Inzwischen ist ja bekannt, dass "007 - Stirb an einem anderen Tag" der letzte Brosnan-Bond war. Demnächst machts ja Daniel Craig (Tomb Raider). Ob er mit seinem Vorgänger Pierce Brosnan (Death Train) allerdings mithalten kann, wird sich noch herausstellen müssen. Zwar war Brosnan nicht unbedingt der beste Bond-Darsteller, doch verbannt er gekonnt das Charisma eines Sean Connerys mit dem Humor von Roger Moore. So konnte er in seinen insgesamt vier Einsätzen im Geheimdienst ihrer Majestät immerhin sowohl als harter Killer als auch als Charmeur überzeugen. Sein Einstieg "Goldeneye" war in Ordnung und auch "Der Morgen stirbt nie" war aus meiner Sicht ein passabler Bond, während ich mich mit "Die Welt ist nicht genug" nicht so recht anfreunden konnte. Ein Aufstieg war da schon der Jubiläums-Bond, in dem es auch allerlei Anspielungen auf die Vorgänger gab.
Bei einem Einsatz in der entmilitaristischen Zone Koreas kommt James Bond (Pierce Brosnan) dem eiskalten Colonel Moon (Will Yun Lee) auf die Schliche. Nach einer geplatzten Aktion stirbt Moon während der Auseinandersetzung und Bond gerät in koreanische Gefangenschaft. Nach einer langen Zeit voller Folter und Schmerzen kommt es zum Gefangenenaustausch zwischen Bond und dem Koreaner Zao (Rick Yune). Der MI6 glaubt, Bond hätte geredet, weswegen man ihn rausholen musste und ihn nun unter Überwachung stellt, wobei Bond jedoch die Flucht gelingt. Der 007-Agent kann nach Hong Kong gelangen, da er mit Zao noch eine Rechnung offen hat. Durch einen Tipp des chinesischen Geheimdienstes findet er heraus, dass Zao sich auf Kuba befindet. Dort angekommen trifft er auf die schöne CIA-Agentin Jinx (Halle Berry), die ihre eigenen Pläne verfolgt. In London wird James Bond schließlich wieder als Agent eingesetzt und beauftragt, den neureichen Gustav Graves (Toby Stephens) unter die Lupe zu nehmen. Denn zufälligerweise sind die von ihm angeblich in Grönland entdeckten Diamanten genauso beschaffen wie die Diamanten aus Südafrika. Doch hinter Graves und seiner Doppelagentin MIranda Frost (Rosamund Pike) verbirgt sich mehr, als Bond anfänglich ahnt...
Hier darf Pierce Brosnan eine seiner besten Bond-Darstellungen abliefern, wobei er in seinen besten Momenten an Timothy Dalton in "Lizenz zum Töten" erinnert, wenngleich Brosnan mehr Charisma versprüht. Auch hier ist Bond teilweise auf sich allein gestellt und ermittelt auf eigene Faust. Mit Halle Berry (X-Men) hat man zwar erstmalig eine Oscar-Gewinnerin als Bond-Girl besetzt, doch wirkt sie ein wenig blass, und darf so im Endeffekt nur Bonds schlagkräftige und einem ausländischen Geheimdienst unterstellten Partnerin abgeben. Im Prinzip der gleiche Part, den Michelle Yeoh in "Der Morgen stirbt nie" inne hatte. Überzeugender als eine Denise Richards ist Berry dann aber immer noch. Wesentlich besser gefallen hat mir Rosamund Pike (Doom) als zweites Bond-Girl und unterkühlte Furie. Den Oberschurken hat man mit Toby Stephens (Besessen) bzw. Will Yun Lee (Elektra) gut gewählt, auch wenn Letzterer lediglich in der Eröffnungsszene vorkommt. Stephens nimmt man das überhebliche Arschloch vom Dienst locker ab. Selbstverständlich hat der Oberschurke auch hier einen gewalttätigen Bimbo in seinen Diensten, der von Rick Yune (The Fast and the Furious) zwar ordentlich verkörpert wird, aber mit Kollegen wie Richard Kiel oder Götz Otto nicht mithalten kann. Neu hinzugekommen ist Michael Madsen (Bloodrayne) als CIA-Agent. Ansonsten laufen einem die üblichen Verdächtigen wie Judi Dench (Riddick), John Cleese (Man About Town) und Colin Salmon (Resident Evil) über den Weg. Achso... Madonna (Evita) hat auch noch einen Cameo-Auftritt, auch wenn dieser nicht unbedingt erwähnenswert ist.
Wie schon "Moonraker", "Man lebt nur zweimal" oder "Der Spion, der mich liebte" besitzt auch "Stirb an einem anderen Tag einen futuristischen Touch, was das Szenario ein wenig mehr unrealistischer daher kommen lässt wie die übrigen 007-Streifen. So lassen sich auch die einen oder anderen schlechter animierten CGI-Sequenzen nicht vermeiden. Bonds Ritt auf der Welle oder der schmelzende Eispalast sind daher zwar schon anzusehen, doch man merkt allzu deutlich, dass hier der Programmierknecht am Werk war. Doch dass er es mit den ganzen CGI-Spielereien vor allem im Showdown übertreiben kann, bewieß uns Regisseur Lee Tamahori (Im Netz der Spinne) auch zuletzt in "xXx²: The Next Level", wo auch der restliche Film bis auf das Finale mehr oder weniger in Ordnung war. Was die Action betrifft klotzt Tamahori aber lieber statt kleckern. Von normalen Stichwaffenduellen zwischen Bond und Graves bzw. Jinx und Miranda bishin zu explosiven Verfolgungen per Spezial-Auto oder Luftkissenfahrzeug hat der Mann hier einiges auf die Beine gestellt. So können sich beide Stichwaffenauseinandersetzungen inszinatorisch sehen lassen und bei den Szenen mit den Spezial-Autos, wird einem mal wieder verdeutlicht, dass so eine 007-Karre einiges mehr drauf hat als jedes x-beliebige 08/15-Automobil. Da fliegen mal Granaten durch die Luft und eine Schleudersitz wird zweckentfremdet, wenn das Fortbewegungsmittel mal auf dem Dach liegt. So zündet Tamahori in "Stirb an einem anderen Tag" ein astreines Action-Feuerwerk ab, auch wenn dabei der Flair der früheren Bond-Filme verloren geht. Dafür kommt aber allerlei Nostalgie auf, wenn z.B. Bond wie in "Dr. No"-Zeiten auf Kuba agiert oder wenn Q der Majestäts Lieblingsagent durch ein Versteck führt, wo unzählige Gimmicks aus alten Tagen vor sich hinverstauben. Auch optisch kann der Film in vielen Bereichen punkten, und der Score ist ebenfalls zufriedenstellend.
Unterm Strich ist "007 - Stirb an einem anderen Tag" ein fast gelungener Jubiläums-Film, wo Brosnan (auch wenn er es damals noch nicht wusste) seinen Abschied aus der legendären 007-Reihe feiert. Bin schon gespannt wie sich Herr Craig in Zukunft bewähren wird. Wenns nicht klappt, werden wir wehmütig an die schöne Brosnan-Ära, dem 007-Agenten meiner Generation, zurückdenken...