Review

40 Jahre Bond, 20 offizielle Filme und der letzte ist jetzt ein sogenanntes Best-of-Projekt, in dem die feinsten Zutaten aus allen Bondfilmen ein Echo finden sollen.
Wie, muß ich mal fragen, soll das funktionieren, wenn es sich um einen Brosnan-Bond handelt, samt und sonders Beispiele für modernen, amerikanischen Actionbombast, anstatt für die Reize, die die Bond-Franchise auf seine weltweiten Fans ausgeübt hat.

Nach eingehender Ansicht das verblüffte Urteil: es hätte funktionieren können, offenbar wissen die Macher tatsächlich, was Bond ausmacht. Nur haben sie sich dann leider entschieden, den Film doch lieber vollzubomben, weil man ja als Zielgruppe 15jährige ausgesucht hat. Das Fazit: eine beeindruckend gute Hälfte und eine Hälfte Schwund.

Leider (oder zum Glück?) ist die bessere die erste Hälfte. Dazu braucht es nicht einmal die Andenkenparade mit den schönsten Waffen und Gadgets aus Q's Werkstatt ungefähr zur Filmmitte, die zwar schön anzusehen, aber kaum substanziell ist. Denn da enden die schönen Sachen auch schon.
Aber zunächst mal Pre-Title-Sequenz, seit "Goldeneye" (dem König der schlechten Startsequenzen) mit Vorsicht zu genießen. Thema: Bond mischt Nordkorea auf. Erst mal Surfeinlage auf Megawellen, halbwegs ordentlich mit dem Computer gemacht und anschließend reichlich Power gleich mit Bösewichtvorstellung. Anschließend wird 007 kassiert und für 14 Monate gefoltert. Dazu dann die Vortitel, höchstens noch inspiriert von Maurice Binder.

Ach ja, 14 Monate vergehen wie im Flug, wenn man so schonend gefoltert wird. Eiskaltes Wasser, verprügelt werden von Hunks, die in die Körpermitte schlagen, hier mal einen Skorpion mit anschließendem Gegengift, aber wo sind die fiesen Methoden, die die Asiaten so gern in ihren Cat3-Filmen abbilden. Da wird nicht mal ein Fingernagel ausgerissen. Dazu erklingt Madonnas "Die another Day", ein herzerfrischender Müll von einem Lied, das John Barry nicht mal den Allerwertesten ablecken dürfte.
Trotzdem macht es Freude zu sehen, wie Bond beinahe stirbt, ausgetauscht und abgesetzt wird, flieht und privat nach Antworten sucht, von Hongkong nach Kuba reist, Knusperhappen Halle Berry poppt, eine Schönheitsklinik platt macht und anschließend den bösen Gustav Graves zu einem Fechtduell fordert.

Man glaubt es kaum: Brosnan ist dabei charmant, nonchalant, augenzwinkernd, hat gute One-Liner und nur halb so stoisch wie sonst. Jupp, so muß das laufen. Da fällt gar nicht auf, das das ein Best-of vom Feinsten ist. Berry taucht auf a la Dr.No (obwohl die Schote, daß sie erst auftaucht und nach 10 Schritten im Lokal trocken ist, ein Knüller vor dem Herrn ist), die Kuba-Episode mit Helfer ist aus "From Russia with Love", die Fechtherausforderung aus "Goldfinger" (Übrigens eine herrliche Szene, in der Madonna ausnahmsweise mal nicht stört). Was, kein Tauchfight?

Kaum hat Bond seine Marke jedoch wieder und von Q neue Waffen, zerbröselt der Film ins Nichts. Dabei ist der vielgescholtene "unsichtbare" Aston Martin nicht mal der Schlimmste neue Einfall, noch viel hanebüchener ist die Idee mit dem Genaustausch, der hier...ach so, ich sollte ja nicht spoilern, auf jeden Fall hirnlos, bis zum Abwinken. Auf nach Island, wo man wieder eine bombige Location aus dem Boden gestampft hat, bei der man nie sicher sein kann, ob sie nun aus Eis oder aus anderem Material gemacht ist. Die Macher wußten es auch nicht so recht, weswegen die Festung am Ende auch schmilzt, obwohl sonst (Ultraschallring) auch Glas und anderes im Spiel ist. Dort gerät der Spaß dann wieder zum Bombast.

Eine Verfolgungsjagd mit raketenbestückten Autos ist da noch verzeihbare Materialschlacht, aber dann versaut es das Buch endgültig mit der wohl beknacktesten und am schlechtesten getricksten Actionsequenz aller Bondfilme, in der ein abbrechender Eisberg/Gletscher, eine Raketengleiter-Motorhaube und ein Bremsschirm eine total beknackte Symbiose eingehen und die dermaßen schlampig am PC runtergerotzt wurde, daß man vor Protest das Kino verlassen möchte.
Anschließend gibt's noch mehr Autogebrumme im Palast, die schöner wäre, wenn die emanzipatorisch wunderbar gestaltete Halle Berry nicht vollkommen einfallslos beinahe in ihrer Suite absaufen müßte, weil die Amis keine Geheimwaffen haben. Aber jedes Girl muß halt einmal von einem MANN gerettet werden, da machen Oscargewinnerinnen keine Ausnahme.

Der finale Showdown ist dann mit vielen überflüssigen Explosionen, wieder einem Satelliten (gähn...) und diverser Routineaction in einem fliegenden Flugzeug inszeniert, wobei sich die Anregungen mal wieder bei "Air Force One" und "Eraser" geholt wurden. Toppen kann diese Optikkeule die charmante erste Hälfte aber nicht.

Trotzdem ist dieser Bond anschaubar, gerade weil er so gut startet, nur leider weiß Lee Tamahori der Franchise auch nicht einen eigenen Stempel aufzudrücken. Der Einsatz von Zeitraffer-Techno-Reißschwenks will ich in einem Bond jedenfalls nicht sehen. Diverse Standards bleiben aber konstant: Q ist amüsant, M eine wunderbar unberechenbare Größe und ein Dummbrot wie Denise Nichols läuft auch nicht durch die Gänge. Nur das ausgerechnet Michael Madsen als Top-NSA-Agent so kurze und anti-amerikanisch blöde Szenen hat, ist pure Verschwendung. Brosnan, so stellt man fest, könnte so viel, wenn ihm mal ein anständiges Drehbuch geliefert würde.

Vielleicht kommt ja irgendwann jemand darauf, was die Stärken der Serie wirklich sind und inszeniert sie dann wieder, dieser Bond ist doch auf Dauer zu jugendpopulär. Das mag zwar jetzt dick Kasse machen, aber als ein Klassiker innerhalb der Serie werden sämtliche Brosnans nicht gelten. Dafür sind sie einfach nicht erinnerungswürdig genug. Mr.Connery, ihr Thron sitzt bombenfest. (6/10)

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