ende des Films, und ab diesem Zeitpunkt wird der zuvor dröge, aber immer noch gewissen bekannten Konventionen folgende Poltergeist Activity dann nur noch wirr und sinnlos. Während das Medium nicht wie üblich einzelne Buchstaben, sondern gleich ganze Wörter (wtf?) diktiert bekommt - ich nehme an, um Zeit zu sparen, weil es die Geister eventuell eilig hatten - und sich auch noch ein unblutiger Mord mittels Kugelschreiber ereignet, geht der Rest dann in Geschrei und Kameragewackel unter, wozu auch der schon die ganze Zeit nicht nur unpassende, sondern auch viel zu laut ausgesteuerte "Score" seinen Teil beiträgt.
Fazit: im Endeffekt ist Poltergeist Activity dann doch der erwartete Reinfall, wobei die wenigen Darsteller zumindest engagiert auftreten, gegen das hundsmiserable Skript aber nicht ankommen. Immerhin dauert das zweifelhafte Vergnügen, das ohne jegliche Spezialeffekte auskommt, bei dem die Dunkelheit viele peinliche Details verdeckt und das es natürlich nur im englischen Original gibt, nicht allzu lang, denn schon nach 73 Minuten ist Schluß, bevor der fast 10 Minuten dauernde - und ebenso wie der Vorspann - mit s/w-Standbildern künstlich aufgeblasene Abspann rollt. Gnädige 2 Punkte nach Aberaeron.