Der Technik hat die Menschheit wohl so Einiges zu verdanken. Das ist Fakt. Was der heutige Mensch ohne sie wäre, ist auch kaum auszudenken, auch wenn in früheren Zeiten ein Leben ohne sie auch möglich war. Die Technik hat es dem Filmfan natürlich auch erst ermöglicht, Filme zu sehen. In diesen geht es zum Teil auch um die Technik, wie z.B. in Kinoklassikern wie "Matrix". Dieser Kultfilm ohne Technik wäre undenkbar. Genauso ist es mit "Star Wars", "Herr der Ringe" oder auch "Harry Potter", die alle ohne die am Computer animierten Effekte nicht existieren würden. Und dann gibt es auch noch die berühmteste Filmreihe aller Zeiten, die "James Bond"-Filme. Auch in diesen spielt natürlich die Technik eine große Rolle, da dem Superagenten so einige Waffen nicht zur Verfügung stehen würden. Kurz gesagt, wirklich jeder ist froh, dass es die Technik gibt. Zum größten Teil auch über die Anwendung derer.
Ein Argument dafür, dass nicht alle darüber froh sind, ist der neueste Bond-Film, "Stirb an einem anderen Tag". Der Gesamteindruck ist meiner Meinung nach nicht minder schlecht als der von den Vorgängern, aber es muss nicht sein, James Bond in Techno-James umzuwandeln. Pierce Brosnan nämlich spielt schon fast nicht mehr die Hauptrolle, die übernimmt nämlich der Computer, besser gesagt die Special-Effects. Die sind zweifelsohne furios, atemberaubend und alles andere als schlecht. Nur völlig unpassend für einen Film, in der mal wieder der bekannteste Agent aller Zeiten über die Leinwand hüpft. Es mag ja alles gut und recht sein, die Effekte hätte man sich aber lieber für irgendeinen anderen, eigenständigen Film aufgespart, anstatt sie für "Stirb an einem anderen Tag" zu verwenden.
Es beginnt grandioser als jemals zuvor, das steht schon mal außer Frage. Eine Aufnahme von einem Meer erscheint auf dem Bildschirm, ehe eine Person auf einem Surfbrett zu sehen ist. Zu ihr gesellen sich zwei weitere schwarz gekleidete, nicht identifizierbare Personen, ebenfalls auf Surfbrettern. Anschließend wird eine Küste eingeblendet und anhand einer Schrift, die unten am Bild erscheint, erkennt der Zuschauer, dass es sich um einen Strand Nordkoreas handelt, an dem sich eine der Personen bald als Bond herauskristallisiert, der dann auch alsbald eine ganze Armee Nordkoreaner bei einem vermeintlichen Diamantendeal auseinandernimmt. Da wird schon mal mit Luftkissenboote eine explosive Verfolgungsjagd geliefert, andere Transportmittel einfach mal so in die Luft gejagt und nebenbei natürlich auch ein paar Menschen erschossen. Das ist dann selbstredend nett anzusehen, vor allem, wenn alles so perfekt inszeniert und choreographiert ist. Nach dem bombastischen Auftakt, bei dem auch gleich der spätere Bösewicht vorgestellt wird, gelingt es Bond trotz aller Anstrengungen nicht, den Feinden zu entkommen und er landet in Haft. Der berühmte Vorspann vor der berühmten Bond-Titelsequenz ist beendet und die größte Frechheit, die je in einem Film um den britischen Geheimdienstlers gezeigt worden ist, folgt die nächsten paar Minuten. Denn eben jene Titelsequenz ist wirklich zum Heulen. Sowohl die gezeigten Bilder als auch das hervorragend beschissene Titellied, gesungen von Madonna, quält den Filmfan fast schon übertrieben lange. Anschließend wird das Etwas-anders-sein des neuesten Bonds sofort unterstrichen, denn Brosnan erscheint mit hübscher Mähne und lustigem Vollbart. Beides Folgen der 14-monatigen Haft, während der er so einiges an Qualen über sich ergehen lassen musste. Dennoch hat James Riesenglück, dass er Bond ist und sich nicht in einem netten asiatischen Folterfilm befindet, da die Foltermethoden recht harmlos sind. Das wars aber dann auch schon mit Bonds Haft, er wird nämlich in einem Gefangenenaustausch wieder auf freien Fuß gelassen. Für Bond bekommen die Koreaner nämlich Zao zurück, der spätere Bösewicht, der sich im "Besitz" des britischen Geheimdienstes befand. "Stirb an einem anderen Tag" bleibt weiterhin untypisch, halten Bonds Vorgesetzte doch nicht mehr zu ihm und empfinden diese eine weitere Zusammenarbeit unnötig und falsch. Dem Agenten ist das jedoch überhaupt nicht Recht und heftet sich bald auf eigene Faust an den Multimillionär Gustav Graves, der auch mit Diamanten handelt. Zudem soll er engen Kontakt mit Zao haben, den Bond unbedingt erledigen möchte.
