Düstere Märchen sind eine seltene Filmgattung und wenn sie auch noch Horrorelemente beinhalten, kann man von einem sehr seltenen Exemplar sprechen. "Die Zeit der Wölfe" ist so eins.
Neil Jordan, der später Vampire interviewen ließ, schickt hier auf träumenden Wege die bildhübsche Rosaleen (von ihrer Schwester gehaßt, von den Eltern unbeachtet) in eine düstere Märchenwelt, bei der Tim Burton seine Freude dürfte. Nebelverhangene Wälder, kein Sonnenschein, bedrückende Mittelaltermusik, verkrüppelte Bäume, undurchdringbare Sträucher und eine ewig dunkle wie farblose Optik tauchen den Film in eine Atmosphäre, wie sie sich geistig im Kinderbett zu Grimms Märchen entfalten durfte.
Frei nach dem hier oftmals zitierten "Rotkäppchen" verbringt Rosaleen nach dem Tod ihrer Schwester (getötet von Wölfen) viel Zeit mit ihrer Oma (Eine starke Angela Landsbury, als perfekte Erzählerin und Märchenfigur), die ihr mit Hilfe von parabelhaften Werwolfgeschichten (gute Verwandlungseffekte und mitunter auch blutig wie hart), einige Lebensweisheiten und Warnungen auf ihren Lebensweg mitgibt: Verlasse nie den rechten Weg, traue nie einem Mann mit zusammengewachsenen Augenbrauen etc.
Doch als sich rund ums Dorf Werwölfe andeuten und auf einer Jagd auch bewiesen werden, ist es vorbei mit den Märchengeschichten der weisen älteren Frau.
Trotz aller Warnungen, Vorzeichen und ihrer Ablehnung des Nachbarsjungen trifft sie (inklusive Redcape) auf dem Weg zu ihrer Großmutter einen kultivierten, hübschen, jungen Mann, der scheinbar so viel mehr zu bieten hat, als die primitiven Burschen ihres Dorfes. Eingehend auf eine Wette mit diesem muss sie sich schlußendlich entscheiden welche Art zu Leben sie bevorzugt.
Fazit:
Neil Jordan schuf ein gruseligen Horrormärchen, dass Tim Burton nicht besser inszenieren hätte können. Die tolle Atmosphäre, die phantastischen Sets und nicht zuletzt die Schauspieler (Angela Landsbury vorran) machen dieses Werk zu einem außergewöhnlichen Exemplar des Fantasygenres. Der zu unendlich vielen Interpretationen anregende Erzählstil wird nicht jedermann gefallen. Doch die, die sich darauf einlassen werden eine Zeitreise in ihre Kindheitsträume machen. Klassisch!