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Als Interpretation der bekannten Geschichte von Hans Christian Andersen ist die polnische Produktion „The Lure“ ein interessantes Gemisch. So nimmt sich der von Agnieszka Smoczyńska inszenierte Film das Märchen zum Vorbild, behält auch diverse Elemente bei, reichert diese aber mit einer eigenwilligen Mischung aus Musical, Horrorelementen, Nacktheit und Blut an. Verpackt ist dies in eine nicht immer offensichtlich präsentierte Erzählung, was allerdings nicht uaf der Negativseite verbucht werden muss.

Die beiden Meerjungfrauen Gold und Silber landen in einem Nachtclub in Warschau, wo sie als neue singende Attraktion auftreten. Während Gold allerdings ihren mörderischen Gelüsten nachgeht, verliebt sich Silber in einen der dort aufspielenden Musiker. Und so wie es auch im Märchen ist, beginnt hier eine Tragödie, eingebettet in eine fremd wirkende Umwelt, was letztlich aber ein ansprechendes Ergebnis liefert. Die Mischung macht es hier, zwischen dem Osteuropa der 1980er Jahre, poppigen Musicaleinlagen und der märchenhaften Grundidee gibt sich der Streifen auch nicht wirklich zimperlich. So gibt es neben diverser Freizügigkeit auch hier und da manch blutige Einlage, die allerdings nicht selbstzweckhaft ist, sondern sich aus dem Fortgang der Geschichte entwickelt.

Darstellerisch fallen die beiden Wasserkreaturen auf, Marta Mazurek und Michalina Olszańska spielen das Paar mit der unterschiedlichen Orientierung charismatisch und mit einer passenden Mischung aus Neugier, Naivität und Berechnung. Die Figuren sind nicht leicht zu fassen und dennoch auf einem sichtbaren Kurs.
Regisseurin Smoczyńska verarbeitet auch eigene Erlebnisse, "The Lure" ist letztlich ein spannendes Konglomerat, wenn auch nicht ohne Makel. So bleibt die Charakterisierung, gerade was die verschiedenen Seiten der Meerjungfrauen angeht, wenig ausgefeilt und der zeitliche Rahmen der entsprechenden Dekade wirkt nicht immer präsent. Auch die Erzählung der Liebesgeschichte, welche das letztendliche Drama antreibt, hätte gerne intensiver betrachtet werden dürfen.

Dennoch ist "The Lure" als eine Art Nummernrevue in Musikvideo-Optik eine interessante Interpretation der bekannten Geschichte. Erzählt nicht immer klassisch, aber immer von Emotionen.

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