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Zum 40jährigen Bond-Jubiläum und zum Abschied von Pierce Brosnan sparten die Produzenten und Regisseur Lee Tamahori weder an reißerischen Actioneinlagen noch an Reminiszenzen an frühere Episoden der Reihe, aber zu einem wirklich großen Abenteuer reichte es am Ende dann doch nicht. Dies ist vor allem die Schuld des Drehbuchs, das mit der Nordkorea-Problematik zwar erneut ein aktuelles Thema aufgreift, dasselbe jedoch durch die Kombination mit einer hanebüchenen Genaustausch-Maschine und einem nicht besonders originellen Killersatelliten gleich wieder verhunzt. Außerdem fällt negativ auf, dass die Actionszenen zu oft zu computeranimierten Materialschlachten im (angeblichen) Stil des neuen Kiddie-Jahrtausends ausarten. Doch immer der Reihe nach: bei einem Einsatz in Nordkorea gerät Bond trotz einer verwegenen Hovercraftjagd in feindliche Gefangenschaft und wird während der Eingangssequenz gefoltert. Hierbei gefällt immerhin der Einfall, Bond erstmals nicht aus einer auswegslosen Situation entkommen zu lassen. Stattdessen wird er vom MI6 ausgetauscht, allerdings nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern weil vermutet wird, dass er gegenüber den Koreanern ausgepackt hat und somit für den Tod einiger Agenten verantwortlich ist. Auf eigene Faust entkommt Bond der Überwachung und setzt sich auf die Spur des Schurken Zao, der ihn zu dem dubiosen Multimillionär Gustav Gans ... Verzeihung, Graves ... führt. Unterwegs lernt er die CIA-Agentin Jinx kennen, mit deren Hilfe er nicht nur Graves' monströsen Eispalast zerlegt, sondern auch am Ende dessen Plan sabotiert, Südkorea zu erobern. Die Riege der alten und neuen Darsteller spielt größtenteils wacker gegen die Schwäche des Drehbuchs an - dies gilt nicht nur für Pierce Brosnan, der mit seiner Bond-Interpretation einmal mehr überzeugt, sondern auch für Halle Berry, Judi Dench, John Cleese (mit einer einzigartigen Werkschau der Q-Abteilung) und selbst Madonna in ihrer Cameo-Rolle. Einzig Toby Stephens als Graves fällt hier ab und wirkt nicht halb so bedrohlich wie seine Handlanger und vor allem die eiskalte Verräterin Miranda Frost (Rosamund Pike). Die technischen Gimmicks und die teilweise computergenerierte Action, wie das unsichtbare Auto, der Endkampf in der zerbröselnden Antonov oder der Dragster, der zum Surfbrett mutiert, wirken dagegen eher nervig. Hier wäre weniger mehr gewesen. Alles in allem kein schlechter Film, aber doch ein Rückschritt zu "The World is not enough". Ein Leckerbissen für Bond-Fans, der alleine schon das Anschauen lohnt, sind allerdings der virtuelle Schießsimulator und die Zweckentfremdung, díe er erfährt.

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