Review

Als Kristen Stewart noch eine annehmbare Frisur trug und dennoch nicht mehr auf die Figur aus „Twilight“ festgelegt war. Erneut bekleidet sie die Hauptrolle im Film des Franzosen Olivier Assayas, der mit Personal Shopper“ eine Mischung aus Psychodrama, Identitätshorror und Jobverdruss hinlegt, die bis auf die Auflösung lediglich von Stewarts Präsenz zusammengehalten wird.

Maureen (Stewart) arbeitet für eine berühmte Modeikone und besorgt ihr wahlweise Kleidung, Schmuck und andere Accessoires. Viel lieber aber widmet sie sich dem Übernatürlichen und wähnt sich selbst als Medium, nicht zuletzt, um ein Zeichen von ihrem kürzlich verstorbenen Zwillingsbruder zu erhalten…

Geduld ist eine Grundvoraussetzung für den 105 Minuten langen Streifen, der sich an Arthouse ebenso versucht wie an die Verknüpfung diverser Genreelemente von Drama über Thriller bis zum Horrorfilm. Stewart agiert komplett im Zentrum des Geschehens, die Kamera weicht ihr fast nie von der Seite und weil das Leben eben nicht nur voller Abenteuer steckt, kann das zuweilen ganz schön eintönig sein. Der Schriftverkehr via Smartphone mit einem Unbekannten könnte kaum eindimensionaler und unspannender ausfallen, es wird auffallend viel gewartet und Roller gefahren, dann wieder der Job mit Kleidung abholen, Kleidung abliefern, immerhin ein paar Gespräche mit Tiefgang, eine Handvoll Lokalitäten mit düsterer Atmosphäre und schließlich, um ein paar Schauwerte zu liefern, Kristen leicht bekleidet und in zwei Szenen oben ohne.

Ein roter Faden ist da nur schwerlich auszumachen, zumal sich im letzten Drittel ein Mord hinzugesellt, der mit dem eigentlichen Thema wenig zu tun hat, während stets Themen wie Trauerbewältigung, Erinnerung, Selbstbestimmung und Identitätssuche im Vordergrund stehen. Die Auflösung kommt schließlich ein wenig unvermittelt, sie vermag jedoch einige Fakten in einem veränderten Licht erscheinen lassen. Wobei das Ganze wenig mit Paranormalem zu tun hat.

Visualisiertes Ektoplasma und zwei schwebende Gläser sind ohnehin alles, was an Spezialeffekten aufgefahren wird, der Rest ist oft düster, teils depressiv oder zumindest melancholisch und wenn Stewart nicht so einigermaßen überzeugend und mit einiger Präsenz zu Werke ginge, wäre der Streifen ein kompletter Langweiler. Die Pointe kaschiert noch etwas und rechtfertigt ein wenig die unentschlossene Vorgehensweise, doch letztlich muss man sehr offen für merkwürdige Stimmungen sein, um dem eigenwilligen Werk etwas abgewinnen zu können.
Knapp
4 von 10

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