Wie gesagt, die Titelsequenz und die folgende Viertelstunde sind zunächst die einzigen beiden Argumente, die die These, der neueste Bond sei etwas anders, auch schlechter als der Rest, bestätigen können. Die Eingangsszene und die übrige Action ist zunächst bombastischer denn je und alles andere als fehl am Platz, ich denke da nur an die Action-Szene auf Los Organos.
Was früher noch ein nettes Vergnügen war, entpuppt sich jedoch in Bonds 20. Abenteuer als Wendepunkt. Nämlich die traditionelle Waffenausstattung Bonds durch Q, gespielt von Monty Python Mitglied John Cleese. Der macht seine Arbeit ja noch ganz gut, die Arbeit, die sein Filmcharakter, also Q, aber leistet, ist alles andere als akzeptabel. Da wird Bond doch tatsächlich ein Aston Martin zur Verfügung gestellt, der auf Kommando unsichtbar gemacht werden kann. Hier denkt sich der Zuschauer zum ersten Mal, ob er im richtigen Film ist. Daraufhin folgt wieder gewohnter Bond, nur dass sich alles ab jetzt auf Island abspielt. Und zwar in dem Riesengebäude aus Eis oder aus was auch immer eines Gustav Graves. Fortan wird es dann zunehmend lächerlicher, der Pfad zwischen James Bond, Supermann und Star Wars wird immer enger, man weiß schon fast nicht mehr zu unterschieden, so viel wird übertrieben geschossen, gekämpft und mit irgendwelchen Fahrzeugen Verfolgungsjagden geliefert. Die lächerlichste und schlechteste Szene aber überhaupt zeigt sich dann bei einer weiteren Hetzjagd, am Ende derer Bond dann mit einem Schnellgeschwindigkeits-Gleiter an eine Klippe schnellt. Wer da nicht sieht, dass der Computer im Spiel war, muss auch der Meinung sein, "Star Wars" könne sich in der nächsten Kleinstraße abspielen.
Natürlich weiß jeder, dass der Großteil des Bonds am Computer inszeniert wurde, aber das muss ja nicht gleich in Form von Bildern bewiesen werden. Die darauffolgende Szene, in der Bond dann auf den Wellen dahingleitet, ist auch nicht unbedingt besser. Wer da genau auf Bonds Kopf schaut, sieht, dass er nicht zum Rest passt und dass entweder Hintergrund oder Vordergrund im Nachhinein in die Szenerie geschnitten wurde. Danach wird es wieder besser, es bleibt aber Bond-untypisch, bis zum Showdown im Flieger, der irgendwie an "Air Force One" erinnern würde, würde nicht andauernd die nervende Technik in Erscheinung treten. Zum Schluss verlässt ein ziemlich zwiegespaltener Bond-Fan das Kino. Gesättigt von teils grandiosen, atemberaubenden Actionsequenzen, kurzweiliger Unterhaltung, aber auch Bond-untypischer Elemente samt Techno-James.
Ich bin wirklich ein sehr treuer Bond-Fan und mir gefällt auch wirklich jeder Film, da jedes Abenteuer so unnachahmlich kurzweilig und unterhaltsam ist. Mich stören auch die vielen Special-Effects nicht, da sie wirklich so gut wie alle perfekt gelungen sind. Nur in einen Bond gehört das nicht. Es müssen auch mal Grenzen gesetzt werden, was den Einsatz an Technik in einem Film über den Superagenten anbelangt. Ich bin nicht enttäuscht, ich finde den Film auch nicht schlecht. Aber ganz im Unterbewusstsein identifiziere ich Bonds 20. offizielles Abenteuer nicht als einen richtigen Bond-Film, da die typischen Elemente entweder oft zu kurz kommen oder von anderen Elementen, die auf das Konto der Technik gehen, übertroffen werden. Das Wort "übertreffen" ist aber nicht positiv zu sehen.
Dennoch perfekte Unterhaltung, Kurzweile und es gibt keinen Ärger um das Eintrittsgeld. Das war der Film auf jeden Fall Wert. Auch für Bond-Fans. So richtig in die Reihe integrieren kann man den Film aber fast nicht. Trotzdem 7,5/10 Punkte