iHaveCNit: American Honey (2016)
Hin und wieder beschäftige ich mich gerne auch mal mit Indie-Filmen und da ich letztes Jahr bereits auf „American Honey“ aufmerksam wurde, habe ich den Film nun im Heimkino nachgeholt. „American Honey“ ist der neueste Film der britischen Independent-Regisseurin Andrea Arnold, deren restliches Werk ich bis jetzt noch nicht kenne und gesehen habe, so dass ich hier keine Aussagen über den üblichen Stil der Regisseurin treffen kann und dies auch kein Bestandteil meiner Review sein wird.
In „American Honey“ lernen wir die junge Star kennen, die aus ihrem Kleinstadtleben ausbrechen will. Zufällig trifft sie auf Jake und eine Gruppe junger Zeitungsverkäufer, die von Stadt zu Stadt ziehen, um Geschäfte zu machen. Und Star entscheidet sich, Teil dieser Gruppe zu werden, vor allem weil sie auch eine gewisse Anziehung zu Jake aufgebaut hat.
„American Honey“ ist ein klassischer Roadmovie, der vor allem drei Milieus verknüpft. Das der vergessenen Unterschicht in den vereinigten Staaten, dann dass der jungen Generation, die Träume, Ziele und sich selbst finden und verwirklichen wollen und das Milieu von Drückerkolonnen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Zeitungen an den Mann zu bringen. Auch wenn ein Film die Möglichkeit hat, Themen im Verborgenen und Unausgesprochenen herauszuarbeiten, fehlt dem Film hier ein wenig die Tiefe und lässt einen leicht oberflächlichen Eindruck zurück. Kern des Ganzen ist jedoch die sich entwickelnde Liebesgeschichte von Star und Jake – und die Rolle der Chefin der Druckerkolonne, Krystal, die eigentlich mit Jake zusammen ist. Und dieser Kern bietet auf der darstellerischen Seite richtig viel. Sasha Lane ist als Star perfekt besetzt und Shia LaBeouf bietet hier trotz seiner sehr limitierten Fähigkeiten eine seiner besten Rollen. Darüberhinaus ist der Rest der Crew extrem authentisch und bekommt auch die notwendige Zeit zur Entwicklung der Charaktere. Wie für Roadmovies üblich hangelt sich der Film von Station zu Station, um die Handlung voranzutreiben. Vor allem dienen die Stationen hier zur Entwicklung von Star, die auch in das Milieu wie ein Fish-Out-Of-Water-Charakter herangeführt wird. Ich habe Respekt davor, dass Andrea Arnold hier als Regisseurin und Drehbuchautorin eine eigene Vision verfolgt hat und das Geschehen auf stolze 163 Minuten aufgebläht hat. Das lässt den Film, der eine gewisse erfrischende Leichtigkeit und Hoffnung verkaufen soll zu einem extremen Geduldspiel werden, weil er sich sehr viel Zeit lässt, auch wenn die Handlung selbst auch mit einer Stunde weniger Laufzeit hätte stringenter und konsequenter erzählt werden können. In einem Roadmovie sind ja auch die Bilder des Films selbst ein wichtiges Element und hier raubt man sich mithilfe dem 4:3-Format auch viel von dem stark vorhandenen Potential, dass bei voller Ausnutzung des 16:9-Formats möglich gewesen wäre. Die im Film integrierten Songs unterstützen die Erzählung der Handlung auch ein wenig, aber für mich war letztendlich trotz dem Abhaken aller Stationen des Roadtrips und der Dialoge keine klare Konklusion erkennbar.
„American Honey“ - My First Look – 7/10 Punkte.