Review

Sommerkälte (2016)
Ein Mann, einsam und sozial isoliert, begibt sich auf die Suche nach seinem verlorenen Kind. Der Glaube gibt ihm Hoffnung. Doch schon bald muss er erkennen, dass ihm Gott selbst in diesen schweren Zeiten nicht zur Seite steht. Allein gelassen. Allein mit seinem Fleisch, in einer Welt aus Trümmern. Nur der Tod bleibt stets sein treuer Begleiter. Träume von Dauer verzehren den Augenblick. Der Mann tritt seine letzte Reise an...

Regisseur "Dorian Valentino" (Pseudonym) sein Filmdebüt in Form eines ca. 38 Minuten langen Kurzfilmes, zu dem er auch das Drehbuch schrieb, lockt seinen Zuschauer in die konsternierte Gedankenwelt eines Mannes und suggeriert dabei eine Botschaft, die nicht nur alt bekannt, sondern ziemlich dupliert ausschaut. Ein in sich geschlossener Indie Art Haus Kurzfilm, im Stil von einem Marian Dora. Kontrovers, verstörend ästhetisch schön?

Zitat: "Dieser Film ist der Seele entsprungen und ein Ausdruck ihrer Gefühle" Welche schöne Einleitung, die einen schriftlich auf den Film vorbereitet. Das Denkgerüst ist Nihilismus in seiner konzentriertesten Form. Kein Platz für Epistemologie, Mystik oder gar spirituelle Gedanken. Stattdessen konzentriert man sich auf den klassischen Bösewicht die Kirche und die christliche Religion als Aufhänger, der nicht hält, was er verspricht. Wo ist das versprochene Paradies? Welchen Sinn hat alles? Der Tod als einziger Ausweg zum ewigen Frieden nach einem Schicksalsschlag usw. Plakativ und wirklich nicht ein Gedankengang in Richtung Reinkarnation, Entwicklungsspirale, Prä-Astronautik oder gar kollektives Bewusstsein zum universalen Zweck. Das Resultat ist schwarz / weiß Philosophie, in die man als Akademiker nicht zu viel rein interpretieren sollte. Folglich sollte man sich weniger bei Sommerkälte um Intellektuelle Inhalte oder gar logische Schlussfolgerungen bemühen sondern eher den Film im Bereich der Kunst ansiedeln.

Hier kann er letztendlich, wo er in der Philosophie völlig versagt voll punkten. Als Kunstfilm im Independent Bereich überzeugt "Sommerkälte" durch eine ruhige Kamera und gut überlegte Einstellungen, die schöne Bilder einfängt. Auch der Schnitt harmoniert fast durchweg. Volle Punktzahl kann man der gut gewählten und wunderschönen Musik Beigabe geben, die definitiv konvenabel zu den Bildern passt. Hier entstehen Ästhetik und Atmosphäre. Sehr gut Herr "Dorian Valentino". Die Off-Stimme (von Thomas Goersch gesprochen) begleitet einen über den ganzen Film hinweg und ist lyrisch ebenso passend das man alles in allem sagen kann, das "Sommerkälte" durchdacht und strukturiert ist und seinen roten Faden hält. - Der Marian Dora Vergleich... Objektiv ohne die Personen hinter den Film näher zu kennen, lässt keinen Zweifel, das es im Bereich Stil und Botschaft parallele gibt. Denn noch ist Sommerkälte im Gesamten frei inspiriert und das sieht man auch.

Die Sache mit dem Tiersnuff! Applaus ganz toll gemacht! Ganz klar Punkt Abzug!!! Nicht nur das es im Bereich der Filmkunst ein No Go ist, nein die Szenen sind völlig überflüssig und zu dem ein Zeichen, dass man anscheinend kreative Schwächen hat, denn wo eine Nachbildung ein Zeichen vom künstlerischen Schaffen ist, möglichst authentische Szenen einzufangen, setzte man hier auf echte Lebewesen. Fetten Daumen runter! Schade das man sich künstlerisch nicht mehr zu getraut hat.

Subjektiv fand ich den Kurzfilm Sommerkälte zweifelsfrei interessant. Er ist bei Weitem nicht so verstörend oder kontrovers oder gar depressiv, wie im Vorfeld zu lesen war. So bereue ich nicht den Streifen gesehen, zu haben. Positiv fand ich die ästhetischen Bildeinfänge, die ruhige Kamera, die wirklich gelungene Musikauswahl und die Erzählstimme von Thomas Goersch der seinen Job gut machte. Als Negativ sehe ich nur zwei Sachen zu einem die unnötigen Tiersnuff Szenen und zum anderen die oberflächliche lineare Philosophie, die wenig tiefe bereithält.

Fazit:
Sommerkälte ist ein Independent Kurzfilm, der eher für Liebhaber des Genres gedacht ist und kein Film zum unterhaltsamen Filmabend zu Bier und Chips. Es sollen sich Gedanken gemacht werden über relevante Dinge im Leben und dieser Transport gelingt auch. Als Filmdebüt so weit ok aber ausbaufähig.

Bewertung:
4,5 / 10 Punkte (5,5 / 10 ohne Tiersnuff)

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