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War das wirklich ein Bond-Film den ich da gerade gesehen hab? Würde es nicht definitiv Fakt sein, ich würde es nicht glauben. Für sämtliche Liebhaber der alten Connerys dürfte „Stirb an einem anderen Tag“ das endgültige Lebewohl zur Serie darstellen, denn vom traditionellen Charmeur des britischen Geheimdienstes ist kaum noch was übrig. Obwohl das hier der 20. Bond ist und in der ersten Hälfte viele Versatzstücke aus vierzig Jahren Platz finden, nachdem wir vorher etwas gewöhnungsbedürftiges, aber innovatives beobachten durften: 007 in Gefangenschaft, nach der er ausschaut wie ein Teilnehmer eines Kris-Kristofferson- Ähnlichkeitswettbewerbs. So bietet der Anfang sogar etwas komplett neues und ist höchst unterhaltsam, wenn man den grausigen Madonna-Titelsong überstanden hat, der gleich mal die eingeschlagene Richtung markiert: Modern soll’s sein!

Nach dem sehr unterhaltsamen Abstecher in Q’s Waffenarsenal geht’s dann endgültig bergab. Den Einfall mit dem unsichtbaren Auto küre ich zum schwachsinnigsten des Jahres, obwohl John Cleese immerhin einen Schuss Ironie in die Sache bringt. Schlimmer ist da schon das Geschehen auf Island, das alle Erwartungen untertrifft. Die Landschaft sieht absolut gekünstelt aus, die Bösewichter sind dermaßen aufgestylt, dass sie aus einer Comicverfilmung stammen könnten (hallo „Blade“!) Alles zwanghaft auf junges Publikum zugeschnitten, deshalb ist alles hip und trendy, im Hintergrund läuft einmal sogar Techno. Wo ist bitte der Stil der alten Tage plötzlich hingekommen?

Computereffekte haben in einem Bond Film eigentlich genauso wenig verloren wie Zeitraffer- bzw. Zeitlupeneinstellungen, aber wo man schon einmal mit allen Regeln bricht, wieso nicht gleich jede Actionsequenz am PC erschaffen? Also quälen wir uns durch ganz, ganz jämmerlich animierte Landschaftsbilder (mein Gott, sieht Bonds Flucht vor „Ikarus“ scheiße aus!) und wünschen uns sehnlichst die echten Stunts aus der Vergangenheit zurück. Im Hinterkopf hab ich übrigens noch ein Interview mit einem Produzenten von „Die Welt ist nicht genug“, der sagte: „Wenn man einen Bond sieht, weiß man: Alles ist echt, keine Effekte, sondern alles mit Stuntmen gedreht.“ So ändern sich anscheinend die Zeiten...

Selbst das Finale ist nicht recht besser, die alte Vater-Sohn-Beziehung wird rausgekramt, eine abgedroschene Actionsequenz nach der anderen durchgenudelt. Trotz Non-Stop-Action Langeweile pur! Am Ende ist man dann ein wenig schockiert, denn trotz eines guten, abwechslungsreichen Beginns baut dieser 20. Bond rabiat ab und bestätigt die Tatsache, dass sämtliche Bonds mit Brosnan auf ein ganz junges Publikum zugeschnitten sind, die von Fights und Computereffekten nicht genug bekommen können. Selbst Oscar-Preisträgerin Halle Berry und ihr Ursula-Endress-Memorial-Hüftschwung können da nichts mehr rausreißen.
Nicht wirklich schlecht, aber als Bond-Liebhaber sag ich: So kann’s nicht weitergehen!

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