Ein ganz Großer sollte er werden, der 20. Bond in 40 Jahren. Ein Jubiläum, das sich gewaschen hat. Welche Filmreihe kann sonst noch von sich behaupten, über so einen langen Zeitraum die Zuschauer begeistern zu können? Nach zwei Stunden muss man sich aber eingestehen, dass die großspurigen Ankündigungen vom besten Bond aller Zeiten nur heiße Luft waren, denn mit „Die another day“ (Die deutsche Übersetzung ist mal wieder eine Titelvergewaltigung) macht genau da weiter wo „Tomorrow never dies“ (auch so ein Übersetzungsbrüller…) aufgehört hat. Ganz als ob es das Hoch „Die Welt ist nicht genug“ nie gegeben hätte. Dabei ist Potential für einen hochwertigen Bond ansatzweise vorhanden, denn neue Ideen sind in Lee Tamahoris Werk durchaus existent.
Der Anfang lässt aber schon Böses erahnen, denn Bond kann sich in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea recht einfach, trotzt Verrat, aus den Händen der Bösewichter flüchten, avanciert dabei aber nicht zu einem smarten Superagenten, wie man es gern hätte, sondern zu einem Superman, der mit einer Hand ein Luftkissenboot steuert, mit der anderen Minen in die Luft jagt, Flammenwerfern ausweicht etc.
Da ist es doch überraschend, dass man ihn doch fasst und im Intro ordentlich durchfoltert. Von Skorpiongift über Schläge bis zu Eiswasser wird, dem, sich in Robinson Crusoe wandelnden, Doppelnullagenten so ziemlich alles geboten, was die Koreaner auf der Folterpalette haben.Und ein Bond, der mal keinen Ausweg kennt und als Verlierer dasteht ist wirklich was neues, das man in der Ära des britischen MI-6 Agenten noch nie zu sehen bekam.
Der spätere Austausch gegen seinen neuen Lieblingsfeind, bevor ihm „M“ (Judi Dench) offeriert, dass er in Rente gehen kann sind ebenfalls willkommene Neuerungen. Und spätestens nachdem Bond aus seiner Sicherheitsverwahrung geflohen ist und in Hongkong einen Zwischenstopp macht, wird wieder deutlich dass der britische Gentleman zurück ist und seine liebenswerte Arroganz inklusive trockenem Humor versprüht.
Vom MI-6 abgesägt macht er sich selbst auf die Jagd nach den Bösewichten, die ihm den Folterurlaub einst eingebracht haben, was ihn nach Kuba führt, wo man allerfeinste Connery-Nostalgie schnuppern darf. In Castros Staat hat sich in den ganzen Jahren nichts verändert, was wie Balsam auf die Seelen geschundenen Bondfans wirkt. Ob nun Jinx (Halle Berry), als amerikanisches Pendant unbedingt nötig war, bleibt fraglich, denn für ein Bondgirl ist sie viel zu dominant und eigenständig, hat aber gewiss optische Reize. Ihr erster Dialog mit Bond ist aber trotz der Doppeldeutigkeit pointenlos. Überhaupt wird man das Gefühl nie los, dass Bond die trockenen Sprüche ausgegangen sind. Aber wer weiß, was die Synchronisation da alles verbrochen hat. Den Höhepunkt stellt dabei der Dialog zwischen Mr.Kil und Bond bei dessen Ankunft auf Island: „Ich bin Mr.Kil“ „Beeindruckender Name“ Ja, und das war es dann auch…
In Kuba selbst beginnt der Film dann seine bombastische Actionschlacht, die er auch fast bis zum Ende durchhält. Explosionen, Schießereien, Bond als McGyver… Kuba hat viel zu bieten, verliert aber den anfänglichen Charme. Mit dem Auftritt Qs erlebt der Film seinen letzten Höhepunkt und lässt Fans in Requisiten vergangener Bonds schwärmen, doch was danach kommt, bleibt trotz weniger Bondwitze eine optisch, beeindruckende aber kalte Effektorgie, die zu dem unter einem ausstrahlungsarmen Oberbösewichten mit Namen Gustav Graves leidet, der sein Geld mit Diamanten macht, nicht schlafen braucht und auch sonst ein paar Geheimnisse zu bieten hat.
Die Requisiteure haben im Finale einen optisch sehr ansprechenden Eispalast aus dem Boden gestampft, bei dem aber die Frage erlaubt sein sollte, wie man in so was nackt, nur mit einer Decke umhüllt schlafen kann. Zu sehen gibt es rundherum viel. Bond liefert sich mit einem weiteren sehr interessant ausgestatteten Wagen eine Verfolgungsjagd, die aber unter dem nervenden nicht zu Bond passendem, Einsatz von Fastmotion leidet. Des weiteren wird einem eine sehr schlecht getrickste Szenerie geboten, in der James mit einem Hochgeschwindigkeitsgleiter an einer Klippe hängen bleibt und später munter auf den Wellen dahinsurft. Diesen Totalausfall der Tricktechnik muss man wirklich mal gesehen haben. Über den finalen Kampf gegen Gustav schweige ich mich aus. Nur so viel: Es kommt noch schlimmer….
Fazit:
Der 20. Bond hat einige ordentliche Ansätze zu bieten, scheitert aber letztendlich an seinem Anspruch für das modernde Effektkino inszeniert worden zu sein. Zugegeben, Bond wird in keiner Minute langweilig und die Action ist größtenteils Eyecandy pur. Aber den Charme eines „James Bond“- Films strahlt Tamahoris Film nur selten aus, was nicht an der guten Performance von Pierce Brosnan liegt, der einmal mehr überzeugen kann.