Review

kurz angerissen*

Nach drei "Insidious"-Filmen, einem "Annabelle"-Spinoff und nun dem zweiten "Conjuring", allesamt mit einem gemeinsamen Stilverständnis, würde nun auch "The Conjugation" als Filmtitel durchgehen. Es sind eben vor allem Konjugationen des Grusels, die James Wan in den letzten fünf Jahren vorgenommen hat, mit Parallelen, Überschneidungen und Überlappungen, einer stets ähnlichen, aber doch nie ganz identischen Mechanik des Erschreckens und Themen, die als kleine Kosmen für sich stehen und doch ineinander übergehen.

Die "Conjuring"-Serie entpuppt sich mit dem zweiten Teil nun angenehmerweise als eine solche, die nicht weiter dem Weg der Hauptfigur des Originals folgen möchte, sondern sich vielmehr an die Fersen zweier Nebendarsteller haftet: Vera Farmiga und Patrick Wilson, die ein Ehepaar spielen, das übernatürliche Phänomene studiert – und damit Querbezüge zu den "Insidious"-Filmen schaffen, in denen nicht nur Wilson bereits eine wichtige Rolle spielte, sondern ähnliche Charaktere (von anderen Darstellern verkörpert) ebenfalls ihren Auftritt am Rande hatten. Obgleich auch in "The Conjuring 2" wieder eher eine Familie im Vordergrund steht (und da insbesondere Frances O'Connor als alleinstehende Mutter sowie Madison Wolfe als besessenes Kind), schaufelt Wan viel Raum frei für die heimlichen Stars und schafft es sogar, ihnen Zeit für private Gespräche bis hin zu romantischen Momenten zu gewähren. Unabhängig von seinen Horrorelementen verleiht das dem Film in Erwartung eines bloßen Sequels der Kasse wegen eine ungeahnte emotionale Tiefe.

Weil man schon hier etwas bekommt, mit dem man nicht zwangsläufig gerechnet hätte, ist man auch eher bereit, sich wiederholende Schockeffekte oder weniger gelungene Gruseleinlagen weniger kritisch zu beäugen. Manchmal schießt der Film etwas über das Ziel hinaus, wenn er statt leisem Unbehagen eher Feuerwerksgepolter oder statt fiesem Make-Up mal eine weniger gruselige CGI-Figur ins Spiel bringt (ganz anders hätte die Szene um den Hund gewirkt, hätte man beispielsweise Javier Botet engagieren können, um den "Crooked Man" zu verkörpern), doch es ist ja nicht so, als hätte Wan sein Handwerk nach einer Runde "Fast And The Furious" verlernt: Gerade die Nonne ist eine wahrlich widerwärtige Strippenzieherin mit manch memorablem Auftritt, und die meisten Szenen funktionieren ganz so wie immer über ihre desorientierenden Bildkompositionen und die irritierend langsamen Kamerafahrten.

Im Mittelteil geht zwar bisweilen ein wenig die Struktur verloren (und mit ihr der Horror), dennoch ist es angenehm, in "The Conjuring 2" – hier eine Parallele zu "Insidious 2" – einmal nicht die typische Fortsetzung mit dem Mehr-vom-Gleichen-Versprechen geboten zu bekommen, sondern das ambitioniert erzählte neue Kapitel eines großen Buches.

*weitere Informationen: siehe Profil

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