Zuweilen meint es der deutsche Verleih etwas zu gut mit richtungweisenden Titeln einiger Thriller. Lautet der Originaltitel des kanadischen Fernsehfilms halbwegs neutral „Stranger in the House“ liefert das eiskalte Biest, das für Geld (fast) alles tut bereits den halben Inhalt ab.
Überdies entwickeln sich die meisten Begebenheiten tatsächlich komplett überraschungsfrei.
Seit einem Autounfall vor einem Jahr ist der steinreiche Finanzmogul Wayne (John Novak) auf den Rollstuhl und Hilfe angewiesen. Damit seine Tochter Jade (Emmanuelle Vaugier) und ihr Mann Marco (Matthew MacCaull) endlich ihre Flitterwochen nachholen können, engagieren sie mit Samantha (Jordana Largy) eine Pflegekraft. Als sie nach vier Wochen zurückkehren, ist aus dem einst so griesgrämigen Stinkstiefel ein scheinbar lebensfroher Kerl geworden, denn inzwischen haben er und Samantha geheiratet. Ein Schock für Jade, die nun ihr Erbe in Gefahr sieht…
Es klingt wahrlich berechenbar, wenn sich eine junge attraktive Dame an einen reichen Knochen heranwanzt, was sich auch an der Entwicklung ihrer Erscheinung merklich widerspiegelt: Anfangs mit Nerdbrille und strenger Frisur, wenig später die Femme Fatale im luftigen Dress. Hier wird kein Klischee ausgelassen, zumal die Figurenkonstellation recht überschaubar bleibt und mit einem hinzugezogenen Detektive und einer besten Freundin am Rande lediglich Stichwortgeber unterwegs sind.
Die Villa in der Nähe eines Sees ist immerhin recht einladend und nicht zu versnobt eingerichtet und dennoch fühlt man sich unweigerlich an eine austauschbare Ausgabe einer Soap erinnert, weil alles und jeder arg glatt gebügelt erscheint. Das manifestiert sich gleichermaßen am Style der Figuren, der in nahezu jeder Szene mit ausgewechselter Kleidung einhergeht. Auch die Dialoge bleiben oberflächlicher Natur und sprechen zu keiner Zeit emotionale Spitzen an, wodurch ein Mitfiebern allenfalls auf Sparflamme stattfindet.
Trotz vorhersehbarer Belange flacht das Interesse nicht gänzlich ab, denn zumindest stimmt das Timing und auch das Schauspiel fällt zweckdienlich aus. Explizite Gewalteinlagen sollte man hingegen nicht erwarten, - da bleibt die Inszenierung so mutlos wie das Drehbuch.
Dieses wartet hier und da mit minimalen Wendungen auf und liefert im letzten Drittel sogar nachvollziehbare Motivationen, aber es überrascht halt nichts davon, weil Dinge zu offensichtlich in die Runde geworfen werden.
Somit kristallisiert sich rasch Dutzendware heraus, die man so nebenher mitnimmt, weil vielleicht eine anspruchslose Berieselung mal eben zur Stimmungslage passt, nicht über Gebühr nachdenken zu wollen. Für eingefleischte Krimifans dürfte der Stoff weniger als eine Fingerübung bieten.
5 von 10