kurz angerissen*
Mandicos Meditation über den weltlichen Verlust der Unschuld schreckt nicht einmal davor zurück, französische Volkshelden zu entmystifizieren. Jeanne D’Arc, die im Alter von 19 Jahren einen schrecklichen Tod fand und posthum heilig gesprochen wurde, wird zum rastlosen Geist uminterpretiert. Von einem Hengst entjungfert, sei sie längst keine Unberührte mehr, und je länger sie durch die Wälder streift, desto mehr wird ihr Geist von den Gräueln verdunkelt, mit denen sie auf ihrer Reise konfrontiert wird.
Wie üblich scheut der Regisseur zur Realisation dieser alternativen Geschichtsschreibung keine Mühen, um üppige Bildkompositionen zu erschaffen, die vor Fantasie nur so strotzen. Selbst in einem 9-minütigen Kurzfilm kommen so eine Menge bleibender Eindrücke zusammen: Ein festlich gedeckter Tisch etwa, auf dem das obere Viertel einer Leiche verrottet, phallische, Saft verspritzende Bäume, die später auch in „The Wild Boys“ wieder aufgegriffen werden sollten, glotzende Augen, die mitsamt Sehnerv in der Luft schweben und Voyeurismus an nackten Jungfrauen betreiben, die regungslos im Wald stehen wie exotische Pflanzen. Mittendrin einmal mehr Elina Löwensohn als Wanderin mit bronzefarbener Haut, die ihre obskuren Beobachtungen in ein Klagelied französischer Poesie verpackt. Da erscheint die Stimmung, die der Märchenerzähler aus dem Off (Thomas Arnold, mit einer Stimmfärbung wie Sir Patrick Stewart) verbreitet, wie bitterer Zynismus – erst recht, wenn er die Protagonistin als „Joan the Slut“ bezeichnet.
Die Frage aus dem Titel wird auch diesmal mit der Brechstange beantwortet, aber über die visuelle Opulenz kann man kaum hinwegsehen.