Review

kurz angerissen*

„Captain Fantastic“ erzählt mit exzentrischer Geometrie, schrillen Farbspektren und harten Kontrasten davon, wie sich der Intellektualismus von den sozialen Etablissements zurückzieht, mit denen die gesamte Zivilisation errichtet ist. Dies tut er exemplarisch anhand der Konstellation um einen hochintelligenten Sonderling und seine sechs Kinder, denen er mit bestimmter Hand den Wert von Bücherwissen ebenso beibringt wie das Ausleben von Individualität und Rationalität. Grundsätzlich wertvolle Lektionen, die aber, so lehrt uns der Film, fern des gesellschaftlichen Kontextes irgendwo draußen im Wald keinen richtigen Zweck erfüllen.

Mit Viggo Mortensen ist die komplexe Hauptrolle vortrefflich besetzt, er fügt ihr extreme Charaktereigenschaften zu, ohne sie zum einseitigen Extremisten zu machen. Matt Ross, der bisher hauptsächlich als Schauspieler in Erscheinung getreten ist und hier erst seine zweite Regiearbeit vorlegt, schafft es trotzdem nicht, die in der Wildnis lebende Gruppe von dem Eindruck zu befreien, man habe es mit einer Mäusefamilie unter einer Glasglocke zu tun. Ob die Kinder nun Buchinterpretationen vortragen, Jagdtechniken anwenden oder mit eigenen Worten geschichtliches Wissen wiedergeben, Ross zeigt diese Szenen stets in der Absicht, dass jede noch so komplex erlernte Fähigkeit noch nicht dem Anspruch des Menschsein gereicht – und dass nichts den Austausch mit der Welt da draußen ersetzen kann, egal wie dumm deren Regeln manchmal zu sein scheinen. Folglich bevölkert Ross seinen Film abseits seiner idealistischen Hauptfigur bloß mit emotionslosen Stereotypen, mit denen die aufgetragene Moralität stark angesäuert wird.

An dieser Stelle bleibt „Captain Fantastic“ auch inkonsequent an seinem geistigen Vorbild „Little Miss Sunshine“ haften, das die Anarchie im Finale erst richtig aufleben ließ. Auch hier gewinnt wieder das Chaos; wir bewegen uns schließlich in einer Welt, in der Noam Chomsky mühelos ein Popularitätsduell gegen den Weihnachtsmann gewinnt – eine wunderschöne Utopie im Grunde für jeden Intellektuellen. Und doch ist es am Ende der soziale Kontext, in den der Regisseur die wertgeschätzten Früchte der Familie Cash einbetten möchte. Dazu wiederum wäre jedoch mehr spürbare Menschlichkeit notwendig gewesen...

*weitere Informationen: siehe Profil

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