Mit „Zeit der Wölfe“ verschmilzt Neil Jordan Elemente von Horrorfilm und Märchen zum filmischen Pendant eines Traums.
Im Grunde genommen geht es in „Zeit der Wölfe“ auch nur um den Traum der jungen Rosaleen (Sarah Patterson) in der Gegenwart, die sich selbst in einer märchenhaften Welt wieder findet. Was folgt ist Surrealismus pur, denn es gibt Traumsequenzen, verschiedene Realitätsebenen, Erzählungen in der Erzählung usw. Dabei bleiben nur Rosaleen und das Thema der rote Leitfaden, der die Episoden zusammenhält.
Da liegt dann auch bereits der Hund begraben: Inhaltlich hat „Zeit der Wölfe“ wenig auf der Pfanne. Man beschäftigt sich mit der möglichen Entstehung von Werwölfen und interpretiert das Rotkäppchen-Märchen noch mal neu, aber wirklich viel passiert nicht. Zudem gibt es keine durchgängige Handlung, sondern eher einzelne Episoden, was leider als totaler Spannungskiller fungiert. Vor allem, da einige Episoden kaum einen Sinn haben (z.B. der Kauf des Wolfserums für Haare auf der Brust).
Optisch haut „Zeit der Wölfe“ den Zuschauer hingegen von den Socken, denn die Märchenlandschaft sieht wirklich bombastisch aus: Dunkle Märchenwälder, vereinzelte Hütten im Dickicht und Dörfer wie aus Grimms Märchen, das kommt alles ziemlich stimmungsvoll rüber. Zudem verstecken sich in der Bildsprache immer wieder Symbole (z.B. die steinerne Babyfigur aus dem Ei, deren Bedeutung man erst später erkennt).
Auch die Effekte sind wirklich top und kommen mit herrlich handgemachtem Charme daher. Vor allem die Verwandlungen der Werwölfe sind wirklich fantastisch anzusehen, aber auch sonst kann die Tricktechnik fantastische Kreaturen wie einen lebenden Pelz oder einen riesigen Teddybär optisch beeindruckend in Szene setzen.
Angesichts von soviel Oberfläche haben die Schauspieler natürlich Probleme nicht unterzugehen und tatsächlich gelingt dies nur wenigen (meist den Werwolf-Darstellern, was aber an den Rollen liegen könnte). Hauptdarstellerin Sarah Patterson schlägt sich halbwegs wacker, aber wirklich charismatisch ist sie auch nicht.
„Zeit der Wölfe“ ist ein extrem zweischneidiges Schwert: Optisch ist der Film eine Wucht und klotzt mit Effekten sowie Symbolik, aber das kann nur teilweise darüber hinwegtrösten, dass die Geschichte ziemlich dürftig ist und die Spannung höher sein könnte.