„Stirb an einem anderen Tag“, Bond Nr. 20, kommt sehr neumodisch daher, aber kann trotzdem das gehabte Niveau halten.
Zu Anfang steht das Infiltrieren eines koreanischen Stützpunkts an, an dem illegale Massen an Waffen gelagert werden. James Bond (Pierce Brosnan) kann sich als Waffenhändler ausgeben und sich einschleichen, aber seine Tarnung fliegt auf. Nach einer Jagd via Luftkissenboot über ein Minenfeld kann er gefangen werden. Tja, irgendwie schon der erste Bruch mit Traditionen: Bond kommt nicht davon – mal ganz abgesehen davon, dass er sich ganz unfein surfend an den koreanischen Strand begibt.
Im Tausch gegen den koeanischen Gefangenen Zao (Rick Yune) kommt Bond nach 14 Monaten frei, wird aber auf Befehl von M (Judi Dench) unter Verschluss gehalten. Doch Bond bückst aus und macht sich auf Kuba auf die Suche nach demjenigen, der ihn in Korea verriet. Auf einer Insel mit dem klingenden Namen Los Organos inklusive entsprechender Genklinik trifft er auf Jinx (Halle Berry), die allerdings auch eine Agentin ist und formschön den Klinikchef umnietet. Wer hier nur Bahnhof versteht, der kann beruhig sein: Die Story und die Motive der Figuren entwirren sich im weiteren Verlauf des Films, wobei „Stirb an einem anderen Tag“ zu den weniger storylastigen und mehr actionorientierten Bondfilmen wie „Der Morgen stirbt nie“ gehört.
Doch in der Klinik befindet sich auch Zao, der nach dem Mord an dem Chef fliehen kann und für Bond nur einen weiteren Hinweis hinterlässt. Dieser führt ihn zu Gustav Graves (Toby Stephens), einem Diamantenmillionär, der im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, da er immer wieder sportliche Bestleistungen erbringt und sogar an der Olympiade teilnehmen will. Bond heftet sich an dessen Spur, um mehr zu erfahren und nebenbei dessen etwas eisige PR-Chefin Miranda Frost (Rosamund Pike) aufzutauen...
„Stirb an einem anderen Tag“ ist ein guter Bondfilm, aber kein herausragender. Vor allem das Flair der alten Filme fehlt hier und einige Sachen sind einfach zu unrealistisch (z.B. das unsichtbare Auto war für meinen Geschmack übertrieben). Dennoch haben die Neurungen etwas Gutes, denn visuell werden einige tolle Spielereien geboten z.B. Jinx` Sprung ins Wasser oder Bonds Schießtraining (man muss beides gesehen haben, um zu verstehen was ich meine). Allerdings wirkt der Film etwas steril, vor allem für Fans der ganz alten Bondschinken.
Mehr im Geiste der alten Filme stehen die sehr abrupten Schauplatzwechsel (im Gegensatz zu den letzten Bonds reist 007 dieses Mal wieder um die halbe Welt) und die Bondgirls. Denn schon wie einst Sean Connery darf Brosnan dieses Mal Bondgirl Jinx nach einer einzigen Unterredung flachlegen und selbst Eisprinzessin Frost kann ihm nicht so lange widerstehen wie die letzten Hauptdarstellerinnen.
Die Story erscheint zwar anfangs etwas verworren, aber an sich ist „Stirb an einem anderen Tag“ wieder einer der simpleren Bonds (siehe oben). Für Fans etwas ausgeklügelter Storys vielleicht etwas enttäuschend, aber dafür hat der Plot mehr Tempo und weniger Längen als der storylastige „Die Welt ist nicht genug“. Insofern ist die Handlung alles andere als eine Schwäche des Films, der auch über seine große Länge immer kurzweilig bleibt.
An Action wird wieder einiges geboten, auch wenn die meiner Ansicht nach beste Szene sehr früh kommt, nämlich die Luftkissenbootjagd. Aber auch die Fechtszenen passen zum einen sehr gut zu Bond, zum anderen bieten sie mal was anderes und sind sehr gut choreographiert. Ansonsten gibt es die übliche Bondaction mit etwas Geballer, Faustkämpfen und ordentlich Plattmachaction, wobei die aufwendigste Szene hier wohl ein Zweikampf zweier schwer bewaffneter Autos inklusive der Zerstörung eines Eispalastes ist.
Die Stammcrew (Brosnan, Judi Dench, John Cleese usw.) ist gewohnt gut und kann wie immer überzeugen. Halle Berry und Rosamund Pike als Bondgirls machen ebenfalls eine ziemlich gute Figur, nur Fiesling Toby Stephens bleibt ziemlich blass. Dafür darf Bad Guy Nr. 2 Rick Yune in bester Tradition von Beißer und co. herrlich böse sein und seinen „Chef“ an die Wand spielen. Cameos haben Madonna als Fechtlehrerin und Michael Madsen als Chef des amerikanischen Geheimdienstes.
Alles in allem ist „Stirb an einem anderen Tag“ ein kurzweiliger Bond mit sowohl guten als auch schlechten Neuerungen, der aus der Masse an guten Bondfilmen nicht wirklich heraussticht.