Vorsicht, die Review enthält Spoiler!
James Bond ist wieder da! Lauter, bunter und mit mehr Sex als zuvor, wie mir scheint.
Nach einem verpatzten Auftrag in Korea wird Bond festgenommen und gefoltert, da er den Sohn des regierenden Generals getötet hat. Bonds Rettung ist ein Gefangenenaustausch, bei dem er gegen seinen Widersacher Zao getauscht wird. Zurück in England wird er auf Halde gelegt, doch Bond will Zao und seinen Hintermann zur Strecke bringen. Er kreuzt den Weg des Selfmade-Industriellen Gustav Graves, der scheinbar mit Zao Kontakt hat....
Nun ist es geschehen: Der 20. Bond-Film rechtzeitig zum 40. Jubiläum der James-Bond-Reihe. Dieser sollte natürlich etwas ganz besonderes werden. Was macht man also? Man nimmt den bekannten Bond-Cast, einen leidlich bekannten Regisseur und spickt das Ganze mit Bergen von Anspielungen auf die vergangenen Bond-Abenteuer.
Die Story ist nicht mehr ganz neu, aber was kann man schon erwarten... alle Plots der Welt wurden schon mal verfilmt. "Die Another Day" ist der dritte Bond-Film mit einem Satelliten, der die Welt bedroht - aber ich will mich nicht beschweren. Die Eröffnungssequenz hat gute und schlechte Aspekte. Gut gefallen hat mir die Surf-Sequenz, in der erst einer, dann zwei und dann drei maskierte Surfer auf einer gewaltigen Welle reiten, um nach dieser Einlage an einem James-Ryan-Strand zu landen. Die Action-Szene während der Flucht von Bond war meines Erachtens in Ordnung, wobei ich irgendwie an eine Jackie-Chan-Einlage erinnert wurde. Die Folterung von Bond ist durch harte Bilder und die üblichen verfremdeten Frauen eine Symbiose aus Sex und Gewalt geworden, gekrönt vom absolut miesesten Bond-Song, den ich je gehört habe. Vielleicht hätten sie den Job nochmal Tina Turner geben sollen oder vielleicht Robbie Williams...?!
Mit Fortschreiten des Films werden die Action-Szenen zunehmend lächerlicher und gipfeln in einer weiteren Surf-Szene, die von einem CGI-Bond auf einer gewaltigen Tsunami-Welle reitend abgeschlossen wird - xXx lässt grüßen. Wobei noch zu erwähnen ist, daß die Fecht-Szene wirklich schön war.
Was mich vor allem gestört hat, war der Einsatz von Zeitlupe und Zeitraffer. Während des VR-Trainings ist es ja einzusehen, doch die übrigen Einlagen wären nicht nötig gewesen - Tamahori wollte vielleicht etwas neue Technik einbringen...naja.
Was Tamahori auf jeden Fall geschafft hat, ist, daß er Bond wie einen Supermann hat dastehen lassen. Er kann wirklich alles und alles besser als jeder andere. Aber gut, das kam ja schon in den vergangenen Bond-Filmen zur Geltung, wobei ich den alten Streifen das zu Gute halte, da James Bond ja DER Geheimagent schlechthin sein sollte, doch Tamahori, bzw. die Screenwriter haben es hier ein wenig übertrieben. Wenn man es nur auf die Anspielungen auf die vergangenen Bond-Filme abgesehen hat, dann hat man während des ganzen Films Zeit, die Parallelen zu suchen, dies hat mich über die gut zwei Stunden gerettet. Allein während der Q-Szene stehen in Vorder- und Hintergrund die (Original-)Gadgets aus den alten Filmen herum, während des übrigen Filmes gibt es weitere versteckte Hinweise zu finden - wirklich eine schöne Hommage an frühere Zeiten.
Die schauspielerische Leistung der Akteure reicht von übertrieben (Bond) über (im positiven Sinne) hassenswert (Zao, Graves) bis hin zu makellos (Q). Eine Sonderrolle haben die Bond-Girls Jinx und Miranda Frost. Jinx ist ebenso ein Killer wie Bond, trotzdem mit einem weichen Herz gesegnet - irgendwie, Frost ist als rechte Hand von Graves für einige Lacher gut, ansonsten kommt ihr nur die Rolle der toten Verräterin zu. Warum gerade eine Oscar-Preisträgerin als tumbes Bond-Girl mit ein bisschen Eigenleben benutzt wurde, bleibt mir schleierhaft, aber was solls, das Budget musste ja ausgeschöpft werden. Ich wünschte mir, die Schreiberlinge hätten mal wieder eine Nervensäge á la Goodnight aus dem Hut gezaubert, aber das war wohl nichts.
Alles in allem ein exzellenter Popcorn-Film, der irgendwie völlig aus der Reihe der Bond-Filme herausfällt. Laut, bunt, poppig und mit genügend Szenen gespickt, dass auffällt, daß dieser Film sich selbst nicht unbedingt ernst nimmt.
6 von 10 Punkten für den hoffentlich letzten Bond. Es wäre ein Abschluß - kein besonders guter - aber es wäre einer!