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"Während sie weg waren, hat sich die Welt verändert." - "Nicht für mich."

Vierter und letzter Bond-Film mit Pierce Brosnan in der Hauptrolle des legendären Agenten, insgesamt die 20. Verfilmung der Reihe, mit einem durchaus guten Einspielergebnis trotz angezogenen Budgets, etwa (wie auch Der Morgen stirbt nie) das Dreifache der veranschlagten 140 Mio. USD gesegnet, aber beim Publikum und den Kritikern vor allem einen schweren Stand fahrend und zuweilen mit Häme begegnet. Eine Rückkehr theoretisch zu den Effektspektakeln der mittleren Connery-Ära, die teilweise tricktechnisch zur damaligen Zeit schon eine missgünstige Visualität auffahren, und dies fortgesetzt bei den Späteren Moore, an dessen literarischen, nicht narrativ umgesetzten Vorlagen man sich hier in der Materie orientiert. Ein trotz Jubiläumsanspielungen und entsprechend Verweisen auf Früheres die eigene innere Ausstrahlung vermissen lassendes, zuletzt eher abschreckendes und schmerzhaftes Zeitzeugnis auch, welches mit kurz nach dem Millennium produziert an diversen Kontraktionen und Kinoattraktionen gerade in Sachen Spektakel orientieren möchte und muss, ein filmisches Kind seiner Herkunft und ein Opfer der Blockbusterstrategie und Abwehrmechanismus um "Größer, schneller, weiter" sowie ein Paradebeispiel dessen, der Grenzen und des Rahmens; nicht umsonst mit ein Abschied davon auch und eine folgende Rückkehr zu dem vergleichsweise Bodenständigen und Realistischen mit der Wachablösung Casino Royale (2006), eine Neuerfindung der Geschichte, die erst folgend auch wieder ausschweifend und sich ausdehnend wird:

Während eines Einsatzes in Nordkorea wird der britische Agent James Bond [ Pierce Brosnan ] durch General Moon [ Kenneth Tsang Kong ] gefangengenommen und aufgrund des Verschuldens des Todes seines Sohnes Colonel Tan-Sun Moon [ Will Yun Lee ] gefoltert, und erst wieder im Austausch mit dem auf der Gegenseite inhaftierten Zao [ Rick Yune ] wieder freigelassen, wobei er zurückgekehrt in der Heimat weder bei seiner unmittelbaren Vorgesetzten M [ Judi Dench ] noch dem amerikanischen Gleichgewicht Falco [ Michael Madsen ] großartig Willkommensfreude auslöst. Bond, der sich auf die Suche nach dem Verräter seiner Mission begibt, trifft dabei auf die hilfreiche, ebenso noch im Alleingang tätige NSA-Agentin Jinx [ Halle Berry ], die ihn möglicherweise mit dem Großindustriellen Gustav Graves [ Toby Stephens ] und dessen Trainerin und Sekretärin Miranda Frost [ Rosamund Pike ] auf die richtige Spur bringt,

Eine zum Glück verlässliche Instanz der Reihe dabei der Hauptdarsteller selber, eine Eleganz, die dem zuweilen kalt bis eisig und rein technisch wirkenden Konstrukt dringend nötig wird und ihm folgerichtig zugute kommt, sowie eine durchaus stramme Regieführung, die bei Tamahori wie gewohnt, aber mit dessen Unschuld gerade in der Darreichung der Tricktechnik ihre Schwächen offenbart und ihre Federn lässt, ein später schwerer Koloss von DNA-Film zwischen Vernichtungskalkül, Fanatismus, Terrorismus und Naivität. An den Kinokassen durchaus aufgehend, "Sex zum Dinner und Tod zum Frühstück" als vorgeprägtes bombastisches Entertainment auf Autopilot, mit gekränkten Emotionen und negierenden Gefühlen; "die kälteste Waffe von allen", hier in der sich selber beschwindelnden Übertreibung, ein schickes Outfit ohne Herz, hochgezüchtete Mechanismen als Aneinanderreihung plus Waffenfetischimus im Zeitraffer, mit Flüchen wie "Flittchen" und "Luder" und "Miststück" angereichert, eine fortwährend üble Kombination, eine Freakshow, eine (wie die Eisbauten) im andauernden Eroberungsfeldzug zusammenfallende Konstruktion.

