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Die beiden Schwestern (Marta Mazurek & Michalina Olszanska) sind Meerjungfrauen. Neugierig auf das Leben an Land entsteigen sie den Fluten & landen in einem Nachtclub, wo sie mit ihren Acts bald zur Hauptattraktion werden. Allerdings gibt es auch Probleme. In der Ersatzfamilie, die sie aufgenommen hat, brodelt es, die Gier nach Menschenfleisch lässt sich nur schwer bändigen & eine der Schwestern verliebt sich in einen Menschenjungen. Abgesehen davon, dass die Sirenen zwischen den Beinen "smooth as Barbie dolls" sind & dort keine Vagina haben (sie haben eine Öffnung am langen Schwanz), könnte eine Zurückweisung den Tod nach sich ziehen.

Ein bizarres Coming-of-Age-Märchen aus Polen, inszeniert von Agnieszka Smoczynska, die die Geschichte in einem populären Nachtclub in den 1980er-Jahren angesiedelt hat. Parallelen zu Hans Christian Andersens "Die kleine Meerjungfrau" sind beabsichtigt. Auf mich wirkt dieses (Kunst-)Werk streckenweise, als hätten sich Jean Rollin, David Cronenberg & Nicolas Winding Refn zusammengetan, um in Polen ein Märchen-Musical zu drehen, wobei am Ende etwas ganz Eigenes rausgekommen ist. Neben den paar gut integrierten Musical-Einlagen gibt es im Nachtclub auch Gesangs-Acts, die von Balladen über Pop & Disco bis hin zu Punk-Rock reichen.

The Lure ist stylisch & kraftvoll inszeniert, mit viel Energie, aber auch mit einem Gespür für das Gefühlsleben der Meerjungfrauen. Der Plot ist mit originellen Einfällen gespickt, die jedoch nie aufgesetzt wirken. Der Ton variiert stark, ist manchmal sexy & cool, unbeschwert & aufgekratzt, dann mal hypnotisch & poetisch, schließlich auch brutal, wütend, traurig & wehmütig. Mit anderen Worten: Eine kleine Wundertüte, die begeistert, berührt, verwundert, fasziniert & überrascht. Ich gebe jetzt mal vorsichtige 8,5/10, empfinde den Film aber als kleines Pflänzchen. Der wächst noch.

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