Review

Du musst die Pelle durch die Lasche zieh'n

Zum Tod von Rosa von Praunheim habe ich mir zum ersten Mal „Die (Kieler) Bettwurst“ angeguckt - und bin sprachlos, wie ich diesen gigantischen Auswuchs des Trashfilms vorher umgehen konnte… Ich glaube da können selbst „Daniel, der Zauberer“, „The Room“ oder alles von Ed Wood einpacken - dieses Liebespaar für die An(n)alen toppt nahezu alles, was ich je in Sachen „guter schlechter Film“ gesehen habe! „Die Bettwurst“ erzählt von Luzi und Dietmar, zwei unbeschreibliche Paradiesvögel, die sich am Kieler Ufer kennenlernen und aufmachen, die Welt zu erobern… Oder einfach verliebt eine gute Zeit zu haben! 

Vergesst Romeo & Julia, Jack & Rose, Laurel & Hardy… Hier kommen Luzi & Dietmar!

„Die Bettwurst“ ist schlicht nicht in Worte, Wertungen oder Kategorien zu packen. Trash, Theater, Trödelmarkt. Cool, schwul, immun gegen jegliche Kritik. Aufgesetzt und ungewollt. Funny und furztrocken. Daneben, vergeben, ein echtes Zwerchfellbeben. Eier, Weiber, Kartoffelsalat. Egal was ich sage, dieses Geschoss ist unbeschreiblich. Karneval für die Sinne. Limbo für den guten Geschmack. Das habe ich bei weit über zehntausend gesehenen Filmen noch nie gesehen. Noch nie! Genie und Wahnsinn. Schwiegertochter gesucht und Cassavetes. Kult, Kalauer, Kokolores. Ikone und Migräne. Das dringt in jede Ritze. Das brach jegliche Dämme. Ich habe Jahre nicht mehr in knapp 80 Minuten Film dermaßen gelacht. Ich kann immer noch nicht wirklich fassen, was das da gerade war… Außer Konkurrenz. Ein Wunder. Trash als Kunst. Trash als Hoffnungsschimmer. Trash als Seelenheil. Jetzt muss ich nur noch irgendwo das Sequel, „Die Berliner Bettwurst“ herkriegen… 

Fazit: Einer der lustigsten schlechten Filme aller Zeiten. Ohne Witz, ganz großes Kino. Ich habe wirklich Rotz und Wasser gelacht! Eine Lovestory für die Ewigkeit! 

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