Angesichts der Pre-Title Sequenz, die bereits ihre nicht gerade kleinen Vorgänger zu übertrumpfen versucht und immer noch mehr und weiteres in die Waagschale wirft, sieht man die Schwierigkeiten des Filmes noch nicht, aber umso deutlicher im Nachhinein; die nordkoreanische Szenerie plus erste Weisheiten und erste Unwahrscheinlichkeiten, der Surfmodus im Schweben und im Gleiten, die technische Allmachtsfantasie im Extremen, die stete Steigerung, das Hinausposaunen der vermeintlichen Widrigkeiten. Aalglatt bis gleichzeitig da noch erdig, später abgehoben die Umgebung, dazu der High Tech Firlefanz, die vielen Gimmicks, das selige "Colonel Sun" a.k.a. "Liebesgrüße aus Athen" - Terrain und die ersten Ausschaltungen und großkalibrigen Verwaltungen. Aktion in der DMZ, zwischen Brutalität und familienfreundlicher Naivität, ein überwältigender Einstieg, abgerundet durch den Charme von Brosnan, "Zeigen Sie mir die Waffen" als Motto der folgenden Destruktion, ein Minenfeld und Arsenal ausreichend für einen Kleinkrieg in der Ausgestaltung. "Verpulvern Sie nicht alle auf einmal" als Leitspruch wird hier nicht beachtet, der "britische Mörder" durch Explosionen gejagt, einer nach der anderen und dies für mehr als zwei Stunden Weltpolizei mit militaristischen Allüren anhaltend. Eine Geschichte in der Geschichte, ein Akt, der sich folgend für die Prämisse bereitstellt und nach außen aufdreht, weiterführende Verletzungen und Schwierigkeiten, mehr im großen Ganzen eingefangen als im kleinen, aber ab und an mit gerechtfertigten Ausdrucksweisen. So kommen Zeitlupen zum Akzentuieren ebenso vor wie wiederholende Einstellungen aus anderer Perspektive, bewahrend die Übersicht und die Freude am Zerstören, am Explodieren lassen und die Munition verstreuend. Eine Hetzjagd voller Detonationen, trüb im Aussehen, dafür mit funkelnden Eruptionen, der Filter auf grün-grau und duster eingestellt, die Second Unit auf Zack in der Umsetzung all der Wagnisse und Ereignisse, die man gerne in anderer Umgebung mit einem anderen Darsteller gesehen hätte als Brosnan, eine Rückbebilderung mit Moore oder Connery mit dem gleichen Drehbuch, derselben anfänglichen Struktur und der Verhaftung in einem feindlichen Staat, die hier noch vorherrschende optische Tadellosigkeit wäre einen erweiterten Blick wert und famos.

Dem ist nicht so, wird mit Remington Steele im Zentrum weitergemacht und diesen auf seine prägnante Art und Weise genutzt, eine raffinierte Auswahl der Direktoren und Verantwortlichen hinter der Produktion, welche die frühen Achtziger abwarten und sich vertrösten lassen mussten. Technik-affin sind mehr oder minder alle Exemplare der Reihe, manche haben ihre mehr oder minder zahlreichen Ebenen und Interpretationsspielraum, hier eingangs Alistair MacLean und seiner Mike Graham - Figur in der Billigung, der millionenreichen Faszination. "Uneinsichtig bis zum Schluss" das weitere Geschehen, das Prozedere des folgenschweren Kampfes Gut gegen Böse, das Eindrückliche in der Abstraktion und der Attraktion, mit einem scheinbar erst gezähmten und gebrochenen und fallengelassenen Bond, der wieder aufwacht und die Fährte und Witterung erneut aufnimmt, nur vorübergehend unterbrochen und in der monatelangen Haft samt Isolation. Ein sich Wehren und Weitermachen, das Stehaufmännchen-Syndrom, was die Figur ebenso ausmacht wie bislang die Filmreihe, ein "Ersparen Sie mir das und fangen Sie endlich an", eine Hardliner-Alternative über Jahrzehnte hinweg, ein Exekutionskommando in Personalunion. Ein Bitten um den Tod statt der schlichten Gefangennahme, ein Verrat in der Androhung und der Ausführung, ein hartnäckiges Agieren gegen jeden Widerstand, das darstellerische Spiel durch einen Profi im Mittelpunkt und einige Charaktergesichter wie anfangs Kenneth Tsang Kong und zusätzlich möglicherweise dem Michael Madsen geadelt, damals noch aktiv im Kino, später in anderen Bereichen unterwegs, die Veränderungen dann innerlich wie äußerlich.

Ein "Willkommen zurück", ein deutliche Sprache, ein Freiheit mit hohen Preis, diverse Ablenkungsmanöver und bezwingte Wildheit, ein "Wir haben keine Verwendung mehr für Sie", die Musik dräuend, der Umgang schlicht, eine Rückbeziehung der Folter und des Drogeneinflusses, die Ankündigung des nahenden Todes, ein Befreiungsschlag und der Versuch der Realisierung, Reanimierung, Rehabilitierung. Eine vermutete Künstlichkeit über dem teurem Update vom Die Rembrandt-Connection (1995), ein Einchecken in der internationalen Tragweite, "Ich hab's überlebt." im zweifachen Sagen, wie für sich selber gesprochen und als sich erinnernde Ausdrucksweise, wird auf den Handover '97 angespielt und aktuelles Weltgeschehen Fundamente in der Realität aufgebaut und gezüchtet und später wieder vernichtet. Über Kuba geht anschließend die Reise, ein weiterer Abstecher bloß, ein Abklappern touristischer Ziele und der Häkchen in der Drehortbesprechung, "die Glut brennt sehr lange", ein Wecken von Fähigkeiten angesichts der brenzligen Lage und der Exulzeration. Die Optik nun sonnendurchschienen und heller und greller, je nach Fortschritt des Inhalt und dem Ort, an dem man sich aufhält und dem Kenntnisstand, den man hat und auf welcher Seite des Skriptes man sich befindet. Zwischen Urlaub, Privatvergnügen, Arbeit und Seelenfrieden ist der Gemütszustand und die Inszenierung gleichermaßen, zwischen entzückender Aussicht und Fatalismus und monströsem Deskriptivismus.

Referenzen werden gemacht und gehen auf oder unter, es wird geflirtet und die Freiheit und Unzähmbarkeit genossen, es werden Sidekicks addiert und Spin Offs proklamiert, es wird an die Grenzen gegangen und sie durchbrochen; eine leidenschaftliche und gleichzeitig gebremste Regieführung, ein Regisseur ursprünglich vom kleineren Drama und später auch dahingehend genommen. Ausflüge werden gemacht und verpasst, Schlachten geschlagen, Kriegsreserven mobilisiert, Ausdrucksweisen mal grob und mal freundlich, ein (frostiger) Film wie aus dem Labor und dennoch oder deswegen mit Schwachstellen, einiges im dramaturgischen Rhythmus, einiges an bekannter Führung, in der schlichten Ausdehnung der Story und ihrer eingangs eingängigen, dann fragwürdigen Funktion und Motivation. Herumgedokterte und schöpferische Tätigkeit und kunstvolle Bearbeitung, alles auf einmal zuweilen und alles nacheinander bisweilen, Raum für Interpretationsmöglichkeiten, zusätzlich zuweilen gruseliges Theater und schneidige, vielerlei Fortbewegungsmittel beinhaltende Einheiten. Ein Eindringen in fremde Kliniken, ein Ausbrechen aus Gefangenschaften und storytechnischen Haftungen und Halterungen, "Es kam wie eine Sturmwarnung", ein Training in der Ausführung, Pflicht und Kür, die Einflechtung von popkulturellen Hinweisen, von allem zahlreich und immer etwas mehr; der Film zwischen Abenteuer und "selbstdarstellerischen Adrenalin-Junkie", nach oben gezielt und oft auch getroffen. Ein kühles bis bisweilen entstelltes Ereignis, ein lautes Säbelrasseln, Hitzigkeit fern jeder Spekulation, ein kompromisslos eisiges Machtspielchen mit sich selber und dem (unverhältnismäßig?) nachtragenden Publikum. Mensch und Maschine im Widerstreit, "der Mensch braucht ein präzises Gleichgewicht zwischen Wärme und Kälte". Die beste Szene vor dem aufgeblasenen, im Gedeih und Verderben abschreckend lärmiger Showdown in gewalttätig-finsterer Batman & Robin Kulisse mit Mister Freeze zwischen Elektroschocks und Lasertod eine entsprechend kleine, ein paar Sekunden Handwerk nur, ein vermeintlicher Überfall im MI6 Hauptquartier, eine da tatsächlich für Sekunden spannungs- und wendungsreiche digitale Simulation, eine vorübergehend formvollendete Präsentation.